DIE ATTRAKTION DER ERDE ALS KAMMERTON DES HERZENS

Zweiter Teil des Söldnerunwesens

Mehr Söldner

Ja, viele Zweiteilungen sind es, die den Menschen mit der eigenen Existenz entzweien. Der Fall geht häufig ins Uferlose. Daß die Söldner zerteilt werden, wußte ich vorher nicht, aber es ist ja auch ganz im Einklang mit der Botschaft des Textes, die da lautet, daß es gerade die Zweiteilung ist (in Gut und Böse, Recht und Unrecht etc.), die für all die bösen Kriegshändel verantwortlich ist, die den Planeten stündlich verwüsten. Die Zweiteilung muß raus aus dem Kopf; man sollte sich mindestens das Vierteilen angewöhnen. Äußerungen, die im folgenden Text beziehungslos scheinen, sind dies auch im Zusammenspiel mit dem ersten Teil. Dies ist die moderne Zeit, Baby.
   Mal die Leserbriefe kucken... Zwei zu eins. Scheiße, die Quoten sacken. Da wird's ja bald so laufen wie mit der Margarete. Auf der Straße, da ist's kalt. Nur mit einer Zeitung bekleidet, da läuft die Öffentlichkeit an dir vorbei. Bittere Zeiten sind's, und kein Ende ist in Sicht. You are the sunshine of my life, da da-da-da. Und jetzt wird in die Hände gespuckt, wir steigern das Brutalosozialprodukt. Hit it!

VERMISST IN HANDLUNG

Mir sind gerade Spaghetti explodiert. Diese Information spielt im Hinblick auf italienische Söldnerfilme keine große Rolle, wirft aber ein bezeichnendes Schlaglicht (blink, blink) auf meine Eignung als Gourmetkoch. Vielleicht waren die Spaghetti ja "all'arrabbiata" - tja, jetzt kleben sie an der Wand.
   Larry "der Lude" Ludman alias Fabrizio "totally fab" de Angelis hat als Produzent wesentlich mehr auf dem Kasten denn als Regisseur. Das ist die übereinstimmende Meinung all jener, die mit ihm zusammengearbeitet haben. Trotzdem aber sind seine Regiearbeiten (seit 1983, dem Jahr von THUNDER) zumindest technisch kompetent und auf dem Videomarkt ohne größere Verdauungsprobleme absetzbar. Thomas hat schon mal seinen OVERTHROW eines Blickes gewürdigt. Ich möchte hier auch auf seinen unglaublichen L'ULTIMA PARTITA (dt: THE LAST MATCH) hinweisen, in dem Oliver Tobias seinen Sohnematz befreien möchte, und zwar aus den gierigen Krallen eines autoritär diktierten Gefängnisleiters namens Henry Silva. Um dieses Ziel zu erreichen, greift sich Oliver nicht nur den Ex-Trainer Ernest "Ernie" Borgnine, sondern auch seine ehemalige Vietnam- und jetzige Footballtruppe. Und damit sie bei der Befreiungsaktion nicht bemerkt werden, ziehen sie sich alle dafür ihre Footballklamotten an! Muß man gesehen haben, um es zu glauben.
   Immerhin zu seinen besseren Leistungen gehört COBRA MISSION (DIE RÜCKKEHR DER WILDGÄNSE, 1985), der in Zusammenarbeit mit der Schweizer "Ascot" entstand. Dieser Umstand zauberte (genau wie in den ähnlich gelagerten Filmen von Margheriti) in Gestalt des wunderbaren Manfred "Manni" Lehmann noch einen bundesdeutschen Farbklecks in das Grün des Dschungels.
   Und auch ansonsten gibt es so manches Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. Eine Gruppe von gescheiterten Vietnamveteranen findet wieder zueinander. Chris Connelly hat eine reiche Schlampe geheiratet und mit ihr ein ekelhaftes Kind gezeugt, das heiratet, denn das Zepter der sozialen Unabhängigkeit muß weitergereicht werden. Daß Chris seine alten Kameraden eingeladen hat - die sich obendrein aufführen wie die Bierkutscher -, will der gespreizten Madame nicht munden. Als sie mault, begeben sich alle in eine Bar.
   "Alle" - das sind außer Lehmann noch der Brite John Steiner und sein Landsmann Oliver Tobias, den man aus einer Nervenklinik rausgeeist hat. In der Bar treffen sie auf Kollegen aus dem großen Zweiten ("Wenn ich an den verdammten Winter in den Ardennen denke, au!"), die mit provozierenden Reden das Ansehen der Vietnamveteranen brutal mit Kot überziehen. Manni kann sich nicht damit abfinden und macht das, was man als aufrechter Soldat in so einem Fall zu tun hat: Kleinholz.
