Mein Büchle über die Exzesse des amerikanischen Hardcore-Kinos der siebziger Jahre (DIE LÄUFIGE LEINWAND) wird gerade gelayoutet. Ich habe darin versucht, die Wege nachzuvollziehen, die ein Filmgenre, das heute fast ausschließlich öde oder abstoßende Sachen hervorbringt, mal beschritten hat. Die Filmemacher, die diese oftmals kuriosen und abenteuerlustigen Schritte taten, sind nicht selten in Hollywood gelandet oder verfügten über andere professionelle Erfahrung im Filmgeschäft. Der folgende Artikel erschien erstmals in der Splatting Image Nr. 30 (Juni 1997). (Anmerkung: Ich weise darauf hin, daß die folgenden Filme schon seit vielen Jahren nicht mehr in der BRD erhältlich sind. Der Text ist somit nicht als Werbung mißzuverstehen, sondern erfolgt zum Zwecke der Dokumentation. Ich weise ferner darauf hin, daß der Import solcher Filme - obwohl die folgenden Produkte harmloser sind als alles, was man in der Regenmantelträgerecke jeder Videothek findet - untersagt ist und am Zoll zu beachtlichen Schwierigkeiten führen kann.)

Was dem einen sein Piepmatz, ist dem anderen seine Nachtigall. Ornithologen sind wir alle, und wer diese grundlegende Wahrheit mit in die humanistische Wiege gelegt bekommen hat, der wird mir verzeihen, wenn ich hier den italienischen Reigen für zwei Ausgaben unterbreche, um einige der gelungeneren Beispiele amerikanischer Spargelzüchterkunst mit der Butter meiner Aufmerksamkeit zu begießen. Zu besonderem Dank verpflichtet bin ich auch hier dem ehrenwerten Virginesen Sam Stetson, dem sogar eine Bronzeplakette im Kinsey-Institut errichtet wurde. Viele der hier unterbreiteten Einzelheiten sind mir nicht durch der Feen Mund zuteil geworden, sondern durch den schier unerschöpflichen Erfahrungsreichtum dieses feinen Geistes. Obwohl es längst vergriffen ist, empfehle ich das Buch ONLY THE BEST, bei dem es sich um das beste Nachschlagewerk zum Thema US-Schmuddelkultur handelt, dessen ich ansichtig geworden bin. Her mit dem Schmutz!

FETTIGES DYNAMIT

Ein ganz obskures Teil ist der bei uns auf "Silwa" erschienene DYNAMITE (1971) der illustren Amero Brothers aus New York. John und Lem haben schon in den Sechzigern zahlreiche vollsaftige Leinwandwerke abgekurbelt, die leider nur schwer aufzutreiben sind. Um so freudiger die Aufwallung beim Betrachten dieses gerade mal knapp 60 Minuten andauernden Spektakels, das in der deutschen Fassung von einem ca. 15 Minuten dauernden (gar nicht mal schlechten) Rückblick auf die frühen Jahre des Sexkinos eingeführt wird. Das Herstellungsjahr des Filmes ist kaum eruierbar, aber in Anbetracht der Darsteller und des allgemeinen Ambientes vermute ich, daß der Film nicht viel später als 1971 entstanden sein kann.
Die Handlung ist absolut rudimentär und belustigend: Ein junger rotbeschopfter Hippie weiblichen Geschlechts wird mit einem Musterkoffer betraut und soll Sexspielzeug verkaufen. Darauf folgen natürlich zahlreiche praktische Vorführungen der Anwendungsmöglichkeiten. Die Hauptdarstellerin gerät allerdings auch noch in einige vollkommen abgefahrene Situationen. Etwa im Falle des Kinobesitzers, der sie dazu überredet, ihm nackt durch unterirdische Korridore zu folgen (!). Die Odyssee endet in einem Pornokino, wo der gerade zu sehende Film unterbrochen wird. Der Mann meint dann etwas wie: "Jetzt kommt das, worauf ihr lange gewartet habt!" und fängt an, die süße Maid auf der Bühne zu poppen. Von rechts hüpft auf einmal ein patriotisch gedreßtes Stepptänzerpaar herbei und positioniert sich neben dem Koitus, ständig steppend, grinsend und "Victory"-Zeichen machend! Das waren noch Zeiten, wo solche Filme gemacht werden konnten...
Der Film macht auch ansonsten total Spaß und führt in einer Szene vor, wie jung Jamie Gillis mal ausgesehen hat. Außerdem gibt es einen schier unglaublichen Analakt zu bewundern, vorgeführt von Dolly Sharp, Lindas Freundin aus DEEP THROAT. Nur, um Euch zu demonstrieren, wie klein die Welt manchmal sein kann: Sam erhielt eines Tages einen unerwarteten Telefonanruf - am Apparat: Dollys Ex-Ehemann, und der verriet ihm, daß sie früher eine klassisch ausgebildete Tänzerin und Violinistin war! Noch unglaublicher: Ich habe sie mittlerweile in einem alten Stanley-Donen-Musical gesehen, wo sie eine der Hauptrollen spielt, neben Debbie Reynolds! Unfaßbar!! Die Frau war supertalentiert! Na ja, auch ihre Rolle in DYNAMITE beweist Körperbewußtsein und erstaunliche Dehnbarkeit... Aber solche Stories bringen mich echt völlig aus dem Konzept - Wahnsinn! Die Welt ist ein Jahrmarkt. Die junge Hauptdarstellerin kenne ich leider nicht, glaube aber, sie einmal in einem der Kurzfilme gesehen zu haben, aus denen sich LINDA LOVELACE MEETS MISS JONES (dt: HOLLYWOOD) zusammensetzt. In DYNAMITE glänzt sie auf jeden Fall durch ansteckenden Freigeist. ("Ansteckend" ist gut, lach,lach!) Bruder Lem ist leider mittlerweile selig geworden. Dolly soll jetzt Kellnerin sein. Und ich schreibe diesen Artikel. Wärmstens empfohlen!

