Maciste und die Spaghetti aus dem Weltall

Wir schreiben das Jahr 1961. Lange bevor Django, Ringo, Sabata und Konsorten mit ihren rauchenden Colts den wilden Westen umkrempelten, hatten sich in Cinecittà die Bodybuilder breitgemacht: Männer mit Muskeln so allgewaltig wie das Montblancmassiv machten die Leinwände zu Austragungsorten mythischer Gefechte, in denen nicht selten sogar die Götter des Olymp mitmischten.
Dieser Trend hatte seinen Anfang genommen im 1958 herausgekommenen LE FATICHE DI ERCOLE, in dem der Amerikaner Steve Reeves mit herkulischer Macht der Gerechtigkeit zum Sieg verhalf. Dieser Film - zusammen mit seiner Fortsetzung, die, wie auch der erste Teil, von Pietro Francisci (sprich: Frantschischi) inszeniert wurde - hebelte die italienische Filmindustrie, die sich zu diesem Zeitpunkt mehr schlecht als recht durch sentimentale Melodramen und Komödien mit Lokalkolorit behauptete, aus dem Odium provinzieller Kleinkrämerei in das Scheinwerferlicht des internationalen Filmgeschäftes. Sowohl auf dem einheimischen Sektor wie auch in Übersee verkaufte sich der Sandalenfilm - genannt "Peplum", nach einem altrömischen Kleidungsstück - einfach glänzend.
Nachdem klargeworden war, daß man mit solchen Spektakeln den großen Reibach machen konnte, dauerte es nicht lange, bis auch andere Superhelden der Mythologie exhumiert wurden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Maciste, der Kämpfer für Gerechtigkeit, der Raum und Zeit überwinden kann und seine filmische Erstbesteigung in Giovanni Pastrones 1914 erschienenem Urvater aller Kostümfilme, CABIRIA, erfuhr, vor die Pflugschar des Sandalenfilms gespannt werden würde. Doch wer würde den kraftstrotzenden Supermann verkörpern? Bodybuilding war in Italien zwar nicht gänzlich unbekannt - die wirklichen Stars dieses Bereiches kamen aber aus den Vereinigten Staaten. Ein Amerikaner mußte her...
Nach Steve Reeves und Mark Forest war es jetzt an Gordon Mitchell, die Pappmachéfelsen hochzuwuchten und den Feinden humanistischer Gesinnung die Hammelbeine langzuziehen. Und er schlug ein wie eine Bombe: Das Publikum liebte ihn, die Produzenten witterten Morgenluft.
Anders als viele andere seiner angelsächsischen Kollegen war Gordon seiner Wahlheimat treu geblieben. In ungefähr 200 Filmen spielte er alles, vom grimmigen Bösewicht bis zum hehren Streiter für Recht und Ordnung. Erst vor wenigen Jahren brach er seine Zelte in Italien ab, da die dortige Filmlandschaft immer weniger Gelegenheit bot für Genredarsteller wie ihn, ihre markanten Gesichter in den Dienst spannender Leinwandunterhaltung zu stellen. In demselben Maße, wie Finanzspekulanten und Möchtegernpoliticos große Renommierproduktionen aufbliesen bis zur Unkenntlichkeit, mußte das kleine Exploitationkino Konkurs anmelden. Trotz dieser Entwicklung war Gordon aber auch noch in den späten 80ern gern gesehener Gast in italienischen Filmen.
Daß ich den Schauspieler immer sehr verehrt habe, sollte klar sein. Je mehr italienische Filme man sich anschaut, desto größer wird der Kreis von Gesichtern, die zur "Familie" gehören. Gordons unverwechselbare Gesichtszüge hatten sich schon bald in den Stammbaum dieser Familie eingebeizt. Um so betrübter war ich, als man mir vor einigen Monaten von seinem Tod erzählte. Zu gern hätte ich mit ihm ein Interview gemacht...
Doch wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger! Denn siehe, Gordon der Mitchell lebt... Und tatsächlich gelang es mir, den Mimen über einen gemeinsamen Freund an den Apparat zu bekommen und ein ausführliches Gespräch mit ihm zu führen, das mir einiges Neue über seine Filmkarriere verriet und mir einen neuen Freund bescherte. Denn Gordon ist - trotz der Vielzahl von Killern und anderen Bösewichtern, die er in den Jahren verkörpert hat - ein wahnsinnig lieber Mensch, dessen Freundlichkeit ich gar nicht oft genug betonen kann. Deswegen mache ich es auch nur hier, nicht ohne ihm herzlich für die Bereitstellung zahlreicher Filmbilder zu danken, die den Artikel angemessen illustrieren werden...
Was seine Gesundheit angeht, so sollte man nur erwähnen, daß der Mensch jeden Morgen um vier Uhr früh aufsteht - also zu einer Zeit, wo ich gerade mal den Stall mit den Schäfchen aufsperre - und bald darauf ins Sportstudio seines Freundes Joe Gold geht, das weltberühmte "World Gym". Die Vorstellung allein treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn: Der Mann ist 72, ich selbst 27 - was mache ich falsch?
Hier also nun die Geschichte des amerikanischen Bodybuilders Charles Pendleton, der nach Europa kam, um ein Star zu werden und schließlich mehr Filme drehen sollte als die meisten anderen lebenden Schauspieler. Ladies and gentlemen! Let me lay on you: Gordon Mitchell, everyone's favorite superhero, gunman - and friend...

