"ICH WAR REX HARRISONS SKLAVE!"

Ein Interview mit Jack Taylor
 La noche de los brujos
Es gibt Schauspieler, die mit bestimmten Genres identifiziert werden, manchmal auch zu Unrecht. Barbara Steele etwa, die immerhin Filme wie Fellinis 8 1/2 beehrt hat, wird auf ewig mit ihren gerade mal 6 Italo-Horrorfilmen assoziiert werden. Ähnlich geht es auch dem Amerikaner Jack Taylor, den ich im Rahmen der Arbeit an dem Buch OBSESSION kennengelernt habe: Hierzulande verbindet man seinen Namen mit der Welle von spanischen Horrorfilmen, die Anfang der 70er über Deutschland geschwappt ist. Daß er außer in Filmen wie DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE aber auch noch in ca. 100 anderen Filmen mitgespielt hat, ist nur wenigen Leuten bewußt. Oder kam Euch der schwule Priester, der in CONAN DER BARBAR versucht, Arnie zu verführen und dafür voll einen in die Plauze bekommt, nicht bekannt vor?
Seit dem Interview ist Jack ein Freund geworden, der nicht nur tolle Schneemänner zeichnen kann, sondern auch wahnsinnig nett und liebenswert ist. Im Interview ließ er, abgesehen von seinem trockenen Humor, der mir bereits vertraut war, auch eine ganz neue Seite durchblicken: die des Filmfans, der mit dem Medium aufgewachsen ist und das Glück hatte, Hollywood in seinen Glanztagen zu erleben. Im Moment arbeitet er sporadisch, aber einigermaßen regelmäßig. Sein jüngster Streich ist eine Komödie mit Carmen Maura. Für die langen Stunden am Telefon bedanke ich mich jedenfalls, genauso wie für das wiederholt angeklungene Mitgefühl über meine Telefonrechnung.

- Woher stammst du?

Aus Oregon City, an der Westküste, genau am Ende des berühmten "Oregon Trails"! Durch Zufall wurde ich auf der Ranch meines Großvaters geboren. Mein Vater war Arbeiterrechtler und war einigermaßen bekannt. Tatsächlich spielte er sogar eine nicht unwesentliche Rolle bei der Kennedy-Wahl. Er starb 1974. Meine Mutter wird bald 88, im August, und ist noch sehr rüstig. Und dann habe ich noch einen Sohn und zwei Enkelkinder, in Oregon.
Mein Geburtsjahr war 1936, wenn du das unbedingt wissen willst. Ich verberge nichts! Ich wuchs auf als ganz gewöhnlicher amerikanischer Junge. Das Kino war meine Privatwelt. Ich wollte immer ein Künstler werden, ein Maler, so was. Für ein Kind war ich gar nicht schlecht damals. Ich begann damit, Stücke zu schreiben. Als ich zur Schule ging, gab es da eine Dramenabteilung, die recht einzigartig war für ihre Zeit. Ob du's glaubst oder nicht: Ich hatte sogar eine eigene Radiosendung. Wir nannten uns optimistisch die "Century Players" (lacht)! Mein Idol war Orson Welles. Ich wollte alles ganz genau so machen wie er. Auf dieselbe Schule gingen übrigens auch Leute wie James Ivory. Das war in etwa der Anfang.

- Also warst du schon immer ein Filmfan?

Klar. Natürlich gab es damals diese Nachbarschaftskinos, mit Tausenden von Wiederholungen, MUTINY ON THE BOUNTY, all so was, THE BLACK CAT mit Boris Karloff, diese wunderbaren Filme. Ich erinnere mich sogar daran, einmal einen Film mit Anna May Wong gesehen zu haben. Weißt du überhaupt noch, wer das ist?

- Äh...

Sie war ein chinesischer Star in US-Filmen. Sie war z.B. in SHANGHAI EXPRESS, dem Marlene-Dietrich-Film.

- Mein Neid auf deine Jugend kennt keine Grenzen...

Na ja, das war halt Glück. Die Filme heute... Nun, sie sind technisch sicher besser, aber... Das Geheimnis fehlt irgendwie. Ich glaube nicht, daß ich hier nostalgisch werde. Die Welt war damals viel naiver als heute. Heutzutage wissen sogar die Kinder schon alles. Die Magie ist futsch. Die Samstagnachmittage damals, in der Dunkelheit, die silbernen Schatten auf der Leinwand...fantastisch! Vor ein paar Stunden bin ich gerade aus dem Kino gekommen, FARINELLI. Sehr nett, aber auch ihm ging die Magie ab, das besondere Etwas. Man weiß vielleicht zuviel über die Herstellung von Filmen, wer weiß.

- Ich habe gehört, dein erster Job als Schauspieler war ein Auftritt in der "Jack Benny Show"...

Mein erster bezahlter. Vorher habe ich am Theater gearbeitet.

- Als da wäre?

Oh, zum Beispiel Fleance in MACBETH, noch als Kind, natürlich. Schwer professionell! Und vorher habe ich den Weihnachtsmann gegeben, an der Schule. Bevor ich mich an Shakespeare rangetraut habe, kam also Santa Claus... An der Universität, an der ich einige Kurse belegte, ohne eingeschrieben zu sein, spielte ich in ELIZABETH IN ESSEX. Das war schon einigermaßen Profiarbeit, aber das schlug sich nicht finanziell nieder.

- Sonst noch Theatererfahrung?

Ich habe eine musikalische Komödie geschrieben und produziert, als ich die High School abschloß. Als ich 18 war, verschwand ich aus den Staaten. Verschiedene Leute meinen immer wieder, das hätte ich wegen Korea getan, aber das stimmte nicht. Wie dem auch sei, ich kam nie wieder zurück!

- Wie war das mit Jack Benny?

Nett. Auf einem Ferientrip nach San Francisco ging ich ins Kino und dachte mir: "Das kannst du auch!" In L.A. hatte ich viel Glück, den Job zu bekommen. Es war eine Winzrolle, aber - ich durfte spielen. Und sogar neben Marilyn Monroe! Sie hatte gerade RIVER OF NO RETURN abgedreht und kam aus Oregon. Als sie zur Probe kam, in Lockenwicklern, ohne Make-Up und höllisch schlecht gekleidet, dachte ich nur: "DAS ist die Monroe?" Aber als die Lichter angingen, stand sie da in dem engen Kleid, mit glitzernden Pailletten... Sie sah umwerfend aus. Meine Rolle war ziemlich unscheinbar, aber für den Anfang nicht schlecht.

- Lampenfieber?

Damals überhaupt nicht, heute immer mehr! Merkwürdig. Vielleicht wächst mit den Jahren die Verantwortung...

- Wie kamst du nach Mexiko?

Nun, ich sprach zufällig etwas Spanisch; nicht viel, aber das band ich niemandem auf die Nase. Man bot mir einen Film in Mexiko an, EL ULTIMO REBELDE, mit Carlos Thompson. Das war ein Film über Joaquin Murieta, den chilenischen Banditen-Poeten. Das Lustige daran war, daß ich den Film zweimal machte, einmal auf spanisch, einmal auf englisch. Ich bekam auch die doppelte Gage. Das hat mir gut gefallen!
Danach kam SHEENA, QUEEN OF THE JUNGLE mit Irish McCalla. Die Serie wurde von Ismael Rodriguez gedreht, der 1956 oder so in Berlin einen "Goldenen Bären" gewonnen hat. Nicht mit SHEENA, versteht sich. Die Rolle von Irish sollte ursprünglich Anita Ekberg bekommen, aber sie lehnte ab, vielleicht wegen der vielen Stunts...
Eine weitere Serie für ABC-TV hieß THE ADVENTURES OF CAPTAIN GRIEF, die auch in Mexiko gedreht wurde. In einer der dreizehn Episoden spielte ich die Hauptrolle.
Nach CAPTAIN GRIEF waren meine Spanischkenntnisse schon etwas herangereift. Einmal ging ich ins Restaurant. Linda Christian war auch dabei, mit ihrem Freund. Wie es halt passiert, fiel ich einem anwesenden Produzenten auf, da ich zu der Zeit einen Bart trug, der sehr nach Kaiser Maximilian aussah. Und der Mann suchte einen Kaiser Maximilian! So kam ich zu der Rolle in EL FIN DE UN IMPERIO.

