"Die läufige Leinwand" - bald in diesem Theater!

Ungefähr zehn Jahre ist es her, daß in mir der Wunsch entstand, ein Buch über das sogenannte Erwachsenenkino zu verfassen. Das war zu einer Zeit, als das Internet noch nicht den gegenwärtigen Stand erreicht hatte. An Informationen heranzukommen, war nicht einfach. Auch heute noch  finden sich im Internet nur unzureichende Fakten über dieses übel beleumundete Genre. Dies liegt zum einen an der verständlichen Maulsperre der Produzenten solcher Filme, die damals in einer rechtlichen Grauzone operierten und nur wenig Interesse daran hatten, sich zukünftige Engagements zu verderben oder gar im Kittchen zu landen. Zum anderen sieht es so aus, daß im viel entspannteren Klima von heute die Protagonisten von einst andere Lebensbahnen eingeschlagen haben, die in vielen Fällen in ganz andere Lebensbereiche hineinlugen. Mir erschien es damals interessant, mit solchen Leuten zu reden, über ihre damaligen Motive zu plaudern, herauszufinden, wie sie das rückblickend bewerten.


Ich erfuhr bei diesem Projekt Unterstützung von einem amerikanischen Freund, dem mittlerweile leider verstorbenen Sam Stetson, den eine lebenslange Forschungsarbeit mit der „adult film industry“ verband. Er hatte zahlreiche Kontakte geknüpft und kistenweise Informationen gesammelt, die mir bei der Arbeit an dem Buch von unschätzbarem Wert waren. Etwa ein Jahr lang tauchte ich ein in den Pornosumpf. Dort herumzuschnorcheln, war sehr instruktiv. Nicht nur durfte ich dabei auf die Unterstützung von Onkel Sams Privatarchiv bauen, sondern auch die Bekanntschaft von vielen kennenswerten Zeitgenossen machen, die in den frühen 70ern im Sexfilmgewerbe tätig gewesen waren. Ihre Erzählungen waren für mich sehr faszinierend, eben auch weil sie heute so weit von ihren damaligen Aktivitäten entfernt sind und deshalb eine ganz neue Betrachtungsweise gewonnen haben. Die Akteure des Erwachsenenkinos sind erwachsen geworden. Das Buch wuchs und wuchs. Der Umfang war zeitweise beträchtlich. Als ich genug Material angesammelt hatte, ging ich auf Verlegersuche. Diverse Optionen, die sich zunächst ergeben hatten, platzten, und dies aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich verlor die Hoffnung. Klinkenputzen war ich einfach nicht gewohnt. Schließlich landete das Buch in meinem Rechner, wo es virtuelles Moos ansetzte.

Bei einem Buio-Omega-Auftritt meines Freundes Jörg Buttgereit durfte ich auch die Bekanntschaft seines Verlegers Martin Schmitz machen, eines liebenswerten Zeitgenossen aus Berlin, der seinen häufig die Untiefen der Kulturszene auslotenden Verlag mehr oder weniger im Alleingang betreibt und seit Jahr und Tag tolle Bücher hervorbringt. Ich erwähnte beiläufig mein Projekt. Martin war Feuer und Flamme. In den nächsten zwei Jahren planten wir und bastelten wir, bis das Projekt endlich doch noch Gestalt annahm.

Mit großem Stolz und noch größerer Freude kündige ich das baldige Erscheinen unseres Babys an. Sein Name: „Die läufige Leinwand“. Sein Lebendgewicht: ca. 280 Seiten. Sein Ziel: Ruhm, Reichtum und Schönheit für seine Schöpfer, Erbauung, Information und Unterhaltung für seine Leser!

Was wird enthalten sein? Den Anfangsteil bestreitet eine Einführung, mit der ich versuche, die Entstehung und Entwicklung des Sexploitation-Kinos zu skizzieren, bis hin zum finalen Sieg des Fleisches. Hauptteil 1 enthält dann über 100 detaillierte Betrachtungen von ausgesuchten Hardcore-Produktionen aus den Jahren 1970 – 1985, bei denen es mir zum einen auf ihren repräsentativen Charakter ankam – um einen möglichst umfassenden Überblick zu gewährleisten –, zum anderen auf die Einbeziehung von bislang unbesungenen Kuriositäten. Viele Bereiche des Erwachsenenkinos sind bis heute Terra Incognita und wurden weitgehend ignoriert. Es werden sich auch Frühwerke von Regisseuren darin finden, die später zu Ruhm & Ehren gelangt sind und die damals ihre Babyschritte in diesem Metier probten. Um den Umfang des Buches auf ein kommerziell akzeptables Maß zu bringen, mußte übrigens ca. ein Fünftel der ursprünglich vorhandenen Reviews herausgekürzt werden. Diese Reviews werde ich – quasi als Werbung für das Buch – kostenlos online zur Verfügung stellen!

Hauptteil 2 besteht dann aus Interviews, die ich mit Produzenten, Regisseuren und DarstellerInnen geführt habe. Enthalten sind ausführliche Gespräche mit Dave Friedman, Annette Haven, Veronica Hart, Howard Ziehm, Jamie Gillis, Bill Margold, Eduardo Cemano, Zebedy Colt, John Seeman, Ann Perry und Zachary Youngblood. Einige weitere Gespräche, die sich seitdem ergeben haben, werden ebenfalls online einsehbar sein, wie ich auch bereits veröffentlichte Interviews mit Gerard Damiano, Georgina Spelvin und Robert Kerman noch einmal herauskramen werde.

Abgerundet wird der Reigen von einem Vorwort, das mir der tollste Standschlagzeuger Deutschlands zur Verfügung gestellt hat: Bela B. Felsenheimer!

Kurzum: Das Werk wird jetzt endlich in Frack & Fummel und mit allen Schikanen vom Stapel laufen. Mit dem genauen Veröffentlichungstermin möchte ich mich noch zieren, da ich uns Spielraum lassen will, doch der Weihnachtsbaum braucht mit Sicherheit dieses Jahr keinen Ständer!

P.S.: Voraussichtlich wird die Veröffentlichung des Buches von Präsentationen begleitet, die mir Gelegenheit geben werden, viele Städte des gesamten Bundesgebiets zu besuchen. Geplant sind diese Präsentationen weniger als Lesungen, sondern eher als Lehrveranstaltungen, bei denen ich einiges Wissenswerte über die Wanderjahre des Erwachsenenkinos erzählen werde, begleitet von mildem, aber erhellendem Anschauungsmaterial. Abel Ferrara in einem P-Film will ich Euch nicht vorenthalten...

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