JESUS CHRIST PORNOSTAR

Aus dem Lager des ambitionierten Underground-Kinos kommt der mittlerweile leider verstorbene Sam Weston, der seit den frühen Siebzigern Hartes drehte, meist unter dem Pseudonym "Anthony Spinelli". Wenn man in seinen (meist außergewöhnlich gut gemachten und sehr heißen) Filmen des öfteren einen rundlichen Mann fröhlichen Gemüts auftauchen sieht, so ist das wahrscheinlich er selbst! Sein erster HC-Film war der 1971 entstandene Aufklärungsfilm TOUCH ME mit Softcore-Star René Bond (die immer noch lebt, aber leider partout kein Interview geben möchte!). Etwas später drehte Sam unter dem weiblichen Pseudo "Sybil Kidd" einen Film, der dermaßen viel Staub aufwirbeln sollte, daß er bis zum heutigen Tag noch nicht einmal in den Staaten auf Video rausgekommen ist und dies vermutlich auch nicht mehr passieren wird. Denn hier taucht der Erlöser höchstpersönlich auf und lächelt wohlgefällig auf die fröhlichen Schäfchen! Schluck! Tja, hier klappert freilich einiges, nicht nur die Scheren des Zensors! Wie schön, daß ich AN ACT OF CONFESSION (1972) trotzdem gesehen habe und Euch so davon berichten kann...
"Die ganze Menschheitsgeschichte hindurch hat man die heilige Kirche angegriffen, verleumdet und parodiert. Und doch hat sie seit 2000 Jahren standgehalten...Die hier gezeigten Ereignisse sind sicherlich fiktiv, besitzen jedoch historische Vorbilder in den Arbeiten von Voltaire, Dante, Boccaccio und anderen." Solchermaßen sensibilisiert für die hehren Absichten des Filmes (untermalt wird die Einleitung von einigen der bekannteren Vertreter der Renaissancemalerei), wird der Zuschauer mit einer süßen Novizin bekanntgemacht, die in der Rahmenhandlung die Blümchen und Gräser des Klostergartens ordnet und sortiert und gelegentlich keck in die Kamera grient. Der Löwenanteil des Filmes gehört aber nicht den Gärtnerfreuden, sondern der Menschen Hörigkeit zu ihrer Libido: In Fantasie 1 gerät die Knuspernonne mit einer gleichfalls sapphisch gesinnten Schwester aneinander. Die Szene beweist, daß auch Nonnen schmutzige Füße haben. Fantasie 2 zeigt uns eine sehr eigenwillige Form der Kommunion, bei der Pastor Keith Erickson der Marsch geblasen wird. Auffällig hierbei der deformierte Penis des frühen Westcoast-Mimen, dem eine Warze anhaftet, die das gute Stück aussehen läßt wie ein "Alien"-Tentakel. Fantasie 3 läßt Erickson während der Beichte seinen Rosenkranz kneten, während ihm ein flotter Dreier zu klassischer Musik durch die Sinne geistert, die immerhin eine Abwechslung zu dem sonst vorherrschenden Mönchsgesang darstellt. Die letzte Kirchenspaltung findet statt in reichlich kontroverser Manier: Die Nonne ist an ein Kreuz gebunden (es ist schon ein solches!) und scheint fest zu schlafen, während über ihr missioniert wird, daß der Holzwurm quietscht! Szenenwechsel zur Nonne des Eingangs, die erneut dem Wiesenknöterich zuleiberückt. Wer kommt da übers Wasser geschwebt? Wer hat die Arme segenspendend erhoben? Der Herr Inri höchstpersönlich! Mir wäre fast die Kinnlade runtergeklappt, als ich das zum ersten Mal sehen durfte. Vor dem Heiland knieend, empfängt die Nonne den Segen, der aus einem breiten Grinsen besteht. Sam S., der diesen Film eigenhändig von einer Kinokette erworben hat und somit der Vergessenheit entrissen, vermutet, daß der Segen möglicherweise noch ganz anders ausgesehen haben mag, nämlich in einer praktischen Lektion mündlicher Überlieferung. Aber das ist ungewiß. Gewiß ist, daß der Film putzigerweise direkte Blasphemie vermeidet (mal von der Kreuzszene abgesehen, die schon etwas heikel ist), aber trotzdem jedem fromm gesinnten Menschen die Hostie zornesrot erglimmen wird bei solchermaßen geleisteter Menschenliebe. Ansonsten gibt es nicht eben viele Beispiele klösterlichen Bettgerangels, weswegen der Film einfach erwähnt werden muß! Die Zaubernonnenfrau scheint ein "One-Shot-Wonder" gewesen zu sein und ward nie wieder gesehen. Nonne 2 wird von Cyndee Summers gemimt, die bis in die späten Achtziger dem Genre treu blieb. Einer ihrer Filme trägt den Titel DESPERATE WOMEN. Hmmh.
Thematisch eng verwandt mit AN ACT OF CONFESSION ist der wahrlich bizarre CONFESSIONS OF A TEENAGE PEANUT BUTTER FREAK (1973), in dem es um einen unglücklichen Einzelkämpfer der Liebe geht, dessen Geschick nachhaltig geprägt worden ist von einem traumatischen Erlebnis: Auf seiner häuslichen Bettstatt liegend und sich den Verzückungen einer zünftigen Selbstbefleckung widmend, wird er in flagranti ertappt von seiner Tante Opal. (Könnte das eine Anspielung auf Frank Zappa sein? "Opal, you hot little bitch - take this pen and hang it in your ass! You ain't the devil! Where's my waitress?") Leider wählt sich die Tante einen denkbar ungünstigen Moment aus und bekommt die volle Ladung Pubertätsgrütze mitten in die überschminkte Visage. Schreiend das Zimmer verlassend, läßt sie einen paralysiert wirkenden jungen Mann zurück mit einem Erdnußbutterbrot auf dem Penis. Dieser Moment ist einer der großen Wendepunkte der Filmgeschichte, ebenso wie der Gesichtsausdruck des Buben klarmacht, daß das Leben für ihn nie wieder dasselbe sein wird.
Regisseur Gerald Graystone war ein Mann, der zu den fleißigsten "Loop"-Filmern der frühen 70er gehörte und in dem interessanten feministischen Dokumentarfilm KAMIKAZE HEARTS bei der Arbeit beobachtet werden kann. Ich vermutete einst, daß er identisch sein könnte mit dem Hauptdarsteller, der unter dem Namen "Zachary Youngblood" (immerhin sein richtiger Vorname) für das Skript verantwortlich zeichnete und später im folgenden Jahrzehnt einige Pornos inszeniert hat. Dies ist sein einziger mir bekannter Auftritt, und das ist ein Jammer, denn er ist göttlich! Mit welcher Tapsigkeit er von einer unhaltbaren Situation in die nächste stolpert, ist ein vollkommenes Muß für Freunde psychologischer Fallstricke. Seine Gesprächspartnerin ist Mary (häufig auch Helen) Madigan, die zwar ein leichtes Zahnproblem hat, aber die absolute Inkarnation des scharfen Hippiemädchens darstellt; sanfter Hanfrauch umkräuselt ihr Antlitz auf Schritt und Tritt. Nach einer weiteren Katastrophenepisode Zacharys erzählt sie ihm ein eigenes Mißgeschick mit der Verwandtschaft (wobei der Begriff "Mißgeschick" hier wirklich Ansichtssache ist). Dann kommt eine Episode mit einem unglaublich jungen John Holmes, der versucht, Zach mit einer Schachbesessenen zusammenzubringen, aber auch das geht voll ins Gebälk. (Unglaublich, aber wahr: Holmes spielt hier sogar sehr lustig; ist Schauspielerei doch sonst eher nicht sein schönstes Gewand...) Schließlich verführt Mary den schüchternen Buben, der sich freilich erst noch ein paar Brote schmiert ("Du kannst die Dose ruhig mitnehmen!") Dann wird alles gut. Ein filmisch nicht sehr bedeutendes Produkt mit vielen guten Gags, einem wunderbaren Hauptdarsteller, vielen typisch heißen Frisco-Darstellern und einem sonnigen Gemüt. Viel Spaß!