- Du hast zwei Filme mit Alfonso Corona Blake gemacht...

LA TORRE DE MARFIL ist der erste der beiden. Er basierte auf der d'Annunzio-Novelle, die auch von Visconti verfilmt wurde (L'INNOCENTE). Für mexikanische Verhältnisse war die Produktion mehr als üppig, und der Film wurde auch ein dicker Erfolg. Ich spielte eine der Hauptrollen, den Liebhaber. (Anm.: Bei Visconti war das Marc Porel, aus EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN!)

- Gefiel dir der Visconti-Film?

Sehr. Ich mag fast alle Filme von ihm, besonders seine barocken. Aber auch die anderen, LA TERRA TREMA und so weiter, sind einfach umwerfend. Toll.

- Corona Blake hat sehr zwischen Kunst und Kommerz hin und hergependelt...

Das stimmt. Zu Beginn hat er größere und anspruchsvollere Filme gemacht, für die gehobene Schichte. Später dann ging er mehr zum Volk, mit seinen "Santo"-Filmen etwa. Bei EL PECADOR wollte er mich unbedingt drinhaben, obwohl keine Rolle da war, also machte ich einen Gastauftritt. Alfonso war ein reizender Mensch. Das müßte er eigentlich auch heute noch sein.

- Vor den "Neutr•n"-Filmen warst du noch in dem zweiten Film der "Nostradamus"-Reihe von Curiel, THE MONSTER DEMOLISHER.

Den Titel habe ich nur, weil du ihn mir gesagt hast. Ich habe den Film nie gesehen.

- Das solltest du ändern, er ist wirklich sehr gut. Waren die Filme nicht als Serial konzipiert?

Oha, kann sein. Der Gehstock, den ich übrigens am Schluß in den Vampir jage, war mein eigener. Ich hatte ihn schon als Kaiser Maximilian getragen...

- Damit tötet man also Vampire... Federico Curiel hat gute Arbeit geleistet, finde ich.

Die Arbeit mit ihm war sehr angenehm. Viele Jahre später bin ich wieder in Mexico City gewesen, und in Churrubusco war er gerade dabei, einen neuen Film zu machen und wollte mich gleich hineinpacken, aber leider konnte ich das zeitlich nicht einrichten. Ich habe einige Male versucht, ihn von Spanien aus zu erreichen, aber er ist schwer zu erwischen.

- Und die "Neutrón"-Filme?

Ich erinnere mich daran, DASS wir sie gemacht haben, ich erinnere mich an die Leute, aber damit hat es sich schon. Den "enmascarado" ohne Maske spielte Wolf Hrubinsky...Es gab diese eine Szene, wo er mich hochheben sollte, und da er sich fast einen Bruch hob, entschloß er sich dazu, sich doubeln zu lassen! Man kann natürlich sehen, daß das Double entsprechend dünner ist als Wolf, aber na ja. Julio Aleman war dabei, Claudio Brook... Ich weiß nicht genau, in wie vielen ich dabei war, da ich niemals die Chance bekam, sie zu sehen!

- Hast du eine Ahnung, warum diese Ringkämpfer-Filme in ihrem Ursprungsland so erfolgreich sind?

Mexiko ist ein sehr faszinierendes Land, mit Tausenden von Legenden. Die aztekischen Volkssagen, etwa... Die Fantasy-Filme sind sehr stark in diesen Traditionen verwurzelt. Das ist eine Sache, die Mexiko heute leider verloren hat - die Verbindung mit dieser Mythenwelt. Es gab einmal eine untere soziale Klasse, mit echtem indianischen Blut, die jetzt aber etwas aufgestiegen ist, etwa untere Mittelklasse. Dafür haben sie aber auch viel Stolz auf ihre Herkunft eingebüßt. Das ist eine Schande! Als ich das letzte Mal in Los Angeles war, fiel mir auf, daß es einen Trend in die richtige Richtung gibt: Es gibt dort ja sehr viele Angestellte mexikanischen Ursprungs, z.B. in dem Hotel, in dem ich abgestiegen bin. Und die bezeichneten sich nicht als mexikanisch, sondern als aztekisch, was ich gut finde. Vielleicht bildet sich ja etwas von der früheren Würde zurück.

- Wie war die Reaktion der Zuschauer auf diese Filme?

EL TORRE DE MARFIL war ein Nummer-Eins-Hit. Diese "Nostradamus"- und "Neutrón"-Filme hingegen richteten sich an ein ganz anderes Publikum, in den Vorstädten und den niedrigeren Klassen. Sie liefen nur in billigen Kinos und wurden von niemandem ernst genommen. Ich habe sie mir nicht angeschaut. Ich habe nicht ernsthaft damit gerechnet, daß mich jemand fast 40 Jahre später nach diesen Filmen fragen würde! Jetzt sind sie sowas wie Kultfilme, und das freut mich besonders für Federico, der sehr an diese Art Kino geglaubt hat. Sie waren seine Schöpfung und seine Fantasie. Er hat auch seine Schauspieler, ihre Persönlichkeit, sehr kreativ genutzt, denke ich. Deshalb schulde ich ihm einiges.

- In diesen Horrorfilmen werden viele traditionelle Motive benutzt, z.B. aus den "Universal"-Filmen der Dreißiger...

Oh ja, und ich befürworte das voll und ganz! Ich wünschte mir, man könne die Magie wiedererlangen. Die ganzen Hollywood-Traditionen basierten ja auf ausländischen Einflüssen; Hollywood war ein ausländisches Produkt, wenn man so will. So viele Produzenten, Regisseure und Schauspieler waren nicht von dort...

- Heute geht's ja hauptsächlich um die Hardware.

Ganz entschieden, Filme sind ein Produkt, wie etwas, das man ins Regal stellt. Menschen kommen in den Laden und kaufen...damit hat es sich. Wir haben sehr viel verloren... Das war die Zeit, in der Rock Hudson und Debbie Reynolds als Junge oder Mädchen von nebenan präsentiert wurden. Es gab Fotos, wie sie ihre Wagen wuschen oder den Milchmann begrüßten... Das zerstörte irgendwie die Magie! Früher war da so etwas wie eine gläserne Wand zwischen dem Publikum und den Stars, aber das Fernsehen versuchte dann, sie zu "normalisieren".
Als ich in Hollywood war, traf ich Leute... Theda Bara, dem ersten großen Vamp der Filmgeschichte, begegnete ich auf dem Markt! Diese kleine alte Dame in Schwarz spazierte vorbei, und jemand sagte mir, wer sie war. Und als ich bei einem Freund zu Besuch war, kam auf einmal Pola Negri herein und verlangte sofort: "Ich will Kunstlicht!" Als Präsent hatte sie ihm einen roten Samthandschuh mitgebracht, der mit Zeitungspapier ausgestopft war und an den sie einen Ring gesteckt hatte...
Und sowas passierte andauernd! Einmal sah ich Clark Gable auf der Straße - ich war entsetzt, daß er graues Haar hatte! -, ein andermal stand Claudette Colbert an der Ecke. Und dann stand ich mal mit meinem Wagen an der Ampel, als Barbara Stanwyck neben mir auftauchte. Ich habe das gerade mal bei Dreharbeiten erwähnt, worauf alle sagten: "Jaja, Jack, wir wissen, daß du viele berühmte Leute kennst!", aber so meinte ich das gar nicht. Es war nur halt eine Zeit, in der solche Dinge möglich waren! Das war, wie wenn Halbgötter auf der Erde wandelten. Sehr aufregend. Marlene Dietrich hat mir gezeigt, wie man Rühreier macht...

- Häh?

Ich lernte sie bei einer ihrer Shows in Las Vegas kennen. Ich war begeistert, sprach sie an... Sie hatte eine unglaubliche Art, einen tollen Akzent... Ich wollte nur ihr Autogramm haben und sagte ihr, daß ich alle Shows gesehen hätte. Sie meinte nur, mit rauchiger Stimme, so von unten nach oben: "You di-hid?" Ich bin fast an Ort und Stelle umgekippt... Und bei einer Party bei einem Freund trafen wir uns halt mal in der Küche, wo sie mir Eier in die Pfanne haute. Viel Butter und eine kalte Bratpfanne, nur damit das mal festgehalten wird!

- Sie war eine große Frau...