Charles Pendleton wurde geboren in Denver, Colorado, am 29.7. 1923. Nachdem seine Mutter sich von seinem Vater scheiden lassen und einen neuen Mann gefunden hatte, zog die kleine Familie in den Bundesstaat Kalifornien, nach Inglewood. Hier verlebte Chuck seine Teenagerjahre, ging auf verschiedene Schulen, bis ihn der Militärdienst ereilte.
Im zweiten Weltkrieg lernte Gordon unser schönes Heimatland von seiner weniger schönen Seite kennen: Er wurde Kriegsgefangener. Glücklicherweise überstand er diese Zeit ohne nennenswerte Blessuren, und so konnte er nach seiner Rückkehr die Studien in Kalifornien wieder aufnehmen. Er examinierte in verschiedenen Disziplinen und bewarb sich dann um einen Posten an der Schule. Und oh ja, liebe Freunde italienischer Kinokost: da waren so einige Kinder, deren Lehrer Gordon Mitchell hieß! Allein die Vorstellung, diesen Mann vor dem Pult stehen zu haben, sollte selbst den unruhigsten Haufen von Jungpennälern in Sekunden mucksmäuschenstill machen! "Tatsächlich gab man mir die ganzen Problemfälle, weil ich so kantig gebaut war! Wo immer es ruppige Kinder gab - die richtigen Rowdyklassen -, da bekam ich was zu tun... Ich arbeitete auch viel mit exzeptionellen Kindern, also geistig oder körperlich behinderten. Die waren immer sehr lieb, während man bei den Rabauken immer aufpassen mußte, daß man sie gut beschäftigte. Einige waren sehr hart drauf..."
Während dieser Tage lernte Gordon auch einen anderen sportbegeisterten Menschen kennen, der wie er am berühmten "Muscle Beach" in Santa Monica verkehrte: Joe Gold. Gordon lebte ganz in der Nähe. Viele der professionellen Bodybuilder waren dort zu finden, und Gordon traf sie alle: Steve, Mickey, Lou... Mit Joe verstand sich Gordon auf Anhieb bombig; die Begegnung sollte zu einer lebenslangen Freundschaft werden...
1956, nachdem er einen Statistenpart in Otto Premingers THE MAN WITH THE GOLDEN ARM absolviert hatte, kam Gordons erste konkrete Begegnung mit dem Showbusiness. Zusammen mit verschiedenen befreundeten Athleten trat er in zahlreichen Städten der USA auf in der Show von Hollywoods unnachahmlicher Skandalaktrice Mae West, deren unverkrampftes Privatleben, selbstbewußtes Auftreten und schlüpfrige Bonmots ("Hast du 'ne Rolle Hartgeld in der Tasche oder freust du dich bloß, mich zu sehen?") so manchen Moralapostel in wüste Zuckungen der Entrüstungsekstase getrieben hatten.
Gordon dazu: "Am besten haben mir die Läden im Latin Quarter von New York gefallen. Die Leute waren außer sich! Vor allem die Frauen... Vor 40 Jahren war das halt eine ganz große Sache. Und das, obwohl wir fast immer etwas verbockt haben, so viel wir für die Nummern auch geübt hatten..." Bei dieser Show arbeitete er auch mit anderen Bekannten vom Muscle Beach: Freund Joe Gold war ebenso mit von der Partie wie Mickey "Der scharlachrote Henker" Hargitay, späterer Ehemann von Sexbombe Jayne Mansfield. "Oh, uns wurde eines Tages diese Frau vorgestellt. Ich erinnere mich, daß Joe und ich gerade am Strand waren, und, wie das so läuft, ihr gefiel Joe besser! Aber...in Ordnung, ich habe das schon verkraftet! Diese Frau stellte uns dann eine Freundin vor, die gerade ein Bühnenmusical machte. Jayne Mansfield. Sie gefiel mir ganz gut, aber...nicht einige der Dinge, die da vor sich gingen..." Klingt geheimnisvoll, aber was wäre das Leben ohne Geheimnisse? "Ich habe sie dann Mickey vorgestellt, er verliebte sich Hals über Kopf in sie...und das war das. Mickey lebt hier oben in Beverly Hills. Er ist gegenwärtig im Immobiliengeschäft, hat eine Menge zu tun." Daß sich gewisse Techtelmechtel mit begeisterten Fans oder Showgirls anboten, liegt auf der Hand. Aber Tante Mae hatte da den Finger drauf: "Sie erzählte einfach den Mädels, daß wir alle stockschwul seien! Sie wollte natürlich verhindern, daß die Übergriffe überhand nehmen. Na ja, netter Versuch! Die Mädchen waren entsetzt..." Die Reise führte die Showgruppe auch nach Vegas. Damit hatte es sich dann aber auch, denn Mae West wurde krank, die Show abgesagt. Das war 1956.
"Bei dieser Gelegenheit - wie auch bei dem Film von Preminger - lernte ich einige Leute kennen, die beim Film als Statisten arbeiteten. Ich mußte mich für die Show natürlich immer von der Schule beurlauben lassen, denn zu der Zeit war ich immer noch in meiner Lehrstelle tätig. Wichtiger als die Show war für mich aber die Gelegenheit, mit Cecil B. DeMille zusammenzuarbeiten, in THE TEN COMMANDMENTS." In diesem Film hat er einen kleinen Auftritt, in dem er (zusammen mit Joe Gold) den vom Pharao Yul Brynner gefangenen Charlton Heston vorführt. Obwohl seine Rolle nicht so groß war, hatte Gordon hier ausgiebigst Gelegenheit, die Luft von großen Studios zu schnuppern. Gefördert wurde dieses Erlebnis auch dadurch, daß er und DeMille sehr gut miteinander auskamen. Tatsächlich sollte er sogar Heston doubeln in BEN HUR von Wyler.
Einige Zeit später war er in Melvin Franks Comic-Strip-Verfilmung LIL'ABNER zu sehen. Hier arbeitete er unter anderem mit Brad Harris zusammen, einem weiteren Schauspieler, der in zahlreichen Euro-Produktionen mitgewirkt hat und in Deutschland besonders mit der "Kommissar X"-Reihe sehr erfolgreich war. "Ich hatte mit Brad eigentlich schon in der Show mit Mae West gearbeitet. Viele, die dabei waren, haben später guten Erfolg im Filmgeschäft gehabt: Hargitay, Mark Forest, Dan Vadis... Nein, Brad geht es nach wie vor blendend, er wohnt hier ganz in der Nähe. Wenn ich richtig informiert bin, arbeitet er mit Gesundheitssachen, Vitaminen, so was. Aber frage ihn doch selbst; er kommt fast jedes Jahr zum Oktoberfest nach Deutschland... Ich habe später mit ihm noch einen Gangsterfilm gemacht, CIN CIN CIANURO." Die Anregung mit dem Oktoberfest ist auf jeden Fall notiert.