   Dann begibt man sich an die alte Wirkungsstätte. Zuerst kommt General Gordon Mitchell, der sie vor Major Morris warnt, dem sein Fanatikertum eine Suspendierung eingebracht hat. Natürlich wird genau jener Morris als nächstes besucht, und hier lauert eine geharnischte Überraschung, denn in der Rolle des Kommunistenfressers findet man Enzo G. Castellari, einen der besten Actionregisseure des Landes!
   Da das Wochenende etwas flau daherkommt, fährt man nach Bangkok, um einen alten Kumpel zu treffen. Auch besuchen die wackeren Kämpen eine Art Hilfsorganisation, die Eltern Geld aus der Tasche lockt und ihnen dafür vorflunkert, man würde ihre vermißten Kinder suchen. Chef der Organisation ist Enzos Bruder Enio (!), und der besorgte Elter ist Luciano Pigozzi. Auch hier wissen sich die Wildgänse nur mit totaler Vernichtung des Mobiliars zu behelfen.
   Ja, Leichen pflastern ihren Weg! Pater Lenoir wird gespielt von Donald "Onkel Donald" Pleasance, und die Tatsache, daß er etwas angesäuselt ausschaut, soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß er den Daumen am Puls hat - im Keller seiner Kirche befindet sich ein ganzes Waffenarsenal! Mit Lenoir gewaschen...
   An dieser Stelle bin ich rausgegangen, um mir ein Butterbrot zu schmieren. Als ich wieder reinkam, hoppelten die Waffengänger wie die Kaninchen durch den Dschungel, nach links und rechts Köttel aus rostfreiem Stahl verstreuend. Nicht näher bezeichnete "Schlitzis", "dreckige Gelbärsche" und "gelbe Hunde" fallen für ihr Vaterland. Die Zeichnung der Vietcongs ist nicht besonders differenziert, es kann nicht verschwiegen werden. In einem Dorf, das man besucht, ist niemand so recht begeistert, daß die Befreier endlich da sind. Als dann das Gefangenenlager erreicht wird, wo die "missing-in-action"-Gesellen einsitzen, vergessen Manni und seine Freunde die Hälfte - die bleiben einfach da!
   Lehmann hat im übrigen seine beste Szene, als er einen mit Dynamit vollgepoppten Lastwagen in eine rote Straßensperre hineinfahren läßt: Mittelfinger, Stirnband und "Verreckt alle!" Hui-Buh, hier geht's ab. Als er wenig später eine Asiatin beschlafen will, enthüllt ihm diese ihre verbrutzelte Vorderfront ("Das war amerikanisches Napalm!") und schießt ihn über den Haufen.
   Man sollte anmerken, daß sich de Angelis einige kritische Anmerkungen zum US-Einsatz und zur Ethik des Soldatentums nicht nehmen läßt (es gibt sogar eine Bezugnahme auf My Lai), aber es handelt sich hier eher um modische Zynismen, die den Geist der Rambo-Zeit gut wiederspiegeln: Alles ist bitter und sinnlos, aber was getan werden muß, muß halt getan werden. Der dritte Weltkrieg - das wird hier einmal mehr deutlich - läuft bereits, und er tut dies seit dem Ende des großen Zweiten. Die Kriegslinie hat sich nur etwas verlagert. Immerhin sind die brutalen Taten - anders als in vergleichbarer US-Ware, etwa der mit dem Mann mit dem Kartoffelgesicht oder mit dem Mann mit der Gesichtslähmung - wirklich brutal und dreckig. Gehört sich so, finde ich. Hier steckt kein Glanz verborgen, der Seim des Proletariertums sprüht giftig und traurig stimmend.
   Als die wenigen Überlebenden der großen Tortenschlacht kurz vorm Erreichen ihres Ziels sind, taucht auf einmal die halbe NVA auf. Ein amerikanischer Hubschrauber schraubt herbei, dem Gordon Mitchell entsteigt, aber das verwundert jetzt auch niemanden mehr. Der ganze Schmuh mit den Kriegsgefangenen geschieht im Einvernehmen mit der US-Regierung. Oliver meint nur trocken: "Ich gehe wieder in meine Klinik zurück!" Steiner: "Ich habe mit diesem Land nichts mehr zu tun." Ein schönes Kloß-im-Hals-Ende wird doch noch vermiest, wenn auch das Schlußbild wirklich gelungen ist.