Aber zurück nach Mexiko. Während dieser Curiel-Filme trat ich auch in einem Bühnenstück auf, EL PROFESSOR JESUS, was von mir sehr mutig war, heute würde ich das nicht mehr wagen. Aber damals hätte ich alles gemacht (lacht)! Ich arbeitete auch in ANASTASIA und einer musikalischen Komödie namens REDHEAD. Die wollte man dann auch in Spanien rausbringen. Tja, und am Abend, bevor ich nach Spanien fuhr, rief mich Federico an und wollte mich für einen Film. Ich sagte zu ihm: "Schau mal, das geht nicht, ich fahre morgen nach Madrid. In drei Monaten bin ich wieder da!" Das war ein Trugschluß, ich kehrte niemals zurück.
Das Stück war übrigens ein kolossaler Flop, da die Vorstellung der Spanier von einer musikalischen Komödie die ist, daß Blondinen mit dicken Möpsen eine Treppe herunterwippen! Glücklicherweise bekam ich einen Job beim Film: LOS GUERILLEROS. Dann habe ich meinen ersten Film mit León Klimowsky gemacht...

- FUERA DE LA LEY.

Genau. Das war der erste Film, den ich als Jack Taylor drehte. Der Name wurde mir einfach untergeschoben, da den Produzenten Grek Martin zu wenig amerikanisch klang...
Vor einer Woche haben sie Klimowsky übrigens einen Ehrenpreis verliehen, für seine Karriere. Er ist jetzt 88. Er sieht sehr drollig aus, fast wie einer dieser Spielzeugleute mit einer Schraube zum Aufziehen... Er hat eine ganz reizende Ansprache gehalten. Gut, ihn wiederzusehen.

- Wie war er bei FUERA?

Nun, ich war daran gewöhnt, mit direktem Ton zu arbeiten, da man das in Mexiko so machte. In Spanien wurde nachsynchronisiert, und das haute mich einfach um! Ich stand da und machte irgendwas, die Kamera surrte, und auf einmal redet León dazwischen und gibt seine Anweisungen, ich war total perplex! Ich kannte das einfach nicht...

- Dein Ko-Star war George Martin.

Ja, er stand auch am Anfang seiner Karriere. Eigentlich heißt er Francisco irgendwas. Vor einiger Zeit lebte er in Miami. Keine Ahnung, was er jetzt macht.

- Das war dein erster Western?

Ach, nicht wirklich. Für mich sind Western Filme mit Leuten auf Pferden! Insofern war EL ULTIMO REBELDE mein erster Western. Merkwürdig, daß mich viele Leute mit Western identifizieren. Ich habe nur wenige gemacht und konnte nicht gut mit Pferden. Nichts gegen Pferde im besonderen, aber es ist schwer, gleichzeitig zu reiten und zu spielen! Nein, Pferde sind schon in Ordnung; manchmal sind Filmpferde sogar schlauer als die Schauspieler...
Eine meiner letzten Rollen war in einem Western, dieser neue TRINITY-Film von Enzo Barboni. Spencer und Hill sind nicht mehr dabei, aber zwei junge Burschen, die ihre Kinder spielen! Ich spiele den Vater von Terence Hill. Das hat Spaß gemacht.

- LA TUMBA DEL PISTOLERO...

Ein Western in Schwarzweiß, an den ich gute Erinnerungen habe. Er ist sogar neu rausgekommen, was bei einem Schwarzweißfilm nicht selbstverständlich ist. Ich hatte zu der Zeit eine gute Beziehung zu Amando de Ossorio.

- Silvia Solar spielte da mit...

Das letzte Mal, das ich mit ihr zusammengearbeitet habe, war in Barcelona, in einem Film von Esteban. Doch später, später.

- Hier steht auch eine "Lederstrumpf"-Geschichte: UNCAS, EL FIN DE UNA RACA (LEDERSTRUMPF-DER LETZTE MOHIKANER).

Das ist wahrscheinlich der mit Abstand schlechteste Film, den ich je gemacht habe. Ich habe ihn nie gesehen und hoffe, daß ihn auch sonst niemand gesehen hat!

- Du spielst die Hauptrolle...

(leidend) Ich weiß. Ich hatte mit Lesoeur damals einen Vertrag unterzeichnet für drei Filme. Das war der letzte davon. Wer weiß, wieso er gemacht wurde... Die Story war sehr hübsch, aber man kann keinen kanadischen Wald mit ein paar lumpigen Pinien herbeizaubern! Und wenn dann noch der Hauptdarsteller mit einem völlig unpassenden Haarschnitt herumläuft, weil niemand ihm eine Perücke gegeben hat, ist der Kahn auf Grund gelaufen. Der Film ist sehr schlecht, auf der billigen Seite von billig. Die meisten meiner spanischen Filme hatten geringe Budgets, aber sie besaßen immerhin noch eine gewisse Würde...

- Etwas größer war da schon Joseph Mankiewicz' CLEOPATRA, in dem du eine kleine Rolle hattest.

Das war eine wundervolle Erfahrung. Wir haben in Almeria gedreht, wo viele Western gedreht wurden. Das liegt fast in Afrika und ist für gewöhnlich mörderisch heiß. Als wir dort auftauchten, fror es natürlich. Wir durften in unseren kleinen Tuniken herumlaufen und froren uns fast zu Tode! Ich spielte einen griechischen Sklaven.
Rex Harrison hatte irgendwelche Probleme mit Mankiewicz. Hast du den Film mal gesehen? Am Anfang gibt es diese Szene, wo drei- oder vierhundert Statisten sich auf den Hügeln versammeln. Es gab eine große Panorama-Einstellung, dann Schwenk ins Tal, wo lauter Scheiterhaufen brennen, Leichen überall, Vieh läuft durcheinander, eine Stätte der Verwüstung. Dann schwenkt die Kamera auf Mr.Harrison. Ich war sein Sklave! Er fing dann an mit sowas wie: "Das habe ich nicht gewollt...oh verdammt, ich habe den Text vergessen!" Cut. 400 Statisten und vielleicht 50 Stück Nutzvieh durften warten, bis die Scheiterhaufen wieder brannten, und das Holz wurde andauernd naß. Er trieb dieses Spiel den ganzen Tag lang, weil er einfach keine Lust hatte! Irgendwann blieb die Szene dann so, und der Rest meiner Szene wurde nicht gedreht... Nur weil Mr.Harrison sauer auf den Regisseur war! Natürlich hatte er ein warmes Zelt, während uns anderen der Hintern abfror! Na ja, ich habe viel Geld verdient!

- Deine Gedanken an Harrison sind demnach nicht die wärmsten.

Ach, es geht.
Cleopatra
- Aber ich wollte, ich könnte von mir sagen, ich sei Rex Harrisons Sklave gewesen...

Warum nicht? Richard Burton hätte eigentlich auch dabei sein sollen, aber er war gerade von Teddyboys am Londoner Flughafen aufgemischt worden und war deshalb nicht in der Lage! Sein Double sah ihm aber so ähnlich, daß selbst Nahaufnahmen im Print blieben, und man sieht den Unterschied nicht.

- Mit Liz Taylor hattest du keine Szene?

Nein, leider.

- Schade. Ich hatte auf sowas gehofft wie: "Ich ließ das Badewasser ein in der Szene..."

Bedaure.

- Ein anderer Western war THE CHRISTMAS KID mit dem Produzenten Sidney Pink.

Der Film hat mir gut gefallen, weil da Jeff Hunter mitspielte. Das muß wohl der letzte Film gewesen sein, in dem Jeffrey mitwirkte. Er war sehr nett. Bald danach fiel er bei einer Party die Treppe herunter und starb.

- Angeblich soll er ja wegen der derben Verrisse von KING OF KINGS nach Europa gegangen sein.

Das kann sein. Er war auf jeden Fall ein sehr unglückliches menschliches Wesen. Aus irgendeinem Grund kamen wir auf Anhieb gut miteinander aus. Es gab aber auch Leute, die ihn wegen seines Gewichtes aufzogen, was ausgemachter Quatsch war, er sah gut aus.

- Dann machtest du NECRONOMICON mit Jess Franco...

Ein weiterer Film, den ich sehr mag. Als wir das Interview für das Buch machten, war das der einzige von Jess' Filmen, den ich gesehen hatte. Mittlerweile lief auch DE SADE 70 in der hiesigen Filmothek, allerdings mit einem fürchterlichen Print. Die Farbe war fast verschwunden! Aber der Film sah recht gut aus.