Ende 1960 wurde die Sache dann spannend für Gordon; ein Lehrposten versprach frei zu werden. "Die Sache war so: Ich kannte Steve Reeves schon eine ganze Zeit. Er ist immer noch ein guter Freund. Tatsächlich war Sandy, seine damalige Frau, früher eine meiner Schülerinnen, die viel Zeit am Strand verbrachte... Na ja, nachdem er sich von ihr geschieden hatte, ging er nach Italien, um den ersten Herkules-Film mit Francisci zu machen. Das war dann ein Bombenerfolg, und auf einmal suchten die italienischen Produzenten nach amerikanischen Schauspielern mit einem entsprechenden Körperbau. Lou Dagney (=Mark Forest) ging kurz vor mir rüber. Ich schickte ihnen meine Fotos, und die müssen ihnen wohl gefallen haben. Auf jeden Fall fuhr ich dann nach Europa, im Dezember 1960. Sie hatten mir den Vertrag geschickt, für MACISTE NELLA TERRA DEI CICLOPI. Zuerst mußte ich natürlich die Sache mit meinem Job regeln. Ich traf in Italien ein am 5. Januar 61. Na ja, und am nächsten Tag war ich bereits am Drehen, die verloren keine Zeit! Die nächsten sechs Wochen waren knochenharte Arbeit, ich wußte nicht einmal mehr, wie spät es war..."
Selbst bei einem so routinierten und angesehenen Regisseur wie Antonio Leonviola waren die Produktionsbedingungen, verglichen mit den USA, recht chaotisch. "Ich wußte nicht einmal, wo ich war! Ich stieg aus dem Flugzeug, sie rauschten mich geradewegs irgendwohin, wo ich für Leonviola interviewt wurde. Ich hatte keine Ahnung, was überhaupt vorging! Außerdem sprach ich zu der Zeit so gut wie kein Italienisch. Der Dolmetscher arbeitete gut, aber er arbeitete manchmal wirklich auf verlorenem Posten... Sie gaben mir dann das Skript und versuchten es mit einer wortwörtlichen Übersetzung, die aber schauderhaft klang. Ich mußte alles für mich irgendwie zurechtdrehen. Gleich von Anfang an lernte ich, wie in Italien Filme gemacht werden. Ich mußte zum Beispiel diesen unglaublich langen Monolog halten, in dieser fremden Sprache, und ich geriet in Panik. Mein Manager, Fernando Girolami, empfahl mir, einfach selber was zu erfinden, da hier nachsynchronisiert wurde. Also brabbelte ich irgendwas wie "Mary Had a Little Lamb", und den Leuten gefiel das! Später lobte man mich, wie gut ich doch meinen Dialog gelernt hätte..." Der Film (der zu den besten seiner Gattung zählt und einen großartigen Zyklopen enthält) wurde ein großer Erfolg und machte Gordon über Nacht zum Superstar in Italien. Eine Szene besonders war es, die sich ihm einprägen sollte: er selbst, auf zwei Holzplanken balancierend, über einer Grube mit hungrigen Löwen. "Und die WAREN hungrig! Tatsächlich hatte man die armen Tiere seit mehreren Tagen nicht gefüttert; man warf sogar noch ein, zwei Hasen hinterdrein, damit dort wirklich Stimmung war! Die Techniker applaudierten artig, als ich die Szene abgedreht hatte, aber mir war ziemlich mulmig!" Der Wegzoll des Ruhmes...
Ein absolut empfehlenswerter Film in Gordons Schaffen war auch IL GIGANTE DI METROPOLIS, einer von verschiedenen Filmen, die er mit Produzent und Regisseur Emimmo Salvi drehen sollte. In diesem stark SF-geprägten Peplum, in dem ein Superheld einer aussterbenden Rasse gegenübersteht, deren Diktator versuchen will, durch unethische Versuche den Fortbestand der Seinigen zu sichern, gibt es genug aufregende Action, um jeden Freund dieser Filmgattung zufriedenzustellen, u.a. einen Zweikampf mit einem ziemlich häßlichen Riesen. "Der Riese wurde gespielt von einem Diskuswerfer, dem durch spezielle Schuhe noch ungefähr 20 Zentimeter draufgemogelt wurden. In dieser Szene mißt er ungefähr 2,20 m..." Sehr reizvoll auch die futuristischen Einlagen, wie etwa der extraterrestrische Folterstrahl, mit dem Gordon der Bregen gesotten wird. Optisch wesentlich ansprechender als die späteren Salvi-Filme, ist die wilde Fantasie des Filmes ein totales Muß für Fans. Und natürlich bietet er auch eine der seltenen Chancen, Gordon als positiven Helden zu erleben. "Nein, daß ich so häufig den Bad Guy gespielt habe, stört mich ganz und gar nicht. Schließlich sind es die Schurkenrollen, an die die Zuschauer sich am besten erinnern." Recht hat er; wer kümmert sich um Petrucchio, wenn er dafür den Kaufmann von Venedig haben kann?
Ich erinnere mich noch an die reizende Hauptdarstellerin von IL GIGANTE, Bella Cortez, deren wogender Busen mich in einer Szene zum lauten Schmunzeln veranlaßte, als sie sinniert: "Diese seltsamen Berge..." Nun, diese seltsamen Berge sind in einigen Filmen von Salvi zu sehen. "Sie war seine Freundin. Erinnerst du dich noch an Chelo Alonso aus MACISTE? Das war AUCH seine Freundin, bis sie dann die Leiter aufwärts geschwommen war. Bella war damals vielleicht 18..." War bestimmt ein Superjob, so als Produzent... "Das war auch der Grund, weswegen ich mich immer von den Frauen bei der Arbeit ferngehalten habe. Es hat niemals Skandale um meine Person gegeben. Zuerst haben die Leute geglaubt, ich wäre andersrum, aber ich hatte da meine Prinzipien, das Vergnügen mit dem Geschäft nie zu vermischen. Das wäre auch recht riskant geworden, denn viele der hübschen Frauen in solchen Filmen waren irgendwie liiert mit einem der Produzenten, und wenn man sich da einen Fehltritt leistete, dann wurde man einfach abgesägt, das konnte sehr schnell gehen. Gerade, wenn man aus dem Ausland kam."
Mit Salvi drehte er noch VULCANO FIGLIO DI GIOVE, SINBAD CONTRO I SETTE SARACENI, IL TESORO DELLA FORESTA PIETRIFICATA und TRE COLPI DI WINCHESTER PER RINGO. Von diesen Filmen gefällt mir am besten der Kostümfilm IL TESORO, der sich einiger Motive des Nibelungenliedes bedient. Auch okay ist der ironische Fantasyfilm VULCANO, in dem neben Gordon der Amerikaner Roger Browne mitspielt, bekannt für diverse James-Bond-Ripoffs. ("Ja, der lebt auch noch. Jetzt arbeitet er als Chiropraktiker, irgendwo in L.A. Ein sehr netter Mensch.")
Er und Salvi wurden über die Jahre gute Freunde. "Mimmo kannte alle Tricks und Kniffe, die man anwenden konnte, um eine Produktion ökonomisch zu gestalten. Er war sehr durchtrieben, ein richtiges Schlitzohr." Leider holte Salvi Anfang der 80er der Sensenmann, nachdem er mit Gordon noch die Klamotte PUGNI, DOLLARI E SPINACI gedreht hatte. Und dann war da noch ein mysteriöses Projekt, ZEUS. "Mimmo drehte einige Szenen davon ab, starb dann aber, bevor er den Film vollenden konnte." Ob es herausgekommen ist, das weiß Zeus allein.
In IL FIGLIO DELLO SCEICCO (Crash-Kurs: Sche-iko) von Kinski-Freund Mario Costa (nachzulesen in "Ich brauche Liebe") traf Gordon auf einen zweiten Gordon, nämlich den Ex-Tarzan Gordon Scott, der zwischen 1961 und 1966 etwa 15 Filme in Italien abdrehte, bevor er dann von der Bildfläche verschwand. "Was er macht, weiß ich nicht so genau. Ich habe ihn aber vor kurzem am Marinehafen gesehen und er sah gut aus. Nach FIGLIO habe ich mit ihm noch den amerikanischen TV-Film HERCULES AND THE PRINCESS OF TROY gemacht." Regisseur dieses Filmes war Alfredo Antonini, besser bekannt als Albert Band, Begründer der Band-Bande, die sich mit "Empire", "Full Moon" und ähnlichen Unternehmungen um die Versorgung der Horrorvideofreaks verdient gemacht hat.
Einer von Gordons Lieblingsfilmen aus dieser Periode war Marino Girolamis L'IRA DI ACHILLE, wo er eine etwas differenziertere Rolle hatte als in den meisten anderen Peplums. Dieser vorzügliche Kostümfilm erzählt die Geschichte des Feldherrn Achilles, der sich während der Belagerung von Troja gegen seinen König Agamemnon wendet. Es gibt einen großartigen Zweikampf zwischen Achilles und dem bösen Hektor. Mit dabei ist Girolamis Sohn Enio, der zu jener Zeit sehr bekannt war und immer noch in allen Filmen seines Bruders Enzo Castellari zu sehen ist.
In BRENNO, IL NEMICO DI ROMA spielt Gordon den erzbösen Wicht Brenno, der so böse über seinen blöden Namen ist, daß er loszieht und brandschatzt und plündert. Dabei gerät er auch mit "Kommissar X" höchstpersönlich aneinander, Tony Kendall (bürgerlich: Luciano Stella). "Luciano war auch so ein Fall, wo wir versuchen mußten, einen glaubhaften Fight hinzulegen, aber es einfach sehr schwer war, aufgrund von Unterschieden in Statur und Körpergröße, den letztendlichen Sieg des Guten plausibel zu machen. Ich mußte Luciano förmlich zwingen, richtig Gas zu geben, so zurückhaltend war er! Ich meine, vielleicht war er einfach ein zu friedfertiger Mensch, aber solche Schauspieler haben eben nicht gelernt, wie man einen guten Fight hinlegt. Giuliano Gemma, genau dasselbe: ein wirklich fabelhafter Schauspieler, aber wenn es darum ging, einen Kampf zu machen, dann kamen die Probleme... In GIULIO CESARE etwa hatte ich eine Szene mit der Amerikanerin Abbe Lane, wo ich richtig sauer auf sie bin und ihr diesen haßerfüllten Blick zuwerfe. Sie vergaß ihre Zeilen! Sie sagte mir, ich hätte ihr mit diesem Blick eine solche Angst eingejagt, daß sie fast ohnmächtig geworden wäre (fröhliches Gelächter)!"
Der Film mit Gemma gehört übrigens auch zu den Highlights dieser Periode: ERIK IL VICHINGO, nicht zu verwechseln mit dem saublöden Ulkfilm aus dem Randgebiet der Monty Pythons. Erik ist nämlich der gute Wikinger, der sich für seine Stammesgenossen aufmachen soll, um neue Weidegründe zu erschließen. Dabei findet er Gold, wilde Eingeborene und fast den Tod, da zwei fiese Killer angeheuert worden sind, ihn zu meucheln: Eduardo Fajardo und - richtig! - Gordon. (Gemma ist ein Schauspieler, den ich zwar sehr schätze und mag; weil er ein solcher Sunnyboy ist, freut es mich aber jedesmal, wenn er richtig zusammengekloppt wird.)
Unbedingt erwähnenswert sind auch die Filme, die Gordon mit Michele Lupo gedreht hat. Zuerst kamen zwei weitere Peplums, die gutes Handwerk aufweisen, aber kaum herausragen. Der Knaller war aber der später entstandene SETTE VOLTE SETTE, in dem Gordon an der Ausführung eines genialen Raubes partizipierte. "Das ist ein Film, der mir sehr, sehr großen Spaß gemacht hat! Teile davon wurden in einem alten Gefängnis in der Nähe des Hamburger Flughafens gedreht. Wir hatten es in England und in Frankreich probiert; nirgendwo wollte man uns eine Drehgenehmigung erteilen. In Hamburg hatten wir Erfolg. Das war ein unheimliches Gefühl: sich morgens von den Wärtern einschließen zu lassen und dann wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden, wenn der Dreh vorbei war."
In diesem Film, der eine beispiellose Starliste aufzuweisen hat, traf Gordon auch die umwerfende Erika Blanc wieder, mit der er schon in dem gotischen Horrorfilm LA VENDETTA DI LADY MORGAN gearbeitet hatte. "Oh, eine reizende Frau. Ja, in LADY MORGAN war sie so etwas wie mein Partner-in-Crime, oder? Ein sehr hübscher Film, den wir in einem Schloß in der Nähe von Ostia gedreht haben. Ich habe mich wirklich häufig gefragt, wieso sie den Film nicht in Farbe geschossen haben, denn er hätte auch in Übersee ein echter Hit sein können... Teile davon wurden auch, meines Wissens, in Farbe gedreht, aber was mit dem Material passiert ist..." Den Oberschurken in diesem Film spielte Paul Muller, ein Veteran des europäischen Kinos, der ebenfalls in ungefähr 200 Filmen mitgespielt haben muß. "Very astute, ein sehr professioneller Mann, den ich sehr mochte. Er war immer sehr gut vorbereitet." Wie im Horror-Artikel bereits erwähnt, halte ich Gordons Darstellung in diesem Film für seine beste, den Film für einen kleinen Klassiker, der die Wiederentdeckung lohnt.