KETZERS SCHLAFMÜTZE

Joe Sarno war einst einer der besten Regisseure sanfter Sexploitation, und während seine späteren Filme des öfteren mit harten Inserts in die Kinos kamen, so war es doch sein Schüler, Erik Andersson, der im Hardcore-Genre Beachtliches schuf.
Dessen meines Erachtens bester Porno ist SLEEPYHEAD (1973), der sich wie seine anderen Filme nahtlos an die unzähligen Soft-Produktionen, die Sarno in den 50ern und 60ern gemacht hat, anfügt, sind sie doch ebenso sorgfältig gemacht und darum bemüht, eine interessante Geschichte mit interessanten Charakteren zu erzählen. (Andere besonders gelungene HC-Filme Anderssons sind THE TROUBLE WITH YOUNG STUFF und SLIPPERY WHEN WET.) In SLEEPYHEAD erzählt Andersson eine fesselnde Geschichte von religiös unterdrückten Menschen und ihren sexuellen Problemen und Obsessionen.
Bernice schreibt für eine Zeitschrift. Zwar ist sie damit durchaus erfolgreich, fühlt sich aber im Innersten zutiefst unausgefüllt. Einer der Gründe für ihr tristes Dasein ist ihre Herkunft: Als Tochter einer religiös fanatischen Mutter ist ihr die Verdammung von Fleischlichkeiten unter die Haut gegangen. Zwar geht sie nicht mit Bibellatein hausieren wie ihre komplett verklemmte Schwester Tracey (die ihr gleich in einer anfänglichen Traumsequenz verrät: "Du bist simpel, Bernie. Das bist du immer gewesen. Schon Mama hat das gesagt. Also bete, sonst wird deine Seele in der Hölle brennen!"), aber das Ausleben ihrer sexuellen Bedürfnisse ist ihr unmöglich.
Man soll häufig spazierengehen. Denn dann trifft man vielleicht im Wald romantische Gitarrenspieler. Bernice hat dieses Glück, und ihr Prince Charming läßt sich auch von ihrer Schüchternheit nicht aus der Ruhe bringen. Gemeinsam verlebt man Stunden glücklicher Zweisamkeit. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht Schwester Tracey (Early-Seventies-Sexstar Tina Russell, mit einem wahrhaft furchterregenden Mittelscheitel und Oma-Zopf) just zu diesem Zeitpunkt reinrauschen würde wie der böhmische Blätterwald. Und außerdem zeigt sich noch Bernies - um es mal ganz freundlich auszudrücken - wenig sittenstreng gesinnte Ex-Geliebte Nancy, die auf beiden Seiten des Flusses fischt und dabei eine Menge Spaß hat. Da Schwesterchens Bibelsprüche allen herzhaft auf den Bregen gehen, entschließt man sich dazu, sie in die Freuden der Liebe einzuführen. Dies gelingt dann auch - zu gut leider für Bernie, denn ihre Schwester entschwindet mit der heißen Nancy, für die Bernie immer noch Gefühle hegte. Das Leben ist halt ungerecht, manchmal.
Wie auch in Anderssons anderen Exkursionen in den Ferkelsektor zeichnet sich SLEEPYHEAD dadurch aus, daß er die handelnden Personen ernstnimmt und ihnen plausible Entwicklungen zugesteht. Der Film fällt auch dadurch aus dem Rahmen, daß die meisten Sexszenen sehr minutiös und glaubhaft dargestellt werden - kein störendes Zuviel an ablenkenden Nahaufnahmen, kein absurdes Gestöhne. Man sollte sich diesen Film nicht mit einer Röhrenjeans anschauen, da dies späterem Kindersegen abträglich sein könnte. Die Feuerwehr kommt und spritzt alles naß! Dies ist einer der wenigen Pornofilme, bei dem ich es für möglich halten würde, daß ihn auch Frauen erotisch finden könnten, denn die erotische Spannung erwächst eben aus einer glaubhaft entwickelten Geschichte heraus, nicht aus Rammelszenen, deren Logik bestenfalls Stammtischcharakter besitzt. Ein zusätzliches Plus natürlich die Schauspieler, darunter die großartige Georgina Spelvin (die am Ende des Filmes eine ihrer vielen Heulszenen hat; eine der wenigen Aktricen im Genre, die solch eine Tat glaubhaft abliefern konnten). Tina Russell starb leider Ende der 70er an Krebs, bringt hier aber ihren Ehemann Jason mit, der wie eine Mischung aus Buchhalter und Charles Manson ausschaut und von Georginas Agentin Darby Lloyd Rains in die fröhlichen Vorgänge integriert wird. Nancy wird gemimt von Judith Hamilton, die mit Georgina in einigen anderen Filmen (z.B. MISS JONES) zusammenarbeitete und deren Augen dermaßen lüstern leuchten, daß man Angst um ihre Partner haben muß...
Alles in allem ein brillanter Film, der jenseits seiner erotischen Qualitäten auch noch prima zu unterhalten vermag. Es wäre denkbar, daß einem nach Betrachten des Filmes die Pforten zum Paradies für immer verschlossen bleiben, aber wenn man schon am harten Pausenbrot der Ewigkeit knabbern muß, dann tut man das doch besser in guter Gesellschaft, und harfespielende Männer mit blonden Lockenperücken sollen ja fiese Partykiller sein... Also - ab dafür! Leider nicht auf deutsch erschienen. (Ätschbätsch!)