- Wie genau bist du Jess über den Weg gelaufen?

Das war während der Dreharbeiten zu LA TUMBA DEL PISTOLERO. Er machte gerade einen anderen Film in der Nähe, und wir trafen uns beim Abendessen. Ich wünschte ihm viel Glück für seinen Film, und ein paar Tage später rief er mich an: "Hast du Lust, nach Lissabon zu kommen?" Die hatte ich! Ich war sehr neugierig auf Portugal, wo ich noch nie vorher gewesen war.
Der Film war eine sehr merkwürdige Angelegenheit. Jess hatte vielleicht anderthalb Seiten Skript. Es gab kein Geld. Aber Pier Caminnecci interessierte sich für das Projekt, und Franco und sein Partner kratzten genügend Geld zusammen, um Caminnecci nach Lissabon einzuladen. Obwohl er dort sein Interesse schon verloren hatte, wurde das auf einmal ganz anders, als er Janine Reynaud begegnete, was ich gut verstehen kann. Das ist auch der Grund, weshalb Teile des Filmes in Deutschland entstanden, in Grunewald und in seinem Haus. Ich mag den Film. Das ist einer der guten Francos.

- Seine Art, Filme zu machen, muß dir sehr spanisch vorgekommen sein...

Absolut. Als ich mit Curiel zusammenarbeitete, machte mir das Spaß, weil es mir frisch und neu vorkam. Mit Jess zu arbeiten, machte aus demselben Grunde Spaß. Für seine Zeit ist der Film sehr gewagt. Die Tatsache allein, daß wir eine Nacktszene zu drehen hatten, erschien mir sehr "europäisch". Hedy Lamarr in EXTASE hatte ich schon gesehen. In den USA wäre das nicht passiert, denn dort ist alles sehr puritanisch. Für mich war das kein Problem.
Aber auch in Spanien war das ein Risiko! Ich meine, das war während des Franco-Regimes. Nicht einmal tiefgeschnittene Kleider waren erlaubt. Es gibt eine Szene, in der Janine und ich in einem großen Fenster sitzen, dahinter die Bucht von Lissabon. Wir waren nackt. Als wir mit der Szene durch waren, schaute ich aus dem Fenster und sah ungefähr 50 Leute, die sich auf den umliegenden Dächern versammelt hatten, mit Feldstechern bewaffnet... Das war ziemlich eigenartig!
Jess bereitete den Dialog immer vor, und ich schrieb das ganze dann in Reinform. Es war sehr merkwürdig, den Film nach so langer Zeit wiederzusehen. Jemand aus Kanada hatte mir eine Kopie besorgt. Sehr eindrucksvoll. Caminnecci hat eine neue Kopie aufgetrieben, für die Filmothek, eine wundervolle Fassung, tolle Farben... Eine deutsche Fassung habe ich auch. Die gefällt mir sogar noch besser, denn die Sprache paßt irgendwie besser zum Film.
Nach diesem Film machte Caminnecci, den Janine immer noch sehr beschäftigte, einen Film mit ihr, der dem Vernehmen nach ziemlich ähnlich sein soll. Und Janines Ehemann, Michel Lemoine, drehte auch einen solchen Film. (Anm.: Bei dem Caminnecci-Film handelt es sich um WIE KURZ IST DIE ZEIT ZU LIEBEN, der vor etwa 100000 Jahren auf "Monte Video" herauskam. Der andere Film könnte identisch damit sein.)

- Wie war das mit CUSTER OF THE WEST (EIN TAG ZUM KÄMPFEN)?

Oh, es war ein großer Wunsch von mir, mit Robert Siodmak zusammenzuarbeiten, den ich sehr verehrte! In einigen Fassungen dieses Filmes bin ich dabei, in anderen nicht. Ich spielte einen Geistlichen, mit Robert Shaw und Mary Ure. Sie war eine süße Person. Mit Shaw bin ich nicht so gut klargekommen.

- Was zum Henker ist MERCANCIA HUMANA von Callegari?

Das war eine Fifty-Fifty-Sache, denke ich. Für die man mich übrigens nicht bezahlte, zumindest von der italienischen Seite her. Franco war, was das anging, auch immer für einen Scherz gut. Von Lesoeur bekam ich die Gage, aber er benutzte mein Material später noch in anderen Filmen. (Anm.: Z.B. DAS SCHIFF DER GEFANGENEN FRAUEN und DIE OASE DER GEFANGENEN FRAUEN)

- EL CONDE DRACULA (NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT)...

Hat mir Spaß gemacht. Mit Mr.Lee, Herbert Lom, Fred Williams...

- Was ist eigentlich aus Fred Williams geworden? Arbeitet er noch?

 Er war Deutscher, und hatte vorher mit Regisseuren wie Fellini und Visconti zusammengearbeitet. Und Soledad Miranda natürlich, die kurze Zeit später den Unfall hatte. Wir drehten in Barcelona.


- Gab es Szenen mit Kinski?

Nein, ich habe ihn nie getroffen. Leider.

- Wie war Francos Herangehensweise an den Film?

Nun, er wollte die einzige, wahre Version des Stoffes abliefern, was natürlich nicht gelungen ist, aber so hat er ihn verkauft.

- Wie hat dir die Coppola-Version gefallen?

Hübsch, sehr hübsch. Vielleicht nicht vollkommen erfolgreich als Vampirgeschichte, aber als Produktion wirklich meisterlich.

- Wie ist das mit deinem Credit als Art Director zu verstehen?

Ich habe die Sets gerichtet und habe die Kostüme überwacht, so was. Er fragte mich einfach, ob ich Lust hätte, das zu machen. Wir hatten halt kein Geld. Aber wir haben ein paar schöne Sachen hingekriegt. Die Mansardenfenster in der Klinik sind zum Beispiel mein Einfall gewesen.

- Was bedeutet das O. in deinem Namen?

Nichts. Das hat sich Mr.Franco ausgedacht. Mein Name ist George Brown Randall. Irgendwo hat er daraus auch mal "Schneider" gemacht, soviel ich weiß... Das war so die Art von Franco. Manchmal mochte er mich, manchmal war er sauer auf mich. Wenn er sauer war, machte er solche Sachen...(lacht)

- Bei EL PROCESO DE LAS BRUJAS (DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR) bist du auch als Art Director aufgeführt...

Richtig, und ich werde sagen, warum: Es gab damals die Schauspielergewerkschaft, die fast unumschränkt regierte, und bei der war ich zu der Zeit "persona non grata"! Ein paar schmuddelige Filme wurden mir schon zugeschanzt, aber innerhalb von nur drei Monaten wurden mir von diesen Leuten insgesamt 8 Filme weggenommen! Und alles nur, weil ich Amerikaner war und aus diesem Grund viele Angebote bekam! Man muß wissen, daß die Leute, die die Genehmigungen erteilten, auch Schauspieler waren, und Mißgunst hat in Künstlerzirkeln häufig einen guten Stand. Na ja, in dieser schwierigen Phase fragte mich Jess wieder mal, und da er keine Rolle mehr hatte, konnte ich die Art Direction übernehmen.

- Es wurde auch eine Dokumentation back-to-back mit EL CONDE DRACULA gedreht...

...die, was mich angeht, durchaus gelungener ist als der Film selbst! CUADECUC ist vollkommen großartig! Außer einigen Zeilen von Christopher Lee ist der Film stumm. Pedro Portabella, ein Katalane, hatte vorher verschiedene Sachen gemacht, z.B. einen Film mit Lucia Bosé, alle sehr avantgardistisch. Er wollte seine Version von DRACULA drehen, während wir drehten. Die Premiere war im New Yorker Museum of Modern Art.

- Im Zusammenhang mit DE SADE 70 wird Christopher Lee häufig zitiert, er sei in die schlüpfrigen Passagen irgendwie hineingeschwindelt worden. Wie steht's damit?

Keine Ahnung. Mir kam es immer so vor, als genieße er es nicht sonderlich, in dieser Art von Film mitzuspielen, er wollte bestimmt nicht so weitermachen.

- Hast du Harry Alan Towers mal getroffen?

Oh ja, OH JA! (lacht herzlich) Eine schillernde Gestalt...Nächste Frage.