   Der Film ist akzeptable Trash-Kost, die auch den "Wildgans"-Freunden unter den Videokunden wohl genug Wumm für ihr Geld gegeben hat. Die Kameraarbeit von Sergio d'Offizi ist sehr gut und macht aus der Uninspiriertheit der Regie das Beste. Auch gelungen ist Francesco de Masis stark an Jerry Goldsmith erinnernde Schmedderetäng-Musik, die es auch auf LP gibt und teilweise auf CD.
   Was die wenigsten wissen: Es gibt auch eine Fortsetzung, COBRA MISSION 2, die hierzulande als COBRA MISSION vermarktet wurde. Der Film, inszeniert von Camillo Teti und produziert von Fabrizio, ist ziemlich mies, aber da das Cover großartig ist, möchte ich ihn mit hineinnehmen.
   Der Veteran Roger (soll, glaube ich, der Connelly-Charakter aus Teil 1 sein) kommt zum Begräbnis eines Kollegen und wird sofort vom Boß für ein Attentat angeheuert, das einem Diktator heimleuchten soll. Wo genau die Diktatur liegt, ist ungewiß. Gedreht wurde das Ganze auf Santo Domingo, aber dort läßt man ja sogar Joe d'Amato seine Pornos drehen - sooo autoritär kann man da also nicht sein! Mit einem dieser Pornos wäre man wohl auch besser beraten gewesen, denn die geometrische Visage des namenlosen Hauptdarstellers hat Schlitze wie Augen und sonst nüscht. Immerhin hat seine Dominikaner-Connection, Gabriel, einen geilen Schwulenschnäuzer - die beiden waren garantiert früher Videothekare, die Schiffbruch erlitten haben und danach nochmals mit einem Sportstudio. Das kann nicht laufen, nicht auf Santo Domingo. Gemeinsam ist man stark und bombt den halben Safaripark Hodenhagen zusammen. So spannend wie ein Hautausschlag, det janze Jesumse. Wer sich durch diesen Film Erkenntnisse darüber erhofft, wie man einen Diktator fachgerecht exekutiert, der wird eine Enttäuschung erleben - das kann die CIA wirklich besser. Dafür kann man aber einiges darüber lernen, wie man einen Soundtrack geschickt wiederverwertet: in diesem Fall Stefano Mainettis Score zu Ignazio Dolces ANGEL HILL (dt: BYE BYE VIETNAM). Wenn man dem Film schon nichts anderes entnehmen kann, so mag doch zumindest die Lektion, daß man keine Spaghetti als Fertiggericht kaufen soll, dem Leser seinen weiteren Gang durchs Leben erleichtern oder gar ebnen.

EINE KATZE NAMENS KACK

Liebe Mami. Ich schreibe dir aus Feindesland, wo ich an einer neuen Kolumne arbeite. Leider leide ich an einer grauenhaften Erkältung, die meine Augäpfel zu großen Medizinbällen anschwellen läßt und mir Fetthöcker in den Kopf gezaubert hat. Der Fernseher läuft, dauernd explodieren Bomben und Rotz tropft aufs Papier. Bestimmt muß ich jetzt sterben und werde nicht mehr zu meinem Artikel über Sandalenfilme kommen.
   Ein Film, den ich jahrelang zuordnen wollte, ohne es zu können, ist AFGHANISTAN CONNECTION, der in Italien als FRATELLI DI SANGUE lief. Er ist leicht zu verwechseln mit Tonino Valeriis gleichnamigen Film (bei uns: BROTHERS IN BLOOD), der zu des Regisseurs wenigen schlechten Filmen gehört und als einzigen Höhepunkt eine Travestie-Nachtclub-Szene mit Werner Pochath besitzt.