AM ENDE DES REGENBOGENS

Bei wenigen Hardcore-Filmen nervt es mich, daß ich nicht weiß, wer hinter einem bestimmten Pseudonym steckt. Eine dieser seltenen Ausnahmen ist "Duddy Kane" und sein durchaus künstlerisch ambitionierter WET RAINBOW (HAUS DER LÜSTE) von 1973. Der Film ist ausgesprochen repräsentativ für die stets mehr zum Experiment neigenden Ostküstenfilme, die sich gerne ernstnahmen, auch wenn dies nicht immer vom Resultat gelohnt wurde. WET RAINBOW ist eines jener Exemplare, in denen eine seriöse dramatische Handlung erzählt wird, die sich in puncto Qualität nicht hinter Hollywood'schen Großproduktionen verstecken muß.
Die Geschichte dreht sich um ein intellektuelles Pärchen, gespielt von Harry Reems und Georgina Spelvin, die mit den Neurosen des Alltages zu kämpfen haben. Georgina ist eine Malerin und bewohnt eine jener haarsträubenden Greenwich-Village-Wohnungen, die einem mit ihrer spärlichen, aber modernistischen Einrichtung zuzuschreien scheinen: "Hier wohnt ein Künstler!" Das Glück, das weiß jeder mit einem Funken Menschenverstand, kann hier nicht zuhause sein. Harry ist übrigens Fotograf und doziert an der Uni. Eine seiner Schülerinnen, die provokante Rainbow, geht ihm unter die Haut, auch wenn er es sich selbst nicht ganz zugeben mag. Auch Georgina, der ständigen Gereiztheiten ihres Mannes müde, stellt fest, daß das Bild, an dem sie nun schon seit längerem arbeitet, jetzt ein Gesicht bekommt: Rainbow. Eine Seite an sich erkennend, die sie noch nicht vermutet hat, läßt sie sich von dem fransenhaarigen Hippiegirl verführen. Nach einem kurzen Aufwallen moralischen Schluckaufs einigt man sich auf einen flotten Dreier, der das Paar wieder zusammenführt. Rainbow, die trotz ihres forschen Auftretens jetzt nur mehr wie das Instrument erscheint, das die morsche Ehe gekittet hat, hat ihre Schuldigkeit getan und kann gehen. Mit ihr verblaßt das Bild an der Wand.
Für gewöhnlich fällt es bei Storypornos schwer, dramatische Szenen ernstzunehmen. Wenn man freilich zwei gute Leute wie Georgina und Harry an der Angel hat, hat man schon mal eine Sorge weniger. Wenn dann aber auch noch ein gut strukturiertes Drehbuch vorliegt, in dem sich Leute wirklich Gedanken um solche Dinge wie Charakterentwicklung machen, dann kennt das Erstaunen kaum Grenzen. Dies ist die Sorte von Pornofilm, die heute einfach nicht mehr gemacht wird, da sich scheinbar keiner mehr dafür interessiert. Die Zeiten haben sich halt geändert. Schade drum. Der Film hat einige exzellente Einfälle, etwa eine Leone-artige Alptraumsequenz, die wie ein Workshop für "method acting" anmutet. Die Darsteller überzeugen meistenteils auf dem dramatischen Sektor (Georgina hat eine exzellente Szene, in der sie die schöne Rainbow erst niedermachen will, dann aber von ihrer Anmut wie ein Baum gefällt wird), wie auch die erotischen Szenen - mirabile dictu! - wirklich genau das sind, nämlich erotisch! Der abschließende Dreier ist ein totaler Heuler, ebenso wie eine zärtliche Zusammenkunft, die dann zu einem Anale Grande auswächst (begleitet von einem wilden Psycho-Synthie), zu den wenigen tollen Szenen ihrer Art gehört. Sogar die lesbische Szene ist alles andere als das heute gängige Mopsgeknete, bei dem nun wirklich keine Frau mehr hinschauen mag. Schauspielerin Valerie Marron (Rainbow) ist darstellerisch nicht ganz so überzeugend, macht eventuelle Mängel aber mehr als wett durch strammen Erotizismus. Einen kurzen Gastauftritt haben Mary Stuart und Alan Marlowe, die beide in einigen erstklassigen Radley-Metzger-Filmen mitgespielt haben und hier verzweifelt versuchen, einen Koitus in sitzender Stellung hinzukriegen, während Rainbow sie erbarmungslos zulabert - ihre Gesichter sind Gesichter des Todes. Mary hat übrigens auch in einer hübschen Pornoversion von Dickens'"Weihnachtsgeschichte" mitgespielt, THE PASSIONS OF CAROL, wo sie das passendere Pseudonym "Merrie Holiday" benutzte...
Der Film hat auch einige geheime Stars, etwa in der Szene, in der Georgina nach einem Familienstreit verwirrt über die Hauptstraße schlendert und fast von Charles Manson mit einem Fahrrad überfahren wird! (Der Soundtrack liefert hier einen Song, der etwas an die frühen "Chicago" erinnert: "There is a hollowness that haunts me...") Super! Auch sehr schön der Moment, in der Rainbow herumspaziert und einen Typen abklatscht, der faul in der Gegend herumsteht. Der Typ blickt ihr enigmatisch nach, schraubt sein Profil in den Vordergrund des Bildes und säuft aus der Flasche ein Getränk namens "Yoo-Hoo". Der könnte sofort bei "Crippled Dick" anfangen, jede Wette! Der gibt Gas bis ins neue Jahrtausend! Der Originalsoundtrack ist im übrigen durchgehend ein Kracher. Die Apfelsinen-Symbolik des Filmes gibt mir noch heute zu denken.
Am Ende dieses Regenbogens steht keine Regentonne, sondern ein Topf voller Geschmeide! Die deutsche Fassung verwandelt die Anfangsverschmelzung des Pärchens aus vermutlich künstlerischen Gründen in eine Softszene, ist aber sonst komplett. Ansehen!
Erwähnt sei auch noch der bei "Beate Uhse" herausgekommene DESIRES WITHIN YOUNG GIRLS (1976), der eine der besten Rollen der von mir interviewten Dame enthält. Georgina spielt Madeleine, die gewiefte Frau eines reichen Texaners, der gleich in der Anfangsszene von ihr zuschanden geritten wird. Maddy hat plötzlich eine ganze Menge Geld am Hacken, allerdings auch zwei junge Stiefkinder, die bislang in der "Ballantine Boarding School" gut untergebracht waren und die sie baldmöglichst weiterzuverheiraten gedenkt. Die beiden Girls sind Annette Haven und Clair Dia, trotz ihres bizarren Internatsgewandes scharf bis unter die Halskrause. Leider erweisen sich ihre Männer stets als heiratsunbrauchbares Material, bis dann das gute Ende ihnen doch die geeigneten Eier ins Nest legt...
Der Film ist eine typische Harold-Lime-Produktion: sauber gemacht, nicht am falschen Ende gespart, namhafte Darsteller, und vor allem guter Humor, der durchweg sympathisch ist. (Wie das in der deutschen Fassung aussieht, deren Name mir - oh Graus! - leider entfallen ist, kann ich nicht sagen. Die "Uhse"-Synchros machen leider häufig kurzen Prozeß mit Subtilitäten. Geschnitten sind die Teile leider auch meist. Was etwa mit Robert McCallums hervorragendem V, THE HOT ONE alias DIE EROTISCHEN ABENTEUER VON ANNETTE HAVEN angestellt worden ist, verdient eine Rüge.) Georgina jedenfalls glänzt in ihrem Part, der ihr sichtbar Spaß gemacht hat. Annette Haven bestätigt einmal mehr ihren Ruf als sch”nste Frau der amerikanischen Pornoindustrie; der Film ist Fans von ihr unbedingt ans Herz zu legen. Und Clair Dia, die in relativ wenigen Filmen mitgespielt hat, war Georginas Partnerin in wenigstens zwei anderen Werken: THE JOURNEY OF O (dt: DIE SEX-REISE DER O), dessen Titel aussagekräftig genug ist; und Bob McCallums 3 A.M., eine der besten Seifenopern im Pornobereich. Ihr richtiger Name ist Emily, sie ist mittlerweile im Hafen der Ehe gelandet und mit einem gewissen Südstaatler in meinem Bekanntenkreis befreundet. Sollte sich die vage herumspukende Idee eines Buchprojektes realisieren lassen (zeitlich wie finanziell), dann werde ich die junge Dame in ihrem Familienfrieden stören, das ist mal sicher.