- Wie ist das mit diesen beiden anderen Franco-Filmen, in denen du in dieser Zeit zu sehen warst, LES YEUX DE LA NUIT und SEX CHARADE?

Das war wohl wieder eine dieser Sachen... Ich sagte Jess: "Hör zu, wenn das Geld am Flughafen noch nicht in meine Tasche gewandert ist, komme ich nicht nach Paris!" Das tat ich dann aber doch. Wir drehten einen Tag und zwar in einem prächtigen Apartment, das, was weiß ich, Alain Delons Anwalt gehörte, etwas in der Richtung. In welchem Film das Material landete, weiß ich nicht. Weißt du, sie haben gesagt, Jack, tu dies, Jack, tu das. Jess macht so etwas verteufelt gewieft. In der Türkei machten wir einmal einen Film, in dem ich vier verschiedene Charaktere spielen sollte, hmm...

- Hast du LA VENGANZA DEL DR. MABUSE gesehen?

Nie. Ich erinnere mich an eine Szene in einem Laboratorium, wo überall Skalen und Tastaturen zu sehen waren, und die wurden, ob du's glaubst oder nicht, von Francos Neffen, Ricardo, mit der Hand aufgemalt. Ricardo ist jetzt selber ein recht bekannter Regisseur.

- Am Schluß wirst du geröstet...

Das passiert mit mir, ja? Ich glaube es gern. Von allen Filmen, die ich gemacht habe, habe ich vielleicht 10 oder 12 gesehen!

- Der erste deiner berühmten Horrorfilme war DR JECKILL Y EL HOMBRE LOBO (DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE).
Dr. Jeckill y el hombre lobo
Die Dreharbeiten waren sehr angenehm. Das Resultat war sicherlich nicht berauschend, aber es hat Spaß gemacht. Paul Naschy war dabei. Ich habe ihn vor nicht allzu langer Zeit getroffen. Er bereitet eine Serie vor. Angeblich will er sogar selber Regie führen. Aber ob daraus was wird, wissen die Götter. Im Dezember 1993 überreichte man mir, Naschy und Carlos Aured einen Preis, von einer Gruppe junger Cinéasten in Valencia. Damals hatte Paul ein Treatment geschrieben, etwa 20 Seiten, das er gerne ins Englische übertragen haben wollte. Es war ein Dracula-Stoff, und die Grundidee war recht nett, er hat sich gut was einfallen lassen, aber ich habe seither nichts mehr davon gehört.

- Was hat Naschy in Spanien zu einem solchen Star gemacht?

Er war der einzige, der diese Sorte von Film machte. Auf das Genre wurde gerne von oben herabgesehen, kein Schauspieler wollte so etwas machen. Das Merkwürdige ist, daß man diese Filme noch kennt und liebt, während die vermeintlich wichtigen Produktionen alle im Staub der Zeit versunken sind, niemand weiß mehr von ihnen... Damals waren Horrorfilme nicht gesellschaftsfähig. Jetzt sind einige von ihnen sogar Kultobjekte.

- Hattest du eigentlich jemals Ärger mit der Franco-Regierung?

Ich sage dir was: Niemals habe ich mich in Spanien unterdrückt gefühlt! Das ist der Grund, warum ich hier lebe...Vielleicht liegt das daran, daß ich einfach ein unpolitischer Mensch bin. Natürlich gab es schon Regisseure wie, sagen wir mal, Juan Antonio Bardem, die offen kommunistisch waren, und damit sind sie natürlich angeeckt. Aber das ist einfach nicht meine Welt. Kultur kann sehr starke Politik darstellen, aber Politik macht sehr schlechte Filme...

- Diesen anderen Klimowsky-Film, LA ORGIA NOCTURNA DE LOS VAMPIROS, kenne ich überhaupt nicht...

Nicht so wichtig. Nur ein weiterer dieser Filme, Menschen kommen in ein Dorf, die Dörfler entpuppen sich als Vampire, sowas war das.

- Die Dreharbeiten zu AUTOPSIA können schwerlich angenehm gewesen sein?

Diesen Film zu machen, war einfach die Hölle! Der Regisseur bestand darauf, echte Leichen zu verwenden. Als ich 16 war, hatte ich auch mal in einem Leichenhaus gearbeitet, um etwas Geld zu verdienen halt. Einer Autopsie beizuwohnen, war mir also nicht neu. Aber Senor Logar hat es mit der Sache etwas übertrieben. Wir benutzten gleich mehrere Leichen für den Shoot, und...das hat ihm sehr gefallen! Ich will damit nicht sagen, daß es ihm irgendwelche Lustgefühle bereitet hätte oder so, aber... Selbst der Chirurg, den wir dabei hatten, war ziemlich überrascht von dem Interesse, das Logar an den Tag legte. Ich mußte dem Chirurgen auf die Finger sehen, um die Bewegungen im Film reduplizieren zu können. Natürlich mußte ich nicht selber herumschnippeln, aber wenn ich im Bild war, mußte ich eben entsprechend agieren.
Eine Geschichte war ziemlich unverzeihlich. Für die Szene, in der der Kopf aufgeschnitten wird, wurde ein junger Mann benutzt. Und während sie diese Szene gedreht haben, warteten im Korridor die Angehörigen, damit ihnen der Tote übergeben würde! Das war wirklich grausam und unmenschlich; deswegen erinnere ich mich nur sehr ungern an die Episode. Das war einfach nicht notwendig. Hinterher ist man immer schlauer.

- EL BUQUE MALDITO (DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN/ REITENDEN LEICHEN)...

Das Schiff war sehr hübsch als Set. Sie hatten es in einer großen Garage zusammengebastelt, nicht einem Studio. Das brachte gewisse Probleme mit sich, da sie für den Nebel nicht etwa den gewohnten Trockeneisnebel verwendet haben, sondern schlicht und ergreifend Öl! Wir sind fast erstickt in diesem schwarzen Loch!
Ich habe mich während dieses Drehs sehr mit de Ossorio in die Haare bekommen. Das war auch der Grund, weswegen ich später einen Gastauftritt in SERPIENTE DE MAR absolvierte, weil ich eine gute Arbeitsbeziehung nicht auf einer so unfreundlichen Note beenden wollte. Mir geht nichts über "good company".

- Hast du gehört, daß der Film in Deutschland verboten ist?

Nein. Wieso?

- Das weiß niemand so recht. Hast du Ossorios TERROR CIEGO-Filme gesehen?

Nein, ich bin sehr schlechtes Publikum. Ich denke nicht, daß er ein brillanter Regisseur ist, aber einige seiner Ideen sind recht gut.

- Was kannst du mir über Maria Perschy sagen?

Maria lebt jetzt in Österreich. Sie hat Theater gemacht. Damals war sie mit einem Amerikaner verheiratet und lebt hier. Es gab eine Scheidung, glaube ich. Das letzte Mal, das ich von ihr hörte, war, glaube ich, als ich VIAJE AL CENTRO DE LA TIERRA drehte. Was sie jetzt macht, weiß ich leider nicht.

- In LA VENGANZA DE LA MOMIA arbeitetest du wieder mit Naschy zusammen.

Wir drehten den Film mit Aured in London. Es gibt eine hübsche Szene, in der ich vor der Tower Bridge an der Themse stehe, und auf einmal kachelt ein rotes Auto vorbei, in den 1890ern (lacht). Das ist mir niemals aufgefallen, bis mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat! In dieser Hinsicht bin ich wohl sehr gutes Publikum, ich glaube alles...

- War Helga Liné eine angenehme Partnerin?

Aber ja. Sie wohnt jetzt in Buenos Aires, Ich habe gehört, es soll ihr gut gehen, sie soll sich gut abgesichert haben. Sicher ist sie immer noch sehr attraktiv. Meines Wissens ist sie übrigens Deutsche.

- Mit Javier Aguirre hast du auch gearbeitet...

Der Film hieß EL ASESINO ESTA ENTRE LOS TRECE und war ein Whodunnit im Agatha-Christie-Stil, dreizehn Menschen auf einer Dinnerparty, dann peng, dumm gelaufen, so was. Das war einer der ersten Filme mit Carmen Maura.

