GELSENKIRCHEN: EINE STADT SIEHT SCHWARZ!

Fred „The Hammer“ Williamson zu Gast im Buerer Schauburg-Theater



Die Rolle afroamerikanischer Schauspieler in Hollywood-Filmen war nicht immer dankbar. Sieht man sich Filme aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an, so tauchen sie meistens in entwürdigenden Kleinstrollen auf, als Schuhputzer, als Kleingangster, als ängstlicher „Comic Relief“. Wenn Künstler wie Willie Best oder Mantan Moreland – beide vorzügliche Komiker – ihre Faxen machten und nicht selten Witze über die eigene Hautfarbe machen mußten, so spiegelte das die traurige Realität des Daseins schwarzer Menschen in den USA wider. Sie wurden bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls drangsaliert. Als sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts allmählich organisierter Widerstand zu regen begann und Leute wie Reverend Martin Luther King jr. keine Lust mehr hatten, den Ku Klux Klan weiter Kirchen bombardieren und Morde an schwarzen Mitbürgern begehen zu lassen, reagierte auch Hollywood: Schwarze Schauspieler bekamen erstmals würdevolle Rollen. zunächst in ausdrücklichen Anti-Rassismus-Dramen, später gleichberechtigt in Parts, die vorher nur von weißen Schauspielern hätten eingenommen werden können. Die Entwicklung von Sidney Poitier zu Will Smith und zum ersten schwarzen Regierungspräsidenten fand in einer sensationell kurzen Zeit statt, in gerade einmal 50 Jahren.

Als Melvin van Peebles seinen großartigen SWEET SWEETBACK´S BADASSSS SONG drehte, war die Zeit gekommen für schwarze Superhelden. Hollywood witterte die Chance, hier eine neue Klientel anzusprechen: die vielen Afroamerikaner, denen in den meisten Regionen Amerikas noch die Gleichberechtigung verwehrt wurde. Filme wie Gordon Parks´ SHAFT oder der von dessen Sohn inszenierte SUPER FLY stießen die Türen auf für eine große Zahl von Genrefilmen, in denen schwarze Helden dem weißen Mann zu den Klängen schmissiger Musik zeigten, wo der Frosch die Locken hat. Für die Hauptrollen dieser Filme holte man sich häufig bekannte Sportler, die im Rahmen ihrer vorherigen Tätigkeit bereits Ruhm hatten sammeln dürfen. Jim Brown fällt einem da ein. Oder eben Fred Williamson.

Von allen schwarzen Superhelden, die in Hollywood und andernorts den Asphalt hochrollten, war Fred W ohne Frage der bestaussehende. Markant, muskulös und mit niemals versiegendem Charme spielte er von seinem ersten Auftritt in Robert Altmans M.A.S.H. an eine Vielzahl keinen Widerspruch duldender Einzelkämpfer, die sich in der Weißenwelt nicht nur einen Platz zuordnen ließen – sie nahmen ihn sich einfach! Mit Entschlußkraft und Selbstbewußtsein walzten sie überkommene Vorurteile nieder wie eine Planierraupe und machten Schluß im Quadrat, wann immer sich ihnen jemand in den Weg stellte. Sie wollten alles, und sie bekamen es auch!

Seinen Anfang machte Fred Williamson bei den Oakland Raiders und den Kansas City Chiefs, doch sein Weg führte ihn kontinuierlich westwärts. Erste große Erfolge landete er in Larry Cohens schwarzer DER PATE-Variante BLACK CAESAR, in der es Fred mit zahlreichen italienischen „uomini d´onore“ aufnimmt und ihnen die explodierenden Cannoli nur so um die Ohren fliegen läßt. In HAMMER – der Titel war eine Anspielung auf seinen Football-Spitznamen – glänzte er als Boxer B.J. Hammer, der sich von keinem Gangster vorschreiben läßt, wie er seine Kämpfe zu führen hat. HELL UP IN HARLEM, THAT MAN BOLT und THREE THE HARD WAY – immer rockte er das Haus und zeigte seinen Gegnern das Tor zur Hölle. Erste Rollen in italienischen Filmen, die in den USA produziert wurden – TESTAMENT IN BLEI, ZWEI FÄUSTE DES HIMMELS – zeigten den Weg auf, den Fred in den 80ern einschlagen sollte. Er arbeitete mit italienischen Regisseuren zusammen wie Enzo G. Castellari, Antonio Margheriti, Lucio Fulci und Stelvio Massi, und es waren nicht zuletzt diese vergleichsweise preisgünstig hergestellten Fan-Favoriten, die seinen Ruhm in neue Generationen von Kinogängern hineintrugen. Daß ihn auch amerikanische Regisseure jüngeren Alters haben wollten, zeigen Produktionen wie Bill Lustigs schmissige Italo-Polizeifilm-Hommage VIGILANTE oder Robert Rodriguez´ immens populärer Horror-Actioner FROM DUSK TILL DAWN. Dem zartbesaiteteren Kinofan begegnete er als Captain Dobey in der Kinoversion von STARSKY & HUTCH. Und da ihm seine über 100 Film- und TV-Auftritte noch nicht reichten, drehte er einige Filme selbst, darunter MEAN JOHNNY BARROWS und FOXTRAP. Mit über 70 Jahren ist Fred Williamson so aktiv wie eh und je. Gleich im Anschluß an den Auftritt im Club wird er nach Sachsen weiterreisen, um dort an einem Dreh teilzunehmen. Und sein nach wie vor unverschämt gutes Aussehen neide ich ihm persönlich!

Der „Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega“ hat die große Ehre, diesen Titan des amerikanischen Genrekinos bei sich begrüßen zu dürfen. Es wird einen seiner schönsten Filme zu sehen geben, und selbstverständlich wird Fred W in einem ausführlichen Interview seine Karriere Revue passieren lassen und den Club mit einem Hauch von Hollywood versehen. Wir wissen, was für eine Show dieser Mann abziehen kann – Ihr müßt es noch kennenlernen! Wenn dieser Mann zuschlägt, dann tritt die Ruhr über die Ufer, der Kölner Dom wackelt, die Bergwerke fördern wieder wie von selbst! Es wird ein einzigartiges Erlebnis für uns werden. Ihr alle seid am kommenden Samstag, dem 17. September, herzlichst dazu eingeladen, mit uns am Fest teilzunehmen. Ab 20 Uhr ist Einlaß, und wer das verpaßt, den bestraft das Leben...

Black Buio spezial – nur hier, in der Schauburg!



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