Der Untergang von Metropolis

Relativ ungewöhnlich für Gordons Karriere zu diesem Zeitpunkt war Paolo Spinolas L'ESTATE, in dem der großartige Enrico Maria Salerno einen Industriellen spielt, der mit der Tochter seiner Geliebten eine Beziehung anfängt. Auf Gordon hat diese Erfahrung keinen großen Eindruck gemacht: "Da habe ich nur eine unbedeutende Gastrolle gehabt. Mehr als zwei Tage habe ich nicht gedreht. Das war halt eine Zeit, wo ich überall herumgereicht wurde - am einen Tag hier, am anderen Tag dort! Da kamen auch einige Filme pro Jahr zusammen..."
In diesem Jahr war da zum Beispiel noch Ferdinando Baldis Spaß-Western LITTLE RITA NEL WEST, der ursprünglich als Vehikel für die sehr populäre Rita Pavone entwickelt war, tatsächlich aber später wieder hervorgekramt wurde, als Ko-Star Terence Hill (bürgerlich: Mario Girotti) Starruhm errang. Gordons Rolle in diesem von zahlreichen Gesangseinlagen aufgelockerten Film ist absolut unbezahlbar: Er spielt den Häuptling eines antimaterialistisch engagierten Indianerstammes, der versucht, alles Gold der Weißen aufzuhäufen und zu vernichten. Zwar sind die Songs in der deutschen Fassung weitgehend der Schere zum Opfer gefallen; die Szene jedoch, in der Hill von den Rothäuten hingerichtet werden soll und ein einzelner Indianer die möglichen Todesarten tänzerisch andeutet (Gordon schaut mit steinernem Gesicht zu, sagt dann immer: "Nein!"), ist noch vorhanden und sprengt das Fell jeden Zwerchs.
Neben zwei Western für den späteren Türkei-Touristen Guido Zurli (er, der uns auch DIE SCHWARZE NYMPHOMANIN bescherte) spielte Gordon auch in anderen No-Name-Western der Zeit mit, die das Abflauen des ersten Schubes italienischer Pferdeopern demonstrierten, etwa in zwei Filmen des wenig begabten Tanio Boccia, in denen auch einer der zwei oder drei italienischen Billybolder von Rang mitwirkte, Kirk Morris (bürgerlich: Adriano Bellini). "Adriano war ein netter Bursche, ich habe ihn trainiert. Er hatte ein Gesicht, das sich sehr für Fotoromane eignete, deswegen hat er auch einige davon gemacht." Fotoromane waren in Italien einst sehr populär. Ausgaben mit "fotoromanzo"-Versionen von Filmen gehören zu Sammlerstücken, nach denen sich viele Leute die Finger lecken. In einer der nächsten Ausgaben werdet Ihr Gelegenheit haben, von dem Nervenzusammenbruch zu lesen, den ein unbekannter junger Journalist erlitt, der bei einem Interview mit der Schauspielerin Erika Blanc von dieser erfuhr, daß sie noch einige Fotoromane aus den frühen 60ern rumliegen hat, in denen sie mitwirkte.
Ungewöhnliches Fahrwasser beschipperte Sergio Corbucci 1967, als er in Griechenland den schwarzen Agentenfilm BERSAGLIO MOBILE drehte, in dem Gordon einen besonders unangenehmen Killer spielt. Außer ihm dabei der Amerikaner Ty Hardin und späterer Raumschiff-Kommandant Vassili LA BESTIA NELLO SPAZIO Karis. Man kann Schlimmeres tun, als sich diesen Film anzusehen; es nicht zu tun, beispielsweise.
Ein Auftrag führte Gordon im selben Jahr nach Hollywood, wo er unter Regie von John Huston einen kleinen Part in der Carson-McCullers-Verfilmung REFLECTIONS IN A GOLDEN EYE hatte. Das Buch ist bereits ein recht unvorteilhaftes Porträt der sexuellen Neurosen der Südstaaten, das gelegentlich fast noch drastischer vorgeht als das in den Werken von Miss McCullers' Kollegen Tennessee Williams der Fall zu sein pflegte. (U.a. schneidet sich eine der Protagonistinnen die Brustwarzen ab!) Hustons Verfilmung ist, vorsichtig ausgedrückt, abgefahren und fand auch nicht die ungeteilte Zustimmung der damaligen Kritik. In der Hauptrolle Liz Taylor, die damals noch Angst vor Virginia Woolf hatte. "Ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal an den Set kam. Es war ein kalter Novembertag. Wir drehten in den Laurentiis-Studios. Marlon Brando war gerade zusammengeschlagen worden - also, im Film! - und Elizabeth Taylor hatte das herausgefunden. Ich hatte eine wirklich emotionelle Szene mit ihr, nicht sehr einfach. Sie haben ihr etwas Whiskey gegeben, damit alles glatt ging. Sie war ausgesprochen professionell als Arbeiterin, überhaupt nicht affektiert oder eine Diva. Und sehr fotogen. Sie hatten also alles aufgebaut, die Kamera, die Beleuchtung, und sagten mir Bescheid. Sie mußte mir in dieser Szene was vorheulen, Huston sagte "Action!"... und tatsächlich, in nur 10 Sekunden konnte sie heulen wie ein Schloßhund! Das war toll... Ich bin auch mit John Huston gut klargekommen. Ich glaube, er mochte, daß ich keine Fisimatenten machte und einfach mein Soll erfüllte. Einmal habe ich diese Sympathie gut gebrauchen können, als sie nämlich eine Szene vorbereitet hatten, in der Liz auf ein Pferd steigen sollte, mit so einer kleinen Treppe. Nur hat sie es von der falschen Seite gemacht. Ich meine, technisch war das sicherlich drin, aber es sah einfach dämlich aus. Und überall standen die Pferdetrainer herum, wußten alle, was Sache war, aber keiner machte den Mund auf, aus Angst, Huston würde sauer werden! Ich konnte mir das einfach nicht ansehen und sagte zu ihm: "Äh, Mr. Huston, kann ich kurz mit Ihnen sprechen? Sie haben bestimmt hundertmal soviel beim Film gearbeitet wie ich, Respekt, Respekt, aber... ich habe einige Western gemacht. So, wie Mrs. Taylor da auf das Pferd klettert... Das habe ich noch nicht gesehen!" Er sagte nur "Oh, Scheiße" und brachte die Sache in Ordnung. Manchmal ist das einfach so: Hundert Leute stehen rum und niemand bringt den Mund auf. Man muß einfach kommunizieren am Set, weil sonst viele kleine Dinge danebengehen können. Emimmo Salvi, ob du's glaubst oder nicht, hat Fellini häufig ausgeholfen! Er kannte ihn recht gut. Und ich hatte dann ja auch das Vergnügen..."
1969: SATYRICON. Jener wunderbare farbenprächtige Koloß, in dem Fellini der drallen Historie seines Heimatlandes ein garantiert Peplum-unverträgliches Denkmal setzte. In diesem Meilenstein des italienischen Kinos hatte unser Freund Gordon nämlich eine hübsche Rolle: Die eines Räubers, der zusammen mit dem Protagonisten Hiram Keller und einem Spießgesellen ein von den Bürgern einer Stadt als Heiland angebetetes Albinokind klaut. Gemeinsam müssen sie mit dem Balg durch die Wüste, aber Albinos sterben leise. "Ich kann nur sagen, daß es ein ausgesprochenes Vergnügen war, mit ihm zusammenzuarbeiten. Fellini war ein gänzlich unprätentiöser Mann, mit dem man reden konnte, wenn es Probleme gab. Wenn man eine Idee hatte, wie etwas besser aussehen würde, konnte man ihm das sagen, er war immer sehr freundlich. Und das Genie-Gehabe ging ihm vollständig ab. Vielleicht zerstört das etwas die Mythen, aber Emimmo erzählte mir, daß er selber erlebt hat, wie sich Fellini mit einem Block im Klo einschloß, und als er wieder herauskam, hatte er die Storyboards für den Tag entwickelt!" Wer genau hinkuckt, kann auch den späteren Komödien-Liebling Alvaro Vitali (ein Gesicht, das verpflichtet) entdecken, als Kindkönig in einer Theateraufführung. Den Minotaurus gibt der spätere MAN EATER Luigi Montefiori. Wer sich diesen Film nicht anschaut, sollte offiziell mit einem Fluch belegt werden. Ich werde gleich morgen den Papst anrufen; mal sehen, was sich machen läßt. Es wird Asche regnen!