- Da sind noch zwei andere Franco-Filme aus der Zeit, von denen du wahrscheinlich nichts weißt...(erzähle ihm die Story von LE CHEMIN SOLITAIRE)

Das klingt interessant! Der andere Film war LA COMTESSE NOIRE (ENTFESSELTE BEGIERDE). Ich habe die Softcore-Fassung dieses Filmes gedreht. Damals wußte ich gar nicht, was ich überhaupt mache, sehr surreal. Später fiel mir dann die Pornofassung in die Hände, die ich ziemlich platt finde. Die Softfassung ist um Längen besser. Pornografie als solche lehne ich nicht ab, sie kann durchaus aufregend sein, aber das ist bestimmt nicht Francos Domäne.
La comtesse noire
- LES DESARRAIGADAS von Paco Lara Polop.

Auha, ich glaube, daß wir den Film auf den Kanarischen Inseln gedreht haben und daß ich einen Gangster gespielt habe. Simon Andreu war dabei.

- Andreu spielte auch in LA NOCHE DE LOS BRUJOS (WOODOO-BLUTRAUSCH DES DSCHUNGELS) von Amando de Ossorio.

Ja, das war noch vor EL BUQUE MALDITO, bevor ich mich so mit Amando verkracht habe. LA NOCHE ist bestimmt der bessere der beiden Filme. Mir gefallen die Vampirinnen in diesem Film. Es wurden zwei Versionen gemacht: eine, in der die Sexelemente stärker betont wurden, und eine für den heimischen Markt.

- Andreu macht immer einen ziemlich garstigen Eindruck. Ist er auch privat garstig?

Oh nein, überhaupt nicht, wir sind gute Freunde. Er spielt nur gerne grimmige Gestalten. Vor kurzem wirkte er in einer großen amerikanischen Produktion mit, die in der Tschechoslowakei gedreht wurde. Er spielte den kubanischen Botschafter oder etwas in der Richtung.

- Kali Hansa war auch in einigen Franco-Filmen zu sehen...

Sie war ein sehr eigenartiges Mädchen, das von irgendwoher kam und irgendwohin verschwand. Wenn du was über sie wissen willst, solltest du Alberto Dalbes fragen, sie war damals seine Freundin, glaube ich.

- LAS ADOLESCENTES.

Der war ziemlich populär hier. Koo Stark spielte mit, du erinnerst dich, Prince Andrews kleine Freundin, bis er sich für Miss Ferguson entschied... Teile des Filmes wurden in London gedreht, andere Teile in Dänemark. Er ist von Warner Brothers herausgebracht worden und müßte an und für sich auch in Deutschland gelaufen sein.

- EL JUEGO DEL DIABLO war ein Film über Teufelsaustreibung.

Der Regisseur, Jorge Darnell, kam aus Argentinien. Ich glaube nicht, daß der Film übertrieben gut war. Das war jedenfalls mein Gefühl, als wir ihn gemacht haben.

- Ehrlich gesagt, mir hat er gefallen.

Um so besser. Darnell hat später noch einen Film mit Valentina Cortese gemacht.

- In der Schweiz drehtest du wieder einmal mit Jess Franco: DER RUF DER BLONDEN GÖTTIN und DIE TEUFLISCHEN SCHWESTERN...

Na ja, prinzipiell hatte ich ja gar nichts dagegen, mit Jess zusammenzuarbeiten, es war immer sehr angenehm. Und da diesmal auch die Bezahlung geregelt war... Ich habe einige hübsche Fränkli damit gemacht (lacht)!
Ich kam also da an. Sie haben mich zusammen mit den anderen in einem Hotel untergebracht. Direkt vor meinem Zimmer war aber diese riesige Kirche, und diese riesige Kirche hatte eine riesige Glocke, die mich jede Stunde aus dem Bett warf!
Ansonsten sehr nett.

- VIAJE AL CENTRO DE LA TIERRA (PHANTASTISCHE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE).

Der hat mir großen Spaß gemacht! Regisseur war Juan Piquer Simon, und ich hatte die Gelegenheit, Kenneth More kennenzulernen, ein wunderbarer Mensch. Er ist leider bald darauf gestorben, an Parkinson, glaube ich. Auf jeden Fall eine sehr langwierige Geschichte. Er hatte nicht viel Glück gehabt. Seine Frau war eine Person von hohem gesellschaftlichen Ansehen in England, was auch auf ihn abfärbte. Er tanzte mit der Mutter der Königin, oder aß zu abend mit der Königin, diese Größenordnung. Na ja, und dann verliebte er sich in eine junge Frau, woraufhin er der totalen gesellschaflichen Ächtung anheimfiel. Er war sehr bitter darüber.
Der Film war eine einigermaßen große Produktion. Sehr viel Liebe und Sorgfalt wurde auf alles verwendet, besonders auf die Spezialeffekte, die jetzt zwar etwas kindisch aussehen, aber damals ihren Zweck erfüllt haben. Meine Rolle war auch schön: Mr. Olsen, mit all den kleinen Olsens! Sechs, glaube ich...

- ENIGMA ROSSO (ORGIE DES TODES) von Alberto Negrin war eine italienische Koproduktion. Du hattest eine ganz ansprechende Rolle...

Ja, ich spielte einen Boutiquebesitzer, der sich andauernd die Haare onduliert und schließlich mit dem Lockenstab abgestochen wird. Mal was anderes...

- Wie war das in Eurocinés NATHALIE RESCAPEE DE L'ENFER?

Das war einer dieser Nazi-Sexfilme, wie sie um die Zeit besonders in Italien viel gedreht wurden. Der Regisseur war Alain Payet und die ganze Sache nichts Besonderes.

- VICIOSAS AL DESNUDO von Manuel Esteban hört sich auch etwas schlüpfrig an...

Das war auch etwas in Richtung Softcore. Silvia Solar hat mitgespielt. Bei den Dreharbeiten ist eine merkwürdige Sache passiert: In einer Szene wurde ich von verschiedenen Frauen gedemütigt, festgebunden, mit Wein begossen und so fort. Nachdem die Szene abgedreht war, hatte die Crew zusammen Abendessen. Alle plapperten katalanisch durcheinander und amüsierten sich prächtig...und auf einmal fing ich an zu heulen, aus heiterem Himmel... Ich hatte mich so sehr in meine Rolle hineingesteigert, daß es plötzlich mit mir durchging! Ich konnte praktisch nur noch aufstehen und fragen, ob mich jemand nach Hause fahren könne... Jetzt kann ich darüber lachen, aber damals war mir die Sache schrecklich peinlich! Mannomann...

- Mit Vicente Aranda, der ja mittlerweile zu Ruhm und Ehren gelangt ist, hast du auch schon gearbeitet...

Das war eine sehr eigenartige Zeit für mich, sehr schwierig. Ich hatte vor, meine Zelte hier in Spanien abzubrechen, alles hing mir zum Halse heraus... Auf einmal kam mir die Idee, wieder in die Staaten zurückzukehren. Ich war schon im Flug über Lissabon nach New York, als mir aufging, daß das ein Fehler war. In N.Y. war ich dann eine Zeit lang sehr unglücklich und unzufrieden. Dann rief mich mein Agent an, Vicente Aranda möchte dich für einen Film, ob ich Lust hätte. So kam ich wieder hierher zurück. In gewisser Weise hat Aranda damit meinem Leben aus einer dicken Krise herausgeholfen. Der Film ist eine Romanverfilmung und handelt von einem Mord im ZK der Kommunistischen Partei. Meine Rolle war die eines CIA-Agenten. Victoria Abril war auch mit dabei. Aranda hat mir auch als Regisseur sehr zugesagt.

- PIECES.

Wieder von Juan Piquer, ja. Der Film ist in den USA recht gut bekannt. Aus welchem Grund auch immer. Viele amerikanische Darsteller, Paul Smith, Christopher George - daß er gestorben ist, hat mich sehr getroffen -, und seine Frau, Linda Day, die jetzt übrigens fürs Fernsehen inszeniert. Edmund Purdom... Ich habe ja bereits von jenem Abendessen in Mexiko erzählt, wo ich mit Linda Christian und ihrem damaligen Freund saß. Tja, das war Edmund Purdom. Damals waren sie noch nicht verheiratet. Aber als ich seine Ex-Frau erwähnte, fiel bei ihm eine Klappe und er redete nicht mehr viel mit mir. Warum, weiß ich nicht.

- Wie hat Piquer Simon diesen Film gesehen?