AMERICAN GRAFFICKI

Zu den hehren Klängen von Marschkönig Sousas "Washington Post" und "Pomp and Circumstance" (von Cat Stevens, glaube ich) paart sich ein Pärchen (was soll es auch sonst machen?) in der leeren Schulaula. Den beiden jungen Leuten geht es den Umständen entsprechend gut.
Der "Teenie"-Film ist ein Genre, das sich in den Vereinigten Staaten von Amerikanien immer eines gewissen Zuschauerinteresses erfreuen durfte, was auch nur logisch ist, da dort wie überall die hoffnungsvolle Jugend den Hauptzuschaueranteil darstellt. Den Startschuß für diese effiziente Ausbeutung einer brachliegenden, pickelcremeverschmierten Mehrheit gab einst George Lucas' AMERICAN GRAFFITI mit seiner episodesken Beschwörung einer glücklichen Jugend im Schatten solch dringender Probleme wie Defloration oder Bierbeschaffung. (Das soll nicht spöttisch klingen; beides kann, im Exzeß empfunden, zum Selbstmord führen!) Natürlich waren auch hier bald die Neider zur Stelle und wollten auch eine Scheibe vom Kuchen haben. Sixties-Musik erscholl (erschall? erschillte?) auf einmal aus jeder Latrine mit Projektor. Nostalgia eroberte aber auch den sündigen Hafen der Pornoschiffer, nur daß die Gesichter der Protagonisten dort nicht nur von Pickelcreme gezeichnet waren...
Das mit Abstand unterhaltsamste (und erste) Elaborat dieses Stils ist Morris Deals HIGH SCHOOL FANTASIES von 1974. Hier haben wir es nicht mit einem übermäßig eleganten Film zu tun. Aber was hier an Begeisterung der Macher in den Film (und die Darsteller) einfloß, überträgt sich ungefiltert auf den Zuschauer und verdient einfach Anerkennung!
Die Story ist, freundlich ausgedrückt, eine lose Zettelwirtschaft und dreht sich um die Bemühungen des Schulnerds Freddy (allgemeine Bezeichnungen für ihn sind "Wimp" und "Geek"), in den Intimbereich seiner Angebeteten Mary Lou vorzustoßen. Diese will allerdings 'nen Cowboy als Mann und nicht einen jungfräulichen Hanswurst. Auch irgendwie nachzuvollziehen. Na ja, wie gut, daß Freddy gelegentlich mit zwei Burschen rumhängt, die ihm ein Aphrodisiakum versprechen, bei dem selbst ihm der große Guß gelingt. Was Freddy jetzt nicht weiß, ist, daß sich die "Spanische Fliege" aus Ingredienzien zusammensetzt, die Doktor Zufall gemischt hat und die seinen Freundinnen wildes Magengrimmen verursachen sollen, sehr zum Amüsement der fiesen Zwei. Was die fiesen Zwei jetzt nicht wissen, ist, daß sie zufällig einen echten Lusttrank gemixt haben, der Freddy endlich in das Land der ungehemmten Zügellosigkeit hinüberbolzt...
Der sehr ausführlich mit Inserts arbeitende Film (die ich als Doktor für vergleichende Insertwissenschaften - mit Schwerpunkt Anatomie, Mathematik und Transpiration - als relativ ungeschickt eingefügt bezeichnen möchte) fährt so ziemlich alle Klischees auf, die man jemals in solchen Filmen gesehen hat: Es gibt eine brutale Lesbe als Turnlehrerin, die den beiden Hobbymixern den Arsch versohlt; es gibt einen latent homosexuellen Macho-Trainer, der ständig versucht, das Männeridyll des Profisports eingehend zu genießen (zu den Klängen von Rachmaninovs "Toteninsel" gibt er Freddy wichtige Ratschläge wie "Frauen müssen hart angefaßt werden!"); das Petting im Autokino (mit großartigem Ausschnitt aus dem "Film" "Blood of the Teen Demon") darf genausowenig fehlen wie der fröhliche Hupf auf der Schulfete. Ja, und da wären wir auch schon beim größten Plus des Filmes: Die ganze Zeit über nudelt im Hintergrund die Musik von "Damon + the Mysterions", samt und sonders bestehend aus musikalisch und textlich nur leicht verschleierten Sixties-Klassikern, für die Produzent (und Regisseur?) Damon Christian bestimmt keine müde Mark gezahlt hat. In späteren Filmen hat Damon (dessen richtiger Vorname der des Schauspielers Burton ist und dessen richtiger Nachname der des Regisseurs von DAS DRECKIGE DUTZEND) leider von einem selbstkomponierten Soundtrack abgesehen. Hier ist der Spaß jedenfalls komplett.
Die Darsteller sind heute größtenteils unbekannt, mit Ausnahme natürlich der Mary-Lou-Interpretin René Bond, die mit ihrer babyspeckigen Knackärschigkeit so manchem Endsechziger-Softcore-Heuler zur Ehre gereicht hat, häufig mit Partner Ric Lutze (spricht sich "Luhts" aus), der hier einen der beiden Mixer spielt. Wer René mal richtig indezent erleben will, der kann das tun in TEENAGE FANTASIES (1972; dt: ebenso), in dem sie demonstriert, wie man lose zusammenhängende Episoden zusammenkleistern kann und was man da so als Kleister benutzt... Bleibt noch zu erwähnen, daß der Film überquillt vor alten Redensarten, etwa "to ride the cotton pony" für der Frauen monatliches Ungemach. HIGH SCHOOL FANTASIES gehört definitiv in das Buch "1001 Beweise dafür, daß Sex DOCH Spaß machen kann"!