Einen hübschen kleinen Film drehte er (nicht der Papst - Gordon!) in Ceylon zusammen mit George Nader, der wegen einiger süßer Geheimnisse die Staaten verließ (wo er bereits recht bekannt war) und sich in Deutschland sehr schnell eine neue Karriere aufbaute, zumeist als G-Man Jerry Cotton. In RADHAPURA, ENDSTATION DER VERDAMMTEN spielt Nader einen Abenteurer, der zusammen mit einigen Freunden zwangsweise in eine Diamantenmine gerät, in der es keine Gewerkschaft gibt. Statt Schweiß fließen hier Blut und Tränen. Der sadistische Leiter der Mine ist...Gordon! (Einige Überraschungen muß es geben im Leben.) Obwohl in den deutschen Credits zu dem Film überall Veteran Hans Albin angegeben wird, belegt ein Foto, das mir Gordon geschickt hat, daß Paolo Bianchini zumindest große Teile des Filmes zu verantworten hat. "George war ein sehr freundlicher Mensch. Tatsächlich kann ich das über die meisten der Leute sagen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Sicherlich gab es auch einige Ausfälle, aber die fielen nicht ins Gewicht. Ich bin ein Mensch, der solchen Dingen keine Beachtung schenkt. Das ist wohl etwas, wofür man dankbar sein sollte." Der Zuschauer sollte dankbar sein für RADHAPURA, den ich hiermit empfehle. Femi Benussi ist auch mit im Team.
Ein gänzlich ungewöhnliches Projekt war TOTO' CONTRO RINGO, in dem der geniale neapolitanische Komödiant mit den richtig harten Cowboys aneinandergerät. Einer davon Gordon. Leider wurde Totò (dessen Filme eine absolute Pflichtübung für Italo-Sympathisanten sind) kurz vor Ende der Dreharbeiten noch von einem anderen Schurken besucht, und das war Freund Heiner. "Er starb an dem Tag, an dem wir die letzte Szene machten. Er war unbeschreiblich lustig, auch wenn er privat ein eher trauriger Mensch war. In meiner Szene kommt er in den Saloon, macht halt seine Späße, ich schaue nur grimmig. Er bemerkt mich und kommt an meinen Tisch, wo ich Karten spiele. Ich bin dieser richtig gemeine Killer. Dann will ich mir 'ne Zigarette anzünden. Er bläst das Streichholz aus und grinst. Ich meine: "Hey, mach' das nochmal, du!" Er grinst und nickt. Wir machen dann natürlich ein Duell. Zehn Schritte, umdrehen, schießen. Und natürlich latscht er genau hinter mir her, und wenn ich mich umdrehe, tritt er schnell hinter mich, ich drehe mich zur anderen Seite, er auch etc. Albern, albern. Schließlich schieße ich auf ihn und er pult sich die Kugel aus den Zähnen. Ich ballere noch mal und er fängt die Kugel mit dem Hut auf! Schließlich habe ich den Kanal voll und laufe vor ihm weg. Wir haben einige der Sachen gemeinsam ausgedacht und hatten eine Menge Spaß dabei." Leider lief der Film nicht im Kino, sondern war wohl nur fürs Fernsehen gedacht. Allerdings soll er mal auf Video herausgekommen sein.
Auf dem Gebiet des Westerns arbeitete Gordon auch (mindestens achtmal) zusammen mit Demofilo Fidani, der als Ausstatter und Dekorateur begann und mittlerweile parapsychologisches Medium geworden ist! Seine Filme bewegen sich in der Regel im unteren Bereich von "billig" und verwundern durch lustige Kapriolen, wie sie in einigen meiner Kolumnen bereits angesprochen wurden. Mein persönlicher Mitchell-Favorit ist INGINOCCHIATI STRANIERO, wo Gordon einen stotternden Bounty-Killer spielt. Der beste Kurzauftritt ist in dem bei uns nicht erschienenen ERA SAM WALLASH..., wo echt Feierabend ist. In diesem Golem unter Italiens Western will der Bösewicht Held Jeff Cameron unter die Prärieerde befördern und versichert sich dazu u.a. der Dienste dreier Galgenstricke: Gordon Mitchell, Lincoln Tate und Peter Martell. Alle drei Schauspieler werden mit ihren richtigen Namen vorgestellt, so Richtung: "This is Gordon Mitchell. He's born to kill. He killed his first man with a jacknife when he was six..."
Gordon zu Fidani: "Oh, er hat einige Male in meinem Studio gedreht, davon muß ich dir gleich auch noch berichten. In vielen Filmen ist seine Tochter dabei, Simone Blondell war ihr Künstlername. Und seine Frau, Mila Valenza, hat an fast allen Drehbüchern mitgeholfen und als Kostümfrau oder Szenographin gearbeitet. Sehr liebe Menschen. Ich habe Demofilo getroffen, als ich die Zurli-Western drehte. Er war da Szenograph. In vielen seiner Filme arbeiten dieselben Stuntleute, die ich gut kennengelernt habe. Einige der Schauspieler kamen auch aus dem Gewerbe, wie Jeff Cameron (Giovanni Scarciofolo) oder Dean Stratford (Dino Strano). Mit diesen Leuten bin ich naturgemäß besonders gut ausgekommen, da die meisten meiner Rollen sehr körperlich waren. In den Staaten wird für Stuntszenen immer geprobt bis zum Abwinken. In Italien hat das einfach zu sitzen, da muß das gleich beim ersten Mal hinhauen. Deswegen wissen viele dieser Leute auch sehr, sehr gut, wie man etwa eine Kamera positionieren muß, damit eine Sache gut ausschaut. Sehr im Unterschied zu den USA. Sehr vielseitig. Man muß auch häufig improvisieren. Bei mir war es jedenfalls häufig so, daß ich einfach in eine Situation gepackt wurde, und dann hieß es: "Nun mach ma'!" Das führt natürlich dazu, daß man schnell sein Handwerk lernt. Man hat gar keine andere Wahl! Learning by doing, kann man sagen..." Nicht entgehen lassen sollte man sich auch SCANSATI...A TRINITA ARRIVA ELDORADO, wo Räuberboss Craig Hill mit einer derartig tuntigen Stimme unterlegt ist, daß echt der Hahn kräht: "Auuuh, mein schönes Go-ho-hold, ähhhhlhhh...") In zweien dieser Filme (wie auch in dem tollen SONO SARTANA IL VOSTRO BECCHINO) traf Gordon auch auf Klaus Kinski. "Ich hatte keine Probleme mit ihm. Er war einfach sehr professionell. Richard Harrison hatte welche, glaube ich. Frag' ihn, wenn du das Interview machst. Auch George Nader meinte, er habe mal mit ihm zusammengearbeitet, wo Kinski sauer war, daß er selber nur eine relativ kleine Rolle hatte. Aber bei mir war wirklich nichts los. Ein sehr guter Schauspieler!"