   Auch AFGHANISTAN CONNECTION ist nicht so toll, aber man kann ihn kaum als einen von Regisseur Tonino Riccis wenigen schlechten Filmen bezeichnen. Der einzige wirklich gute Film Riccis ist m.E. der Giallo UN OMICIDIO PERFETTO AL TERMINE DI LEGGE, und ausgerechnet der war in Germany nicht zu sehen. In AFGHA geht es um liebgewonnene Klischees des "Kalten Krieges": Irgendwo in den Albaner Bergen (=Afghanistan) wird ein Dr. Hunter und seine Tochter Samantha von bösen Russen davongebombt. Dabei werden farbige Rauchfackeln (=chemische Kampfstoffe) eingesetzt. Da nicht nur die Russen, sondern auch die auf diesem Gebiet gleichfalls operierenden Amis ein geharnischtes Interesse daran haben, daß der gutherzige Doktor nicht dazu kommt, seine Botschaft an "amnesty international" weiterzugeben, schickt General Stelio Candelli (habe ich auch schon total lange nicht mehr gesehen, den Stelio!) eine Gruppe mörderischer Muskelprotze in die Taiga. Nummer Eins in diesem Team ist der Haudrauf Conrad Nichols ("Ich bade lieber in Bier!"), der Regisseur Ricci auch durch RUSH 1 + 2 sowie das Meisterwerk THOR DER UNBESIEGBARE BARBAR begleitete. Ihm wird bedeutet, daß er sich bei irgendeinem Hindukusch namens Hirbe Islami oder Birtes Salami oder was weiß ich zu melden habe. Seine Spießgesellen sind - jawohl, da isser ja: Werner Pochath, Howard Ross (Renato Rossini) und Richard Raymond. Göttlich sind die Dialoge dieser Gemütsmenschen: "Wie kommen wir da hin?" - "Durch den Iran." - "Khomeini wird das nicht gern sehen!" - "Wir bringen 'n paar Geschenke mit!" - "Das klingt ja kinderleicht." - "So leicht wird's nicht!" - "Wie meinst du das?" - "Der Job ist nicht leicht, aber wir werden's schon schaffen!" Jaaaa, da denkt man an die Glanzzeit von Hollywood zurück, als Heroen wie Ben Hecht Zeilen wie Goldstücke in die Münder der Stars gelegt haben.
   Gemeinsam besucht man Afghanistan und bestaunt die rauhe, aber intensive Schönheit der Landschaft. Nebenbei werden noch Dutzende von Tuaregs (oder wie das da heißt) füsiliert. Als man auf die richtige Gruppe stößt, sind Professor und Töchterlein aber mittlerweile in den Besitz eines bösen Scheiches übergewechselt. Von einem Führer namens (Salman?) Kushdie sollen sie zu dem Verbrecher gebracht werden. Doch an ehrlichen Verhandlungen ist den Söldnern nicht gelegen: Sie brechen lieber ins Lager ein, ballern alles zuschanden und klauen Tochter Samantha und ihren eingeborenen Pagen. Der Professor ist nämlich mittlerweile gestorben und sieht aus, als habe man ihm ins Gesicht gekotzt. Dann wird noch eine Weile verbissen gebombt, wobei man erwähnen sollte, daß die Bösewichter alle Tücher vorm Gesicht haben, was den Helden auch ganz gut stehen würde. Leider erkennt man aus diesem Grunde nicht Stuntleute wie Neno Zamperla oder die dell'Acqua-Brüder, die in Tausenden von Abenteuerfilmen und Western aufgetaucht sind und hier anonym durch die Gegend hüpfen. Das kracht und zischt, und man kann schon mal rausgehen, um lecker Brötchen zu schmieren oder eine Klöppelarbeit zu beginnen. Da die Söldner das böse Spiel ihrer Auftraggeber nicht mitspielen wollen, landet man statt im Iran lieber in Pakistan, wo man Samantha und den jungen Amin absetzt. Letzterer hätte gut nach London gehen können, um dort einen wunderbaren Waschsalon aufzumachen; stattdessen zog es ihn, wie die Geschichte lehrt, nach Uganda, um dort Dada zu machen! Auf Nichols' Pilotenhelm gibt es noch einen der schönsten Mikroschatten aller Zeiten - dann ist Ruhe im Karton!

STREICHELKOMMANDO

Ob "Nomeansno" an Bruno Mattei gedacht haben, als sie in einem ihrer flotten Schlager "Oh no, Bruno, too much is not enough" gesungen haben, ist mir leider nicht bekannt - Kanada ist weit ab vom Schuß, und es muß nur einmal richtig doll schneien, damit dort alles zusammenbricht. Damit bei Bruno alles zusammenbricht, braucht man ihm nur eine Filmkamera in die Hand zu geben. Den Rest besorgt der natürliche Ablauf der Dinge. Thermodynamisch bezeichnet man dieses Phänomen, glaube ich, als Entropie. Zum gehörigen Entropisiertwerden hat in Matteis Söldnerfilmen aber niemand Gelegenheit, denn im Nu zersetzt sich alles und jeder, wie aufs STRIKE COMMANDO. (Jau, was für ein Übergang!)