VERNSEHEN VERBLÖDET

Die andere Tendenz des Ostküsten-Spermagerangels ging mehr in Richtung skurriler Groteskklamauk, häufig mit entsprechenden Pseudonymen wie "Harold Hindgrind", "Abe Snake" oder "Connie Lingus". Gute Beispiele dieses Stils sind etwa der superlustige IT HAPPENED IN HOLLYWOOD (ES GESCHAH IN HOLLYWOOD) von Peter Locke (Schnitt und Kurzauftritt von Wes Craven!) oder der abgedrehte SLIP UP (dt: ebenso) von "Robert Walters" alias Roberta Findlay.
Wie ein Vorreiter von John Landis' KENTUCKY FRIED MOVIE, auf jeden Fall aber beeinflußt von THE GROOVE TUBE (dt: BIG GÄG MOVIE STATION), ist Chuck Vincents 1975 erschienener BANG BANG, YOU GOT IT! (dt: BANG BANG), eine muntere Aneinanderreihung turbulenter und häufig komischer TV-Episoden. Chuck Vincent hatte zu Beginn des Jahrzehnts einige Softcore-Filme gemacht. Einer seiner ersten HC-Filme war HEAVY LOAD (dt: LOVE EXPRESS) von 1974, den er unter dem Pseudo "Mark Ubell" drehte. Sein vielleicht bester Film ist das lustige Ehedrama JACK'N'JILL. Sein Name (gerade in jüngerer Zeit) steht für ungewöhnlich solide und warmherzig gemachte Pornoware, bei der die Akteure durchweg ihren Spaß gehabt zu haben scheinen. Nach einer Reihe von Filmen, die versuchten, die Grenze zwischen Fernsehfilmen und Hardcore zu verwischen und seifige Opern mit eher nettem Gerangel verbanden, begab er sich dann endgültig zum "echten" Spielfilm. Die Filme sind ordentlich gefertigte Video- oder TV-Ware, mit Ausnahme des exzellenten Psycho-Thrillers DERANGED, mit einer feinen Jane Hamilton ("Veronica Hart") in der Hauptrolle, die einen Yuppie spielt, der den Polanski-EKEL-Effekt kennenlernt... Leider starb Vincent vor einigen Jahren an AIDS. Fast jeder der Leute, die mit ihm zusammengearbeitet haben, spricht nett von ihm.
BANG BANG beginnt mit einer Pre-Credit-Szene, in der eine Darstellerin im Radio vor einem Triebtäter gewarnt wird ("Die Bevölkerung wird gebeten, jede verdächtige männliche Person zu melden, die mit offener Hose und einem langen heißen Rohr umherirrt!"), der auch prompt bei ihr reinschaut. Nach einem eher schalen Scherz - es soll nicht der letzte bleiben! - läuft der Vorspann ab, in dem alle Schauspieler und Crewmitglieder persönlich vorgestellt werden. (Die Namen sind in der deutschen Fassung fast alle falsch!) Chuck selber trägt eine Gorillamaske...
Der Film beginnt mit einem munteren Sketch, in dem Jeff Hurst und C.J.Laing sich am Telefon gegenseitig behecheln. Nach erfolgtem Abschuß stellt sich dann heraus, daß beide sich gar nicht kennen - vorhersehbar, gewissermaßen. Schön aber die Würdelosigkeit des gezeigten Vorganges. Auch eindrucksvoll der Besuch in "Kittys Küche", wo "die brave Susie" "einen gut vorbereiteten, leckeren Schmaus" entstehen läßt: "Handwerk hat goldenen Hoden." (Stöhn!) Dann kommt "Onkel Tails sagenhafte Märchenstunde (direkte Leihgabe von THE GROOVE TUBE), wo Jeff Hurst mit Goldilockperücke und Ballkleid die zauberhafte Geschichte von den 3 Lesben und dem verzauberten Dildo erzählt - "böse, böse Mädchen!" Ein Gnadenoscar für die gemalten Kulissen. Gelungener ist da später die Rotkäppchen-Geschichte, in der C.J. dem "bösen Wolf" Wade Nichols über den Weg läuft, der aussieht wie Hollywoods erfolglosester Loddel, mit Leopardensakko und lila Hut. (Musikuntermalung: "Peter und der Wolf"!) Dann ist da noch Jennifer Jordan, die uns ihre intimsten Fantasien mitteilt, die in einem Satz anonymer Hände und Penisse bestehen. Da gehen einige über die Jordan. Ich habe gut Krach gekriegt mit meinen Nachbarn, weil ich andauernd "Billig! Billig!" geschrien haben soll... Marlene Willoughby führt uns dann alternative Formen des Rauchens vor. In einer recht witzigen Arztsendung klärt uns Dr. Webster (das könnte Chuck Vincent sein!) über neue Möglichkeiten der Brustvergrößerung (durch Blasen) auf, bei der der burschikosen C.J. absurde Dimensionen eröffnet werden. Ihr Blasebalg ist übrigens Michael Gaunt, der eine kleine Rolle in Ruggero Deodatos CONCORDE INFERNO hat. Ein weiterer klassischer Moment wird erreicht durch eine Seifenoper-Parodie, in der Dr. Sherman Schnauzer (Jeff Hurst) eine Patientin von Beklemmungen kuriert. (Über den beiden hängt ein deutsches ANGELS WITH DIRTY FACES-Plakat.) Absoluter Höhepunkt ist aber die "Was-bin-ich?"-Show, bei der das Rateteam darauf kommen muß, daß Annie Sprinkle jeden Mann binnen 30 Sekunden in den siebenten Himmel fellationieren kann. Abgesehen davon, daß ich das nicht bezweifele, geht das hier ganz brutal daneben. Ihre Grimassen bei der Aktion beweisen, daß die Frau entweder in eine Zwangsjacke gehört oder auf den Königsthron - zehn Punkte! Die letzte Kandidatin kann Gegenstände mit der Vagina einsaugen, was sie dann mit dem Team und dem ganzen Film macht. Ende!
Obwohl keiner von Chucks besten Filmen, ist BANG BANG aber durchgehend amüsant und enthält neben viel halbgaren Gekalauers auch einige sehr possierliche Einfälle, die Freude bereiten. Durch die oberzotige deutsche Synchro bekommt das Ganze obendrein noch einen gewissen Sleazecharme. Onkel Max hat nicht recht gehabt mit seiner Aussage, daß gesprochene Pornosprache - anders als geschriebene - nicht komisch wirken könne. Dieser Film belegt es. Die Schauspieler sind nicht alle hübsch, aber im Gegensatz zu heute wirkliche Menschen. Darsteller Wade Nichols, der sogar eine Soap-Opera namens EDGE OF NIGHT bekam (wo er einen Detektiv spielte), teilte später leider Chucks Schicksal. Bei beiden dauert mich das sehr, da sie in ihren jeweiligen Sparten absolute Sympathieträger gewesen sind. Von Wade kommt gleich noch sein bester Film überhaupt. BANG BANG ist sehr repräsentativ für die Gattung schmutzig-lustiger Klamaukpornos, die damals gedreht wurde und die selten mal erotisch waren, aber heute durch ihre skurrilen Einfälle und den offensichtlichen Spaß, den die Darsteller gehabt haben, super unterhalten.
Damit wir genügend Illustrationsmaterial haben, schmuggele ich auch mal Chucks früheren Film HEAVY LOAD rein, der bei uns unter dem Titel LOVE EXPRESS herausgekommen ist und aus dem Jahre 1973 stammt. Jeffrey Hurst spielt hier den virilen Kleinspediteur Gus, der leichte Eheprobleme mit seiner Frau Darby Lloyd Rains hat. Die Gute vermutet nämlich, daß ihr sie seit geraumer Zeit vernachlässigender Gatte nicht nur Möbel runterholt. Wie die folgenden 60 Minuten eindrücklich klarmachen, vermutet sie dies nicht zu Unrecht: Zuerst wird er von der erotischen Fotografin Andrea True verzuppelt. Dann folgen zwei Hippie-Anhalterinnen heißen Geblüts. (Eine davon ist Helen Madigan.) Dann wird er in einem Imbiß erst von einem rabiaten Kunden zusammengestiefelt, nascht dann aber an der Kellnerin. Und schließlich gerät er noch in die Fänge des swingenden Paares Jamie Gillis und Kim Pope, die ihn an einen Stuhl fesseln und ihm eine Szene aus dem Leben von Katharina der Großen vorspielen... Um den Ehefrieden wieder herzustellen, macht Jeffrey seiner brachliegenden Darby ein ebenso sinniges wie feingeistiges Präsent: einen Schwanz im Karton. (Jaul!)
Anzumerken zu diesem netten, von funkiger Musik untermalten Stelldichein früher NYC-Stars ist natürlich, daß Andrea True in den späten Siebzigern einen echten Disco-Hit landetete, "More, More, More". Unter dem Namen "Ward Summers" (=Produzent und Ko-Autor) verbirgt sich derselbe Mann, der später unter dem Namen "Cecil Howard" zahlreiche überdurchschnittliche Filme inszenierte. (Sein echter Vorname ist Howard.) Mal sehen, ob die strammen Lay-Out-Miezen mit ihren ständig nassen, vor heißer Geilheit vibrierenden Lustfingern DAS Foto auswählen, wo Jeff Hurst gerade für Andrea posiert; das ist nämlich ziemlich drollig...

PUT ON SE STRAFMASK!