Drei Kugeln für Ringo

Ein wahrer Sleaze-Leckerbissen, der neulich im Fernsehen zu sehen war, ist Ernst Ritter von Theumers IO, MONACA PER TRE CAROGNE E SETTE PECCATRICI. Der Film wird häufig Sergio Garrone zugeschrieben, der aber nur für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. "Den haben wir in der Türkei gedreht, an der Grenze von Iran/Irak, mit von Theumer und seiner Freundin Monica Teuber." Auch dabei, als weiterer Bösewicht, William Berger. "William war ein dufter Typ. Wir hatten eine Menge Spaß miteinander. Sicher, er schien immer etwas in seiner eigenen Welt zu leben. Aber daran ist ja nichts verkehrt." Es geht um eine Horde Frauen, die aus einem Gefängnis in einem autoritär geführten Land ausbricht und dann vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die Scheiße gerät: Weiße Sklavenhändler machen nicht viel Federlesens. Viel Spaß für wenig Geld.
Qualitativ hochwertiger ist da Yves Boissets LE SAUT DE L'ANGE mit Jean Yanne als Ex-Afrikasöldner und Senta Berger als Schlampe. Gordons Rolle in diesem sehr schwarzen Gangsterfilm ist kurz, aber prägnant. "Das war eine fiese Geschichte. Ich spiele den Profikiller, und Yanne hetzt diese Kobra auf mich, nachdem sie mir in die Beine geschossen haben. Natürlich waren Ärzte da, die der Schlange vorher das Gift abgenommen haben, aber es war trotzdem ein mieses Gefühl, als sie mir das Tier in den Schoß plumpsen ließen! Der Eigentümer, so hörte ich, hatte dann mit derselben Schlange einen Unfall: Sie hat ihn erwischt, in seinen eigenen vier Wänden..."
Zusammen mit Peter Patzak und dessen Freund William Berger machte er dann das Bankräuberdrama SITUATION, in dem es eine großartige Szene gibt. Ein Fitness-Studio, verschiedene Leute am Hanteln. Das Telefon klingelt. Ein Mann nimmt den Anruf entgegen: "He, Gordon, für dich!" Aus einer Ecke des Raumes kommt ein kleiner Schwabbel angeschlurft. "Nein, Gordon, nicht DU! Ich meine---FLASH Gordon!" Auftritt, mit breitem Lächeln, der Amerikaner.
Über UNA DONNA PER SETTE BASTARDI ist ausführlich in meinem Gangster-Artikel zu lesen. Dieser Film - wie zahlreiche andere, in denen Gordon nicht mitspielte - wurde gedreht in Gordons eigenem Filmstudio, Cave (das übrigens nicht Englisch auszusprechen ist!) "Ich habe mal einen Film gemacht für einen Produzenten, der mich nicht bezahlen konnte. Deshalb, statt mir einen Schuldschein zu geben, überschrieb er mir ein Fleckchen Erde, nicht weit von Rom entfernt. Wirklich eine wunderschöne Gegend, ich wollte darauf etwas bauen. Den Plan dazu faßte ich um 1970. Aber ich hatte überhaupt keine Ahnung, worauf ich mich da einließ! Ich lief zum Bürgermeister, zeigte ihm die Papiere und sagte ihm, daß ich eine Westernstadt zu bauen gedenke. Er machte mich darauf aufmerksam, daß er mir nur eine zeitweilige Genehmigung erteilen könne, warum auch immer. Und dann ging's los: Wir stampften die Hütten und Häuser aus dem Boden! Zu Anfang waren die Regisseure etwas zurückhaltend, denn sie dachten, es würde rechtliche Probleme geben. Aber ich hatte alles abgeklärt. Und bei den Bauarbeiten bin ich noch recht preiswert davongekommen, weil mir der Vater eines Freundes die Pläne für wenig Geld erstellte, was normalerweise Unsummen gekostet hätte. Ich holte mir eine Feuerversicherung, installierte Wassersilos und Pumpen. Und Stück für Stück entstand das Studio. Dort zu drehen, kostete die Produzenten kleiner Filme auch nur den Bruchteil des Geldes, das ihnen Cinecittà verursacht hätte. Deswegen hatte ich dort auch Tag und Nacht die Bude voll: In den wenigen Jahren wurden dort etwa 150 Filme gedreht. Schließlich wurde ich einigen Mächtigen aber wohl zu groß, weswegen man mich mit diversen Verordnungen schließlich dazu brachte, den Kram hinzuschmeißen. Ich versuchte dann noch, eine Art Naturschutzgebiet daraus zu machen, hatte aber nicht mehr genug Geld. Das Land gehört mir noch immer. Vielleicht fange ich noch mal was damit an, mal sehen..."