Ach, er wollte natürlich einen kommerziellen Film machen. Er suchte nach einem neuen Weg für sich, ein neues Medium. Er wollte auf den internationalen Markt vordringen. Später hat er einen Film namens SLUGS gemacht, von dem ich nur den Trailer gesehen habe - Mann, war der eklig!

- EL CEPO...

Der steht in meiner Filmographie, jawohl, und beizeiten bekomme ich auch noch Tantiemen dafür, aber wovon der Film handelte, weiß ich nicht mehr! (Anm.: Ist auch besser so!) Wer war dabei, Mirta Miller und Claudia Gravy? Oh, das sind beides gute Freundinnen von mir! Tatsächlich hat Mirta 10 Minuten vor dir angerufen. Sie stammt aus Argentinien, während Claudia Belgierin ist. Mir ist so, als wäre der Film eine Art Mystery. Aber sicher nicht sonderlich gut. (Anm.: Sicher nicht!)

- Jetzt zu etwas Größerem: CONAN THE BARBARIAN...

Das war ein großes Vergnügen für mich. Die Sache begann so: Ich hatte ein Interview mit Milius. Und als er dann sagte: "Wenn Sie einen Homosexuellen spielen...", unterbrach ich ihn - was man bei solchen Gelegenheiten tunlichst unterlassen sollte!- und gurrte ihn an: "Jetzt übertreeeib mal nicht!" Und die Rolle war mein. Es ging für einen Tag nach Almeria. Ich war mordsnervös. Ich meine, das war ein RIESENfilm! Es gab keine Proben. Die Bewegungen wurden kurz vorskizziert, dann hatte die Sache zu laufen. Also, Action: Dieser riesige Hüne, Arnold Schwarzenegger, kommt rücklings auf mich zugewankt, ich denke mir: "Wie soll ich diesen Berg bitteschön aufhalten?" Es klappte dann aber ganz famos, ich streckte meine Hand aus, Arnold drehte sich um... Die Szene war bald im Kasten. Zwischendurch hatten wir eine Lunchpause. Danach sollte Arnold mich töten. Na ja, nach der Geschichte kam Arnold dann zu mir und richtete mir aus: "John is very pleased." Milius sagte das natürlich niemals selbst, aber Arnold. Und die Stuntleute lobten mich auch, ich hätte die Sache gut gemacht, was mir einigen Auftrieb gegeben hat. Es war eine Mammutproduktion, wie schon erwähnt.

- Das war noch, bevor Schwarzenegger zu einem Megastar wurde...

Ja, und er war sehr in Ordnung. Er hatte eine eigenartig jungenhafte Qualität an sich, die Milius auch gut in den Film eingebracht hat. Er hat sich wirklich angestrengt, wollte sein Bestes geben, und das ist auch herübergekommen. Er war wie ein großer kleiner Junge... Später kam er mit seiner Zigarre vorbei und paffte wild durch die Gegend. Nein, er war schon sehr in Ordnung.

- Mit Monte Hellman drehtest du THE IGUANA...

Auf den Kanarischen Inseln, ja. Ich spielte einen Schiffskapitän. Die Geschichte stammte von Alberto Vasquez Figueroa, einem sehr bekannten Bestsellerautor. (Anm.: Hat auch die Vorlage zu Castellaris TUAREG geschrieben und dreht auch selber Exploitationfilme.) Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, mit Hellman zusammenzuarbeiten.

- Ich habe ihn mal auf einem Festival getroffen. Er sah aus wie ein Hippie.

Oh ja, das ist er auch! Er ist ein bißchen so wie Jack Kerouac, der Poet. Der Film war eine Art Piratenfilm.

- SERPIENTE DE MAR (HYDRA).

Der letzte Film von Ray Milland. Wie schon gesagt, bin ich nur kurz darin aufgetreten, um mich mit Ossorio wieder gutzustellen. Wie lange bin ich in dem Film, zwei Sekunden?

- Nein, drei.

Ray hat mir eine ganz interessante Geschichte erzählt. Als ich ihn fragte, woher er so gut Englisch könne, sagte er, daß er vor langer Zeit mal von Alexandria aus in See gestochen ist, und eine Tätowierung, die er kurz vorher hatte machen lassen, infizierte sich auf der Reise. Als er dann in Almeria eintraf - das einen kleinen Hafen besitzt -, wollte man ihm den Arm amputieren! Ein örtlicher Doktor nahm ihn dann zu sich und schaffte es tatsächlich, Rays Arm zu retten. Während dieser Zeit spielte Ray viel mit den Kindern von dem Arzt, und dadurch lernte er tatsächlich Spanisch.
Übrigens spielt León Klimowsky auch eine Rolle in dem Film. (Anm.: Meines Wissens den Verteidiger von Timothy Bottoms, oder war das der Staatsanwalt?)

- Victor Israel ist auch dabei, der auch in unzähligen Western zu sehen war...

Ja, ich habe häufig mit ihm zu tun gehabt. Mittlerweile ist er, glaube ich, im Ruhestand und wohnt in Barcelona. Er hat ein ziemlich ungewöhnliches Gesicht, das ihm viele Rollen gebracht hat. Ein netter Mensch.

- CORAZON DE CRISTAL (CRYSTAL HEART).

Das war eine ganz kurze Angelegenheit, die man nicht weiter erwähnen muß. Ursprünglich sollte ich einen Agenten spielen, aber dann wollten sie den Agenten auf einmal in L.A. abdrehen. Ich hatte einen Vertrag laufen, und sie sagten, wenn du dein Geld sehen willst, dann mache den anderen Part. Ich bekomme zwar Tantiemen, aber...nicht der Rede wert.

- Vor kurzem habe ich gerade PANTHER SQUAD (KOMMANDO PANTHER) gesehen, eine Eurociné-Produktion von Pierre Chevalier. Erinnert etwas an die Agentenfilme der 60er...

Mit Wohlwollen. Ich schätze mal, daß die ganze Sache nicht so ernst gemeint war. Falls es eine Parodie werden sollte, schätze ich mal, daß das mißlungen ist. Sybil Danning war dabei, kurz bevor sie in der Tschechoslowakei THE HOWLING 2 gedreht hat.

- Was ist das für ein Film, UN VERANO DE INFIERNO (EIN HÖLLISCHER SOMMER) von Mickael Schock?

Das sollte wohl ein Film von so was wie Rang werden, eine Art Film Noir, aber das ist wohl nicht mehr gelungen als die Parodieelemente von PANTHER SQUAD... Das war das einzige Mal bisher, daß ich meine Rolle in Französisch gespielt habe.

- Dann hast du zwei Filme mit José Ramon Larraz gemacht, DESCANSE EN PIEZAS (REST IN PIECES) und AL FILA DE LA HACHA (AXOLUTION).

Das sind keine besonders guten Filme, aber dafür ist José ein besonders guter Freund! Er lebt zwar in England, aber er reist viel hin und her. Gerade heute morgen haben wir miteinander telefoniert. Mit ihm habe ich auch den GOYA-Film fürs Fernsehen gemacht, in dem ich den Duke of Wellington gespielt habe. Er ist ein sehr guter Regisseur und würde es verdienen, besseres Material zu bekommen. Wir beide haben sogar mal ein Drehbuch zusammen geschrieben! Er ist einer von diesen Regisseuren, die mit jedem Sujet klarkommen. Dabei kommt dann nicht immer ein toller Film heraus, aber er liefert immer etwas Brauchbares. Er ist auch ein sehr talentierter Künstler, er zeichnet Comic-Strips für Erwachsene, Buchcover, alles mögliche. Vielleicht machen wir irgendwann mal unser gemeinsames Projekt, mal sehen. Ein sehr kultivierter Mann und ein guter Freund.
Von Larraz ist auch SEVILLA CONNECTION. Der ist relativ neu. Eine Komödie, in der ich einen Mafioso spiele. War recht erfolgreich in Spanien.

- Nun kommt ein merkwürdiger Titel: LOS GUSANOS NO LLEVAN BUFANDA.

Übersetzt heißt das: Würmer tragen keinen Rock! Das soll ein Paßword sein; als Filmtitel ist es recht extravagant. Roddy McDowall spielt mit.

- Was ist AL-ANDALUS?

Ein Film von Jaime Oriol, den wir in Marokko gedreht haben. Mein Kostüm wog um die 35 Kilo. Einen Stahlhelm hatte ich auch auf. Und der ganze Spaß fand statt bei 47 oder 48 Grad im Schatten! Der Stahlrand vom Helm brannte sich mir gut in die Stirn ein... Ein Historienfilm, über die Araber in Spanien.

- Du warst in DIE RÜCKKEHR DER MUSKETIERE von Dick Lester?!?

Ja, gleich zu Beginn, ein Gastauftritt. Ich bin ein Reiter, der dem Volk was zuschreit. Eine Kleinigkeit, aber sehr lustig. Richard Lester war ein echter Schatz und suchte mich sogar eine halbe Stunde auf dem Set, um sich bei mir zu bedanken, was mich sehr gerührt hat.

- ANGEL OF DEATH ist nicht gerade CITIZEN KANE...

Auch Orson Welles hat Sachen gemacht, weil er Geld brauchte... (lacht). Immerhin konnte ich wieder mit Howard Vernon zusammenarbeiten, den ich sehr mag. Ein wahnsinnig lieber Mensch.

- EL MEJOR DE LOS TIEMPOS (DIE BESTE ZEIT DES LEBENS)...

Das war ein ziemlich guter Film, von einem sehr jungen Spanier, Felipe Vega. Vorher hatte er zwei oder drei andere Sachen gemacht, seit einiger Zeit aber ist es wieder ruhig um ihn geworden. Von dem Film existieren zwei Versionen: eine, in der ich mehr und eine, in der ich weniger zu tun habe. Ein paar sehr persönliche Sachen sind da drin, etwa eine Szene, in der ich mich mit einem anderen Schauspieler über das Filmen in Almeria unterhalte und wie die Zeiten sich geändert haben, wie sie die Gegend verdorben haben.

- LA VIDA LACTIA hast du bereits in dem Interview für das Franco-Buch erwähnt.

Ja, das hat leider Ärger gegeben! Der Film wurde auf der Berlinale vorgeführt, und das, obwohl er niemals wirklich beendet wurde. Marianne Sägebrecht, eine sehr liebe Freundin von mir, war auch dabei. Das Drehbuch für den Film war ungelogen eines der besten, die ich jemals gelesen habe, eine wundervolle bizarre Komödie. Wegen produktionstechnischen Problemen wurde es dem Regisseur aber nicht gestattet, seinen eigenen Film zu Ende zu drehen. Stattdessen hat der Produzent ihn zusammengebastelt. Und die Poesie, die der Film haben sollte, ging den Bach runter. Und... Unglücklicherweise neige ich dazu, mit meinen Ansichten nicht hinterm Berg zu halten... Nicht, daß ich den Produzenten schlecht gemacht hätte, aber ich fand einfach, daß man so etwas nicht tun kann! Ich meine, wenn man etwas dreht, und alle finden, daß es schlecht ist - okay, dumm gelaufen, das ist das Geschäft. Aber wenn man nicht einmal die Chance bekommt, dann ist das Ganze ein fauler Trick! Was ich sagte, wurde natürlich gedruckt, und ich landete auf der schwarzen Liste des Produzenten! Nicht, daß es mir leid täte, das gesagt zu haben. Einem Künstler sollte gestattet sein, seine oder ihre Arbeit fertigzustellen, alles andere ist einfach unmoralisch!

- Gibt es sonst noch neue Projekte?

Die nächste Sache ist eine Komödie mit Carmen Maura, von einem Regisseur, den wir nur den kubanischen Woody Allen nennen! Ich freue mich sehr darauf, denn eine gradlinige Komödie ist eigentlich Neuland für mich und eine große Herausforderung. Im Juni geht's los.

- Noch eine kleine Frage zu einem amerikanischen Fernsehfilm, der in Deutschland auf Video rauskam: Was spieltest du in Simon Langtons CASANOVA?

Nicht das, was ich spielen sollte! Ursprünglich war ich ein Bischof, der im Kasino sitzt und das Geld segnet, das er verliert! Den Amerikanern war das aber zu blasphemisch, weswegen sie in der Synchro aus dem Bischof kurzerhand irgendeinen Militär gemacht haben, der jetzt verblüffend wie ein Bischof aussieht...

- Woher, meinst du, rührt das niedrige Ansehen, das die spanische Filmindustrie international besitzt?

Ich glaube nicht, daß es so etwas wie eine spanische Filmindustrie überhaupt gibt! Zur Zeit ist es sehr schwer, Geld für Filme aufzutreiben. Einige wenige, wie Pedro Almodóvar, haben es geschafft, gute Filme ohne große Hilfe von anderswo zu machen. Ich glaube, daß man insgesamt neidisch auf seinen Erfolg ist. Das Geld geht für gewöhnlich an große Filme, was wohl kaum der richtige Weg ist, eine Industrie anzukurbeln, wenn man die unbekannteren Filmemacher verhungern läßt. Kino ist ein Geschäft. Man macht etwa leichte Komödien der Art "Junge-trifft-Mädchen, Junge-hat-erste-Sexbeziehung-mit-Mädchen, klappt-nicht-ganz usw." Alles ist auf solchen seichten Geschichten aufgebaut. Einige von diesen Produktionen sind ganz gut. Eine hat gerade einen Oscar gewonnen. Ob das was mit der Qualität des Filmes zu tun hat, kann ich nicht sagen, ich weiß nicht, wie so was läuft... Na ja, ich war natürlich in jedem Fall froh, daß Spanien gewonnen hat, klar. Für den Regisseur hat es mich gefreut.
Ein gewisser kleiner Anteil an den Einnahmen wandert aber an ganz junge Regisseure, die ihren ersten Film machen wollen, das ist immerhin etwas. Aber eine Industrie - ich weiß nicht...

- Wolltest du jemals einen Film inszenieren?

Aber ja. Im Moment wäre sicherlich niemand wagemutig genug, sein Geld hineinzustecken. Vielleicht gewinne ich irgendwann in der Lotterie, dann sehen wir weiter! Inoffiziell habe ich schon an einigen Filmen bei der Regie ausgeholfen. Bei Javier Elorrietas BLOOD AND SAND habe ich den Dialogtrainer für die spanischen Schauspieler gemacht, das hatte auch sehr viel von einem Regisseur.

- Was reizt dich am meisten an deinem Beruf?

Vielleicht klingt das schizophren, aber es ist ungemein faszinierend, in die Haut von jemand anders zu schlüpfen! Oder besser gesagt, wir nehmen fremde Charaktere und gleichen sie unserer eigenen Persönlichkeit an... Das einzige Mal, daß ich wirklich außer mir war, im Wortsinne, war bei dieser Geschichte bei dem Esteban-Film. Es gab mal eine Zeit, wo ich mir richtig die Mühe gemacht habe und Biographien der Charaktere verfaßt habe, die ich spielen sollte. Irgendwann aber besitzt man einfach genügend Professionalität, um das nicht mehr machen zu müssen. Ich beobachte alles und jeden, das funktioniert ganz automatisch. Ich benutze sehr viele Dinge, die mir an anderen Leuten auffallen - wie sie gehen, wie sie essen, wie sie sich bewegen, solche Sachen. Der interessanteste und herausforderndste Aspekt am Schauspielberuf ist sicherlich die Glaubhaftigkeit der Darstellung. Daß man selber an das Spiel glaubt und hofft, daß die Zuschauer es auch tun. Der Ruhm war niemals der Hauptanreiz für mich. Sehr nett ist natürlich, daß man überall hinkommt, nach Marokko, Griechenland, in die Türkei...
Intellektuell gesehen ist es sicherlich auch eine Herausforderung. Alles, was man lernen kann, was man irgendwo aufschnappt, kann von Nutzen sein. Vielleicht hat es auch tief drinnen einen leicht schizophrenen Touch, wer weiß. Aber...seit unsere Vorfahren in den Höhlen gewohnt haben, haben die Menschen großen Spaß daran. Viel zu wichtig nehmen sollte man es jedenfalls nicht. Es ist billiger, als zum Psychologen zu gehen. Und es macht sicherlich mehr Spaß!

- Danke für das Interview, Jack!


Das Interview erschien erstmals in der "Splatting Image" Nr. 24 vom Dezember 1995. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das Interview führte, aber es war nicht allzu lange nach dem OBSESSION-Buch, und mit Sicherheit einige Zeit vor Jacks ausgedehnter Nebenrolle in Roman Polanskis THE NINTH GATE!

BACK