Sämtliche Filme Radley Metzgers sind für Freunde erotischer Filmkost ein absolutes Muß, zumal dieser Regisseur es wie kein anderer verstanden hat, erotische Spannung und optische Schauwerte miteinander zu verbinden. Seine Filme, ob soft oder hard, sind alle ihre Stories vollkommen ernstnehmende, aufregende Produkte von hohen erzählerischen Gnaden. Unter seinen früheren Produktionen ragen THERESE AND ISABELLE, CAMILLE 2000 und THE LICKERISH QUARTET hervor, die alle in mondänen bis gutbürgerlichen Kreisen spielen und Sex als ein zu erlernendes Abenteuer schildern. In seinem Film SCORE (1972) gab es zum ersten Mal eine (homosexuelle) Hardcoresequenz (die aber in den meisten Fassungen fehlt). 1973 gab er dem Affen Zucker in THE PUNISHMENT OF ANNE, dem vielleicht besten Erotikfilm mit Hardcoreszenen überhaupt.
Bei einer literarischen Soirée in Paris lernt der mäßig erfolgreiche Autor Jean die wunderschöne Anne kennen, die auf rätselhafte Weise mit Jeans dominaartiger Bekannten Claire verbunden scheint. ("Nur ein junges Mannequin; sie gehört mir.") Von der devoten Ausstrahlung Annes fasziniert, beginnt Jean, Interesse für die junge Frau zu entwickeln. Ein Besuch in den Rosengärten von Bagatelle dient Claire zu einer demütigenden Vorführung, bei der sie Anne befiehlt, auf eine Rose zu urinieren. Als Jean Anne auf dem Flohmarkt begegnet, reagiert sie mit barscher Ablehnung. Von ihrer "Herrin" gezwungen, dem Autoren zu Willen zu sein, unterwirft sich Anne einem Ritual, aus dem sie schließlich als einzige (scheinbar gereift) schadlos hervorgeht.
Die Darstellung von Sexualität als einem rituellen Akt, dem sich die Beteiligten (ob dominant oder rezessiv) bereitwillig unterwerfen, erinnert in ihrer kunstvollen Konstruiertheit an die Erzählungen André Pieyre de Mandiargues und ihre filmischen Bearbeitungen von Borowczyk. Tatsächlich stammte die literarische Vorlage zu THE PUNISHMENT OF ANNE, "L' image", vom Kunst-Erotomanen Alain MARIENBAD Robbe-Grillet und seiner Frau, gemeinschaftliches Pseudonym "Jean de Berg". Als wäre der Film an sich nicht schon aufregend genug, weiß auch die Entstehungsgeschichte zu faszinieren: Während der Dreharbeiten erließ das Oberste Gericht Frankreichs ein generelles Produktionsverbot für pornographische Filme. Metzger drehte in der Zwischenzeit woanders seinen ersten reellen Hardcorefilm, THE PRIVATE AFTERNOONS OF PAMELA MANN. Als er die Arbeit an ANNE wieder aufnehmen und den Film fertigstellen konnte (dessen Innenaufnahmen alle in den Staaten entstanden), war L'HISTOIRE D' O ein großer Kassenschlager geworden. Robbe-Grillet meinte, daraufhin ein höheres Salär fordern zu können, was Metzger nach eigenem Bekunden mit einem deutlichen "Fuck you!" ablehnte. Kunst und Hunger gehen halt häufig Hand in Hand...
Das Ergebnis jedenfalls ist ein Film, dessen Handlung auch jenseits des Sexgehaltes von unglaublicher Spannung bestimmt wird, denn man muß das Schicksal der schönen Anne einfach mit durchleiden. Die Schauspielerleistungen sind erstklassig nach jedem Standard und werden optimal ergänzt von der unauffälligen, aber aufregenden Inszenierung, der farbreichen Fotografie und einem ungemein geschickten Schnitt. Der Schluß, die Erziehung in der "Gothic Chamber", ist starker Tobak, steht aber vollkommen innerhalb der Logik des Filmes, die die Sexualität als symbolisches Kriegsspiel interpretiert, aus dem die wenigsten ungeschlagen hervorgehen können. Alles in diesem Film ist unmittelbar nachfühlbar. Der Zuschauer ist mitten im Geschehen, auch wenn er sich beizeiten wünschen mag, daß dies nicht der Fall wäre. Ich stehe normalerweise nicht so sehr auf Sadomaso und Fetischgerangel, aber sowohl "Alternative-Culture"-Fans als auch konservative Erotomanen sollten Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um dieses Meisterwerk irgendwo aufzutreiben. Der Hardcoregehalt ist relativ spärlich, aber eindrücklich. Manche Fassungen sind geschnitten. Hauptdarstellerin Mary Mendum spielte in relativ wenigen Filmen mit (meist als "Rebecca Brooke"), etwa in Max Pècas' großartigem FELICIA. Regieassistent Robert Renzuli machte später in Frankreich seine eigenen (handwerklich ordentlichen) Pornos als "Bob W. Sanders", etwa den heftigen CATHY FILLE SOUMISE (dt: FRENCH ERECTION) mit Brigitte Lahaie. THE PUNISHMENT OF ANNE ist intellektueller S+M der Spitzenklasse, bei dem die Strafmaske ganz breit lächelt.

DER GESPIEGELTE KATER

Und hier ist noch einer von den Regisseuren, die ich trotz intensiver Bemühungen bisher nicht identifizieren konnte: "Jonas Middleton" heißt der Schlingel, und er hat als Regisseur und vorwiegend als Produzent bei einigen Leinwandpoppereien Pate gestanden. Sein mit Sicherheit bestes Werk ist THROUGH THE LOOKING-GLASS (1976), dessen an Lewis Carroll orientierter Titel bereits andeutet, daß es sich hier um mehr als das typische Lust-Spiel handelt...
Und tatsächlich: Der Film erweist sich bei näherer Betrachtung als einer der anspruchsvollsten und elegantesten Pornos überhaupt, der in der amerikanischen Fachpresse zwar gewürdigt, aber meist nicht verstanden worden ist. Wovon handelt der Film denn nun wirklich?
Catharine Burgess ist eine mondäne Dame der oberen Gesellschaft, der von ihrem Papa ein riesengroßes Anwesen vermacht worden ist, in das ich gerne gleich morgen einziehen möchte. Ihr Vater hat ihr auch sonst noch so einiges vermacht, etwa eine riesengroße Vollklatsche. Wenn man nämlich sieht, daß der Vater von Jamie Gillis gespielt wird, ist sofort klar, daß hier sündige Übertretungen des Familienbundes stattgefunden haben, und noch heute träumt die schöne, aber seltsam sterile Catharine ("Sie ist wie einer dieser Roboter zum Aufziehen!" lästert eine "Freundin" am Anfang im Schönheitssalon) von der dominierenden Gestalt ihres toten Vaters, meist in einen strengen Reitdreß gewandet. Ihr Mann - ein selten verständnisloses Rindvieh - kapiert nicht, daß mit seiner Frau etwas nicht stimmt und ist eher verärgert über ihre Ausfälle. Mit zynischer Schärfe und verletzendem Esprit macht er sie vor Fremden klein. Kein Glück im Schoß der Familie, möchte man sagen.
Und der Vater lebt. Er lebt in den Visionen, die Catharine hat, wenn sie vor dem Spiegel steht. Sie wünscht ihn sich herbei, Stück für Stück beschwört sie seinen Geist herauf. Als er schließlich endgültig herübertritt, kommt er zu ihr als wilder Satyr, der sie auf die andere Seite des Spiegels entführt, in eine Wüste, in der sich sexuell Wahnsinnige bis in alle Ewigkeit gegenseitig um den Verstand bumsen. Hier wird die unglückliche Catharine ihre letzten Tage verbringen müssen, und die werden nie zu Ende gehen. Schlimmer noch, deutet sich an, daß auch ihre Tochter Jennifer in ihren Fußstapfen folgen wird. Das Geschenk wird vererbt, von Vater zu Tochter zu Tochter...
Man ahnt, daß es sich hier nicht um einen fröhlichen erotischen Film handelt. Tatsächlich ist es diskutabel, ob überhaupt irgend etwas an diesem Film erotisch ist. Aber THROUGH THE LOOKING-GLASS ist so gut gemacht, daß sich die Vermutung einfach aufdrängt, der anonyme Regisseur müsse auch im Mainstream-Kino gearbeitet haben. Selten habe ich mich so in einen Film dieser Art hineinversetzt wie bei diesem Psycho-Thriller. Die unheimlichen Szenen sind vollkommen überzeugend und gänzlich furchterregend. Gillis ist dermaßen abartig, daß es fast unmöglich erscheint, daß dieser gute Schauspieler privat ein sehr netter Mensch ist. In einer Traumsequenz versinkt er mit steinerner Miene in einem Brunnen. Als Catharine ihm hinterherschaut, greift seine Hand aus dem Wasser und will sie mit hinunterziehen. Catharine Burgess ist bizarrerweise auch der richtige Name der Hauptdarstellerin, die dem Vernehmen nach in den drei Pornos, in denen sie mitgewirkt hat, keine harten Szenen gehabt haben soll. (Sam bezweifelt dies.) Sie spielte auch die Hauptrolle in Al Adamsons LIEBE IM RAUMSCHIFF VENUS. Ich erinnere mich, mal einen weiteren Hardcore-Film mit ihr auf deutsch gesehen zu haben, aber der Titel will mir ums Leben nicht mehr einfallen. Sie ist sehr schön und hat eine Soft-Rolle in Armand Westons erstklassigem Chandler-Marlowe-Porno EXPOSE ME LOVELY. Gärtner Abel wird gespielt von Roger Caine, der unter seinem richtigen Namen Al Levitsky in George Romeros MARTIN mitgespielt hat und dort einen Stock durch den Hals gebohrt bekommt. Kammerzofe Lisa ist Terri Hall aus THE STORY OF JOANNA. Es könnte sein, daß auch das Haus dasselbe ist wie in JOANNA. Der Kameramann ist auf jeden Fall derselbe: Joao Fernandes, jetzt in Hollywood erfolgreich. Auch EXPOSE geht auf seine begabte Kappe.
Wer übrigens die italienische Fassung von Jacques Scandelaris De-Sade-Film LA PHILOSOPHIE DANS LE BOUDOIR kennt, kennt auch ca. 35 Minuten von LOOKING-GLASS, da von Scandelaris Werk nicht mehr viel übrig ist. Scandelari machte später noch den netten Sex-Krimi BRIGADE MONDAINE und diverse Schwulenpornos. Aber das gehört nun wirklich in einen anderen Artikel...
THROUGH THE LOOKING-GLASS - hallo, Meisterwerk!