Eine geheimnisvolle Produktion, die ich einst fälschlicherweise als Regiearbeit von Oscar Brazzi angegeben habe, war IL CASTELLO DELLA PAURA. "Der Regisseur war Robert Oliver, ein Amerikaner, dessen Frau später Sinatra geheiratet hat!" Schade, daß der nicht auch in diesem Film mitspielt! "Brazzi hat den Film produziert. Sein Bruder Rossano spielte die Hauptrolle, den ich bereits in Gariazzos IL GIORNO DI GIUDIZIO kennengelernt hatte. Dort spielte er einen Sheriff, aber er sah einem Sheriff in etwa so ähnlich wie ich dem Papst!" Näheres zu dem Horrorfilm in meinem Horrorartikel.
In des vormaligen Kameramannes Mario Mancinis Sleazegranate FRANKENSTEIN 80 spielt Gordon einen Nachfahren des berühmten Wissenschaftlers, der mit viel Gusto mit Leichenteilen herumhantiert. Das Monster bekommt hier sogar einen Penis, hat also im Verlauf des Filmes gut zu tun. "Teile dieses Filmes wurden wohl in Bayern gedreht, aber keine, mit denen ich zu tun hatte. Das Monster wurde von Ciro Papas gespielt, der ursprünglich von der Produktion kam. Leider hatte er dann einen Unfall: Bei einer Autofahrt nach Venedig schlief er am Steuer ein und donnerte in einen Baum. Er war sofort tot." Gordons Partner in diesem Spektakel sind LA MASCHERAs John Richardson und eine sehr junge Dalila di Lazzaro, die hier noch Dalila Parker heißt.
Ausgesprochen blutrünstig ist auch Mario Caianos Karate-Western IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE, in dem Gordon einer von mehreren Killern ist, die auf Geheiß eines schurkischen Landbarons den gelben Titelhelden umblasen sollen. Sein Charakter heißt "Der Totengräber" und ist entsprechend ausstaffiert. Giacomo Rossi-Stuart wird ein Auge rausgerissen, Kinski wird skalpiert; Gordon landet "nur" in einer Grube mit Spießen. Die deutsche Fassung ist sauber und rein. (Eine weitere Mixtur aus Martial-Arts und Western, LA TIGRE VENUTO DAL FIUME KWAY, war nicht ganz so toll gemacht, kam aber immerhin auf dem Label "Kessler Video" raus, wie alle guten Filme.)
Eine ganz obskure Angelegenheit ist der Sexhorrorfilm LA PELLE SOTTO GLI ARTIGLI, in dem diverse Frauen tot aufgefunden werden. Unter den Fingernägeln haben sie verweste Hautreste, was einigen Rückschluß gestattet auf den Killer... "Ich spiele einen verrückten Arzt, der seine Frau wieder ins Leben zurückholen will. Am Schluß gibt es eine Szene, wo ich versuche, ein Mädchen mit einem Stein zu erschlagen, aber die Polizei schießt mich ab. Leider hat der Stuntboy bei dieser Szene Mist gebaut. Er verlor die Kontrolle über das Auto und fuhr die Schauspielerin platt! Ich habe noch versucht, sie wegzureißen, aber vergeblich. Diese Geschichte hat sie dann für Monate ins Krankenhaus gebracht, so daß wir ein Stand-In benutzen mußten, um den Film zu komplettieren." Tja, Filmedrehen in Italien kann ein hartes Brot sein!
Mitte der siebziger Jahre lernte Gordon auch den französischen Vielfilmer Jean-Marie Pallardy kennen, mit dem er sich so gut verstand, daß sie mindestens 6 Filme zusammendrehten. "Jean-Marie ist ein extrem fleißiger Mensch. Er weiß genau, was er will und wie er es erreichen kann. Ich traf ihn, als er einige Sexwestern in meinem Studio drehen wollte. Gerade vor ein paar Wochen war er hier in L.A. Er wollte wohl wieder etwas anleiern. In einigen seiner Filme sind auch Pornoszenen, mit denen ich aber nichts zu tun habe. Auch in einem anderen Ding, das ich in Frankreich gedreht habe, irgendwas über einen Sexmörder, wurden dann hinterher Pornoszenen reingebastelt. So was kann passieren." Bei Jean-Marie bestimmt. Das letzte Mal arbeiteten sie 1989 zusammen, in dem bei uns nicht gelaufenen LE DERNIER TIR, einer Drogengeschichte. "In einigen dieser Filme war Jess Hahn dabei, ein fantastischer Bursche, Er war mal Footballspieler, weißt du das? Er lebt immer noch in Frankreich, meines Wissens."
1975 spielte Gordon auch den bösen Wicht in einem reinen Karatefilm, DRAGON FIGHTS MAFIA. "Wir hatten einige großartige Kämpfer am Set, echte Experten. Es war wahnsinnig interessant, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Mit einem davon habe ich auch einen langen Fight, auf einem Turm oder Hausdach, wo er mich schließlich runterschmeißt. Die Asiaten waren sehr wendig, auch als Filmemacher. Ich erinnere mich daran, wie wir an der "Spanischen Treppe" drehten. Die Kämpfer fingen an, zu boxen wie wahnsinnig; dann machten alle, daß sie davonkamen, bevor die Polizei kam." Klingt nach den Chaos-Tagen...

Evil Spawn

Mit Giulio FIGHTING KILLER Negri arbeitete er einige Male zusammen. "Giulio hat immer einige Filme in petto. Die meisten kommen leider niemals heraus. Das ist auch mit DIAVOLO IN QUATTRO passiert, einer netten Komödie, in der ich den Teufel spiele, der versucht, den Engeln verseuchtes Gelände anzudrehen! Ich meine auch, daß er noch einen Mussolini-Film hat, den er machen will..." TJa, wenn der auch so gut aussieht wie FIGHTING KILLER, dann sehe ich da keine Probleme!
Auch spielte er in Stefano Vanzinas DR. JEKYLL E GENTILE SIGNORA, einem ziemlich komischen Film, in dem sich der gewissenlose Konzernboß Paolo Villaggio durch Einnahme einer Essenz, die in ihm auch die letzten Reste Skrupel ausmerzen soll, in einen Menschenfreund und Wohltäter verwandelt, der aussieht wie ein warmer Engel. Sünde ist ihm in dieser Gestalt zuwider, was schade ist, denn er bekommt es mit Edwige Fenech zu tun.
Absolut komisch ist auch Gordons Rolle in Gérard Ourys LE COUP DE PARAPLUIE, wo Pierre Richard einen kleinen Schauspieler mimt, der für die Rolle eines Killers vorsprechen will, dabei aber an echte Mafiosi gerät. Es kommt zu Überschneidungen. "Der Film ist zum Brüllen komisch! Ich versuche, Richard zu erwischen, bevor er Gert Fröbe erreicht. Aber er macht mich andauernd fertig, ohne es zu merken." Unter anderem bekommt Gordon einen Eimer weiße Farbe über den Kopf, fliegt eine Treppe runter und wird mit geschmolzenen Schallplatten begossen! Szenen für die Ewigkeit... "Ich arbeite sehr gerne mit Komödianten. Meine Rollen waren natürlich auch in diesen Filmen meist Schurken, aber eben in einem lustigen Kontext. Ich mag es sehr, wenn Leute mit einem Grinsen aus dem Kino kommen."
Das war auch der gewünschte Effekt von Tarantinis LA DOTTORESSA PREFERISCE I MARINAI, wo der ehrenwerte Alvaro Vitali in einer besonders extremen Szene italienischen Humors dem unglücklichen Killer Gordon direkt ins Gesicht schifft!
Eine sehr bizarre Komödie ist sicherlich auch FEBBRE A 40, in der Casanova John Richardson seinem 40. Geburtstag entgegenbumst; um ein stattliches Vermögen zu kassieren, muß er aber eine solide Ehe eingehen, und zwar schnell. Einer der Produzenten dieser deutschen Koproduktion war Renato DELIRIO CALDO Polselli. Gordon spielt den eifersüchtigen Bodybuilder-Freund von Leonora Fani, der dazukommt, als John sie gerade verzuppeln will. Aus dem Stegreif läßt sich der Ertappte eine absurde Filmhandlung einfallen, um den erzürnten Muskelmann zu besänftigen. Die Synchro macht hier wirklich Überstunden. Am Schluß darf Frau Fani den schwellenden Bizeps von Gordon küssen. Sein Gesichtsausdruck ist Kult.

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre, wo sich bereits abzuzeichnen begann, daß das italienische Genrekino einem gewaltsamen Ableben entgegenröchelte, arbeitete Gordon viel fürs Fernsehen, z.B. in Giuliano Montaldos Epos MARCO POLO. Auch hatte er eine kleine Rolle in Terence Youngs INCHON, immerhin an der Seite von Sir Laurence Olivier. In dieser Zeit nahm Gordon auch zunehmend Jobs in seinem Heimatland an, meist in Actionfilmen der B-Kategorie. Regisseure wie Peter Maris oder Tony Zarindast waren nur zu bereit, von der langjährigen Erfahrung Gordons profitieren zu können. Die daraus resultierenden Filme sind nicht wirklich erheblich.
Zu den interessanteren Filmen, die er in dieser Phase in Italien abdrehte, gehörten wieder einige Komödien von Könnern wie Giorgio Capitani und Sergio Martino. Außerdem wirkte er noch in einem nahezu unbekannten Mafiadrama mit, FAIDA, das von einem Geschäftsmann handelt, der nach Sizilien kommt, um seinem Bruder zu helfen, der den Zorn eines Mafiabosses auf sich gezogen hat. Regisseur Paolo Pecora, der Gordon zufolge sehr bekannt war, da er das drahtlose Telefon konzipiert hatte, spielt in dem Film auch die Hauptrolle. Gordon ist als Priester zu sehen, der sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen.
Eine weitere Billigproduktion war auch LA CROCE DELLE SETTE PIETRE, eine ziemlich ungeheuerliche Werwolfgeschichte, in deren Anfangsszene Gordon als Leiter einer schwarzen Messe Satanisten antreibt, die eine Art Sadomasoorgie zelebrieren. Ebenfalls mit von der Partie in diesem unterhaltsamen und absurden Film sind Giorgio Ardisson und Annie Belle. (Letztere ist aus zahlreichen Italo-Filmen bekannt, begann ihre Karriere aber bei Jean Rollin. In LEVRES DE SANG spielte sie die Hauptrolle. Ihr richtiger Name ist Annie Briand.) Regisseur Andolfi spielt auch selbst die Hauptrolle, als "Eddy Endolf"! Mittlerweile existiert auch eine erweiterte Fassung des Filmes, mit Voodoo-Szenen etc.
Wer sich Fabrizio de Angelis' COBRA MISSION ansieht, wird neben einer Reihe deutscher Synchronsprecher und Gordon Mitchell als steingrauem General auch Regisseur Enzo G. Castellari entdecken, der einen Kommunistenfresser spielt. Auch Enzos Bruder Enio ist mit von der fröhlichen Partie.