   Eigentlich gibt es ja sogar zwei Commandi - das erste in Deutschland erschienen als COBRA FORCE (1986), das zweite als HEROIN CONNECTION (1988).
   Teil 1 befaßt sich mit den Abenteuern des Vorzeigesoldaten Mike Ransom, gespielt von Reb "Laus" Brown. Dieser Mime allein lohnt das Ansehen von STRIKE COMMANDO. Man sollte es kaum für möglich halten, aber er hatte mal eine Rolle in einem richtig guten Film, nämlich Philippe Moras DEATH OF A SOLDIER, in dem er einen psychopathischen US-Soldaten spielt, der in Australien seine Opfer auch jenseits der feindlichen Grenzen sucht. Meines Wissens ist Reb der Sohn der berühmten Comic-Figur Charlie Brown; jedenfalls sieht er so aus. Wenn er seine diversen Massenmordwerkzeuge erhebt und sein Gesicht sich zu einer Popcorn-Version von Munchs Gemälde "Der Schrei" verwandelt, nur um die aufgestaute sexuelle Energie in einem brachialischen Donner- und Flammengetöse herausbrechen zu lassen, dann wird klar, daß dieser Mann große Sozialisationsprobleme hat. Vererbt von Vater zu Sohn, möchte man vermuten.
   Reb ist Bestandteil einer Elitetruppe namens "Cobra Force" (vielleicht sogar "Strike Commando"?), die gleich zu Anfang eine Horde gelber Affen in einer Flammenhölle gen Hades jagt. Die Strafe für das Kriegsverbrechen folgt aber auf dem Fuße, da Colonel Chris Connelly auf die Truppe pfeift und alles in die Luft sprengt. ("Die Cobra Force existiert nicht mehr. Jeder von ihnen war ein Held.") Als einziger Überlebender des Massakers irrt Reb durch den Dschungel. Gesundgepflegt von einigen als Eingeborene verkleideten Papageien (die andauernd alles wiederholen, was man ihnen sagt), fühlt sich Reb so ganz als Exponent seiner Nation und erzählt dem kleinen Dschungelkind Lau (das aber nicht lau daherkommt, sondern dull) von seinem Land: "ein Land, wo Donald Duck und Micky Maus leben", wo Zuckerwatte an den Bäumen wächst und wo "der Geist der magischen Lampe" Wunder vollbringt. Man fragt sich, wie der Mann es schafft, durch die Welt zu spazieren, ohne andauernd gegen Hindernisse zu stoßen, wie etwa Laternenpfähle, Briefkästen oder Zäune. Da er in seiner Eigenschaft als Amerikaner natürlich sofort als Retter verehrt wird, muß er einiges tun, um diese Anbetung zu rechtfertigen. Zuerst einmal haut er allerdings ab.
   In Amerika trifft er den gehaßten Colonelli wieder, wie auch seinen Freund und Vorgesetzten Major Harryman. Dieser Major wird übrigens verkörpert von einem lieben Bekannten aus zahlreichen Söldnerfilmen der 70er und 80er: Mike Monty. Bemerkenswert ist die äußere Erscheinung dieses Mannes, denn besonders in seinen späteren Auftritten (z.B. in Fulci/Matteis ZOMBI 3) sieht er dem Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld zum Verwechseln ähnlich! Wenn er in die Kamera schaut und seine Augen stählerne Blitze versenden, weiß man, daß dieser Mann die Borussia aus dem Schlamassel führen würde.
   Reb stößt mit seiner Behauptung, im vietnamesischen Dschungel auf Russen gestoßen zu sein (Russen? In Vietnam? Ausgeschlossen!) auf taube Peanuts und wird mit einer Kamera zurückgeschickt, um Beweise zu sammeln. Das erste, was er allerdings fotografieren kann, sind die Überreste des Dorfes, in dem er hochgepäppelt worden war. Den sterbenden Lau in den Armen schaukelnd, zeigt Reb Gefühle. Vormals hatte ihm eine Frau noch gesagt: "Es ist ein Fehler, kleinen Kindern Illusionen zu machen." Ein typischer Frauenrat, ist es doch gerade diese Maxime, die einen der Grundpfeiler der modernen Zivilisation bildet. Lau stirbt und läßt Reb in Pein aufschreien. Supergrimassen, das macht einfach Spaß, zuzusehen.