DER WILDE OSCAR

Bezugnahmen auf literarische Klassiker nehmen im Pornobereich selten ein gutes Ende. Meist dient das Schriftwerk zu nicht viel mehr als einer groben Parodie im Rahmen einschlägigen Gebalges. Sollte der Film die Bezugnahme aber ernst meinen, so geht die Reise meist ab in die Niederungen der absurden Peinlichkeit. Die Regel wird auch auf diesem Sektor gerne bestätigt von Ausnahmen. Eine davon heißt TAKE OFF (1978), und Regisseur Armand Weston vergreift sich mit schwitzenden Händen an Oscar Wildes THE PICTURE OF DORIAN GRAY. Und, oh Wunder, er weiß was damit anzufangen!
Weston ist ein Veteran des Pornogenres. Seit Beginn der 70er dabei, hat er zwar vergleichsweise wenig Material zum Meditieren produziert, aber dieses ist dann auch meist originell und deutlich über dem Hochwasserspiegel. Neben TAKE OFF ist mein persönlicher Favorit das Raymond-Chandler-Attentat EXPOSE ME LOVELY (1976; deutscher Videotitel: SPREADING CHARMS). Anfang der 80er machte er den guten Spukhausfilm THE NESTING und begann dann DAWN OF THE MUMMY (DIE MUMIE DES PHARAO), wo er aber von Produzent Farouk Agrama des Feldes verwiesen wurde.
TAKE OFF ist einer der 20 längsten Pornos, die jemals in den Staaten auf Film gedreht wurden. Mit seinen 103 Minuten hätte er wohl auch den gutwilligsten Kinobesucher (denn, oh ja, damals ging es noch um das Kino, nicht vergessen!) mit der längsten Latte überfordert. Hätte, denn er ist einfach saugut gemacht! Es macht wahnsinnigen Spaß, sich dieses gutgeskriptete, sauber inszenierte Zitateragout zu Gemüte zu führen.
Am Anfang war da eine Swimming-Pool-Party voller krampfhaft geistreich wirkender Hobby-Intellektueller, die zwar geradezu manisch in der Gegend herumbumsen, aber sonst nicht viel zu bieten haben. Die süße Lesllie Bovee (mit Doppel-l!) ist jedenfalls etwas gelangweilt, nachdem ihr der kernige Cowboy Eric Edwards von einer Country-Schnepfe abgeschleppt worden ist. Wie gut, daß der Gastgeber Darrin Blue (gespielt von Wade Nichols) selber genug hat von der Party. Seiner eigenen Aussage nach hatte er "genügend Parties, um ein Leben damit zu füllen", und führt mit ihr davon. Sie erzählt ihm von einem seltsamen "Stag Movie" (=Stummfilmporno), den sie auf seinem Privatgerät verfolgt hat: Ein steinalter Tattergreis bürstet eine reiche Lebedame auf der grünen Au. Wade rückt mit einer unglaublichen Geschichte heraus: Er selbst ist besagter Opapa, denn nach einer Liaison mit einer geheimnisvollen Frau (Georgina Spelvin), die ihr Picknick auf Film festhalten ließ, war es sein Abbild im Film, das an seiner Statt alterte, während ihm selber ewige Jugend und Schönheit beschieden war. ("Sie sind die einzigen Dinge, die zu haben sich lohnt!", wie er vorher mit Tränen in den Augen feststellte; verzweifelt darüber, daß sein Körper verfallen würde. Na - nun hat er den Salat!)
Die Einleitung ist brillant gefilmt (schwarzweiß, überbelichtet, mit Kratzern etc., perfekt wie Stummfilmmaterial aussehend), in der Georgina als vom Leben gelangweilte Lebedame brilliert, die nur noch nach Schönheit trachtet, weil alle anderen Dinge sie anöden. Sie wirft mit Wilde'schen Aphorismen um sich, voll spielerischem Salonzynismus. Ihr "Schüler" Darrin weiß mit alledem nichts anzufangen, doch nachdem sie ihm die Augen geöffnet hat, will er nicht mehr weiterleben ohne seinen oberflächlichen Glanz.
Und die Jahre vergehen. Der Film läßt nun vier Jahrzehnte Revue passieren und verulkt dabei diverse Filmgenres: Die Dreißiger werden repräsentiert von John Dillinger und einem Gangster-Plot, bei dem der "Public Enemy No.1" Darrin sein Freundin Jean Harlot andreht. Darrin drückt ihr in bester Jimmy-Cagney-Manier einen Donut ins Gesicht. In den Vierzigern geht's nach CASABLANCA, wo Wade eine herzzerreißende Bogart-Imitation abliefert. Annette Haven erscheint als Love Interest. Die zwei Nazis, die kurz auftauchen, sind auch echt knorke. ("I just had a visit from the SS!" - "Social security?" - "No, the Gestapo...") Er muß fliehen. ("My falcon needs a walk!") In den Fünfzigern ist er ein Rebell ohne Grund: Mit Motorrad und Brando-Outfit rettet er eine heiße Mieze vor zudringlichen Teddyboys, die dann große Mühe hat, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, da er sich nur für sein Moffel interessiert. Als er ihr dann schließlich seinen Liebesknochen in den Mund stopft, gurgelt sie pikiert: "Nice girls don't do that!" Seine Antwort: "Natalie wood!" Die Siebziger schließlich zeigen ein wildes Hippiegestoße, das kurz unterbrochen wird von den spießigen Eltern der Gastgeberin, die aber vertrieben werden. Am Ende seiner Geschichte, die seine Zuhörerin Lesllie verwirrt hat, stellt er fest, daß ihn sein Leben anödet. Ein Leben ohne Veränderung, ohne Ende hat keinen Sinn. Lesllie sieht das nicht so und pudert mit ihm, wird aber dabei auf Video gefilmt. Als sie erwacht, sieht sie einen alten Greis am Krückstock in der Nacht entschwinden, ihr sanft zuwinkend. Eine zweite Gestalt gesellt sich ihm hinzu: Georgina. Die "Story Idea", so klärt uns der Nachspann augenzwinkernd auf, stammt von Oscar Wilde. Wer sagt da noch, daß es im Porno-Genre keine Ehre gibt?

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