Eine schöne Rolle hat Gordon in Mino Guerrinis in Kenia gedrehtem Indiana-Jones-Ripoff LE MINIERE DEL KILIMANGIARO, wo böse Nazis versuchen, afrikanische Eingeborene als billige Arbeitskräfte zu mißbrauchen. Gordon ist zuerst der Oberschurke, muß dann aber das Zepter weiterreichen an die Herrenmenschen.
Aus dem Rahmen fällt noch ein Semi-Dokumentarfilm, den der britische Filmemacher Patrick O'Brien gedreht hat: ALL ROADS TO ROME. "In diesem Film kommt meine Freundin nach Rom, um mich am Set von einem alten Gladiatorenfilm zu treffen." Dem Vernehmen nach werden dann die Schönheiten der Ewigen Stadt vorgeführt; ein Film, der dieses erstrebt, kann gar nicht lange genug dauern.
Nach einigen philippinischen Action-Heulern von Juan Gallardo und diversen Reißern seines guten Freundes Richard Harrison führten seine Wege ihn wieder nach Rom, als Exploitation-Prinz Sergio Bergonzelli seinen Splatterfilm BLOOD DELIRIUM drehte. In diesem ganz unglaublichen Film spielt John Philip ("Wo sind meine Flügel?") Law einen genialen Maler, der durch das Ableben seines Herzliebchens aber einen Kreativitätsstopp erleidet. Erst, als sein nekrophiler Butler Gordon die alte Schachtel wieder ausbuddelt, fließen die Säfte wieder. Gemalt wird, und zwar mit Blut! Der Pinsel rotiert im Grabe... "Kannst du dich an diese Szene erinnern, wo ich das Mädchen zerlege, im Schuppen?" Gordon nimmt die Frau mit einer Motorsäge auseinander und verfüttert so einiges an die Hunde. Die Leckerbissen spießt er aber auf Cocktailgabeln, würzt sie mit dem Salzstreuer und verzehrt sie mit Wohlgefallen! "Deswegen hat mit der Film auch gut gefallen - ich fand ihn so lustig! Oder die Szene, wo ich über meine tote Herrin herfalle - vielleicht die einzige Sexszene, die ich je gemacht habe! Wir haben das in einer echten Kirche gedreht! Der Priester wartete draußen vor der Tür und dachte, daß da jetzt etwas unerhört Dramatisches gedreht würde..." Na ja, eher schon etwas dramatisch Unerhörtes.
Die beiden letzten Filme, die Gordon gedreht hat, fanden beide zu Hause statt, und wen könnte man sich als Regisseur besser vorstellen als den ehrenwerten Fred Olen Ray? In dem futuristischen Horrorfilm THE ALIEN WITHIN gehört Gordon einer Organisation an, die sich mittels eines Serums jung erhält, das John Carradine entwickelt hat. Wenn sie das Serum nicht bekommen, verwandeln sie sich in Schlangenmenschen! Na, klingt DAS nach Fred Olen Ray? Richard Harrison ist auch einer der Hauptdarsteller. Einen besonders hübschen Gastauftritt hat Gordon in BIKINI DRIVE-IN, einer Komödie mit zahlreichen Cameos. Seine Rolle beschränkt sich hier auf einen getürkten Filmtrailer, in dem er Muskelmann Goliath spielt. Der Film, der im Autokino läuft, heißt übrigens "Goliath and the Cheerleaders"! Fotos beweisen, daß Gordon die Dreharbeiten gut gefallen haben müssen...

Bikini Drive-In

Mit dieser angedeuteten Rückkehr zu seinen filmischen Ursprüngen endet erst einmal die Odyssee durch das filmische Schaffen von Gordon Mitchell. Seine enorme Produktivität wurde 1994 leider etwas gebremst durch einen aus den Fingern gesogenen Artikel über sein Ableben. Ich habe die Todesanzeige vorliegen: "Gordon Mitchell è morto"! Diese hübsche kleine Nachricht kostete Gordon in jenem Jahr mehrere Jobs, denn in Italien wurde es allgemein hingenommen, daß Maciste in die ewigen Jagdgründe eingegangen war. Die Hanswurste, die diesen Bockmist verzapft haben, werden wahrscheinlich gut dafür ablatzen. Ich denke auch mal, daß es nicht sonderlich angenehm ist, so etwas über sich zu erfahren. Aber nachdem ich bereits bei meinem letzten Italienbesuch wieder etwas die Trommel gerührt habe, und das Interview auch in den Staaten erscheinen wird, sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächsten 200 Filme gedreht werden!

Erwähnen möchte ich übrigens auch noch Super Spaghetti. Super Spaghetti ist ein Comicheld, den Gordon Mitchell entwickelt hat, und der seine Superkräfte in den Dienst des Umweltschutzes stellt. Mit seiner Hilfe sollen Kinder mit den Prinzipien der richtigen Ernährung und einer gesunden Lebensweise bekannt gemacht werden. Bei mir kommt das alles wohl zu spät, aber in den USA hat er das Konzept bereits erfolgreich an einigen Schulen vorgestellt. Wem das übrigens zu trocken klingt: Der Oberbösewicht heißt "Dr. Dishonorable Greenhouse", die Ranger-Truppe, die dem Pasta-Helden bei seinen Aktionen hilft, umschließt Helden wie Cactus Grabits (Mischung aus Hase und Kaktus!), Captain Kookie Kool Blue und Chip Dip! Andere Figuren heißen Kookie Grease Ball (so fühle ich mich manchmal!), Mr. Mozzarella, Goodie Goodie High Sodium oder Fluffy Fatty Acid! Vielleicht finden sich ja auch auf diesem Wege Interessenten für eine Vermarktung - hey, Birkel und 3Glocken, wie wär's? Wenn Super Spaghetti (Schlachtruf: Spaghetti, Spaghetti, SPAGU!) Leuten wie dem Tobacco Hacker oder Mr. Fat City in den Hintern tritt, bleibt kein Auge trocken. Das einzige Problem bei der ganzen Sache ist bloß, daß es schwer ist, einen Favoriten zu finden. Hey, der Sohn vom Junk Food King heißt Al Dente! Und was ist mit dem Pärchen Mr. und Mrs. Mess? Wow, meine Nachbarn!!!

So. Ich freue mich sehr darüber, daß ich hier einige Lücken in meinem Fachwissen schließen konnte und einmal mehr feststellen durfte, daß die italienische "Familie" viele überaus interessante und kennenswerte Menschen zu bieten hat. Vielen Dank also an Gordon Mitchell, der mit all seinen Filmen unzähligen Menschen Freude gemacht hat. Besonders lieben Dank an ihn für seine ausufernde Unterstützung und allgemeine Freundlichkeit. Ich hoffe, noch viel von ihm zu sehen. Des weiteren geht Dank an die Deutsche Chris Gott (aus ALL ROADS TO ROME) und den fleißigen Fred Olen Ray, der gleich wieder für 8 Wochen nach Indien gedüst ist, um einen neuen Film zu drehen!

Thanks, man. Spaghetti, spaghetti, SPAGU!!!

Frankenstein ´80

(Das zugrundeliegende Interview wurde geführt von Christian Keßler im April des Jahres 1996 und erschien in der "Splatting Image".)

Hier geht´s zu einer Filmographie!
Hier geht´s zu einem amerikanischen Interview!
Hier geht´s zu einem amerikanischen Text über Gordons Malerei!
Hier geht´s zu Gordons offizieller Website!
Hier geht´s zu meinen persönlichen Galerien für den Mann...

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