   Der Oberschurke ist der dicke Alex Vitale, der genau zu der Sorte menschlicher Montblancmassive gehört, denen man in der Disco die Freundin anbaggern möchte. ("He, haffte meine Freundin angepackt?" Schöne Grüße an Elch.) Vitale macht seinem Namen alle Ehre und metzelt, daß die Schwarte kracht. Auch Margheriti-Tausendsassa Luciano Pigozzi gehört zu seinen Opfern. In einer Szene kreuzt Vitale den Weg einer Kobra. Seine Reaktion ist denkbar unkompliziert: Er gröhlt und kickt sie weg! Gnorf. Eine Ähnlichkeit mit Meister Propper ist ebenfalls kaum zufällig.
   Reb befindet sich schon bald in Vitales liebevoller Obhut. Mit einem verwesenden Leichnam eingesperrt, kommt ihm schon bald die kalte Grütze hoch. (Vitales russische Partnerin: "Das ist keine Folter mehr...das ist inhuman!" Jau, humane Folter.) Als Madame Olga aber das Verhör von Reb übernehmen soll, gelingt diesem die Flucht. (Wenn man Frauen schon mal 'ne Sache in die Hand gibt...) Colonelli will daraufhin Rebs Befreiung persönlich übernehmen, denn: "Er ist es wert!"
   Reb Brown und Vitale sind erstaunlich nuancierte Schauspieler, und es ist eine wahre Freude, den beiden zuzuschauen, wie sie im Unterholz herumkrauchen. Und überall liegen Ranken, der Wald ist voll davon! Ihren Höhepunkt haben die beiden beim Schlußkampf, als sie kurzerhand mit den Köpfen gegeneinanderlaufen. Bumm, und der Vitale segelt über den Wasserfall. So machen Abenteuerferien Spaß!
   Der Film ist für totalen Scheißdreck überraschend unterhaltsam anzuschauen. Riccardo Grassettis Bildführung ist sauber, und Ceccarellis Discomucke würde ich mir jederzeit auf CD zulegen, wenn es sie gäbe. Die Dialoge sind wundervoll ernstgemeint. Gleich zu Beginn gibt's ein rechtes Zuckerli, als Brown in den Vietcong-Hort einbricht und vom Wachposten gestellt wird: "Halt, wer ist da?" - Reb: "Alles in Ordnung!" - Wache: "Dann ist gut." Jaul. Gar zahlreich sind die Beispiele klassischer Schundzeilen, wie "Ich kann Sie jetzt nicht mehr decken!" oder "Mit Soldaten wie ihm werden wir eines Tages siegen!" Das bezweifle ich nicht. Ich bezweifle aber stark, daß Bruno mit der Szene siegen wird, in der Reb den bösen Connelly (dessen Name, Radek, ihn bereits vorher für denkende Zuschauer als KGB-Spion verraten hat) in die Luft jagt: Wer einen Recorder mit Einzelbildschaltung besitzt, sollte sich die Freude machen, die Schaufensterpuppe auszukucken, die anstelle von Connelly explodiert. Die Ähnlichkeit ist absolut verblüffend. (Connellys großartigste Leistung besteht übrigens in der Zeugung seiner wunderhübschen Tochter Jennifer.)
   Schnell zu HEROIN CONNECTION. In diesem erneut von Fragasso geskripteten Meisterwerk gibt es tatsächlich Verweise auf ein "Strike Commando", doch der Film schlägt einen entschieden anders gelagerten Grundton an. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Film um das erstaunlichste Beispiel für Matteis Kunstfertigkeit, wenn es um das Abklatschen erfolgreicher Vorbilder geht. Daß die daraus resultierenden Produkte selten den Glamour der Vorbilder erreichen, enttäuscht nur oberflächlich, vor allem, wenn sie in ein Fragasso-Meer (das soll eine Anspielung auf Sargasso sein, ich bin heute wieder albern) hanebüchener Zeilen getaucht sind. Aus diesem Meer gibt es keine Rettung. Richard Harris wußte das nicht, und deshalb stürzte er sich mit diesem Film kopfüber in die Fluten!
   Der Anfang präsentiert uns einen drömelig daliegenden Mike Ransom, der diesmal von dem Amerikaner Brent Huff gespielt wird. Sein geistiger Ziehvater Vic Jenkins ist von bösen Menschen getötet worden. Bruno schenkt uns eine von diesen besinnlichen Zeitlupenrückblenden im vietnamesischen Kriegsfeuer. Die Steppe brennt, die Tundra lodert wie wild. Da Jenkins von Harris gegeben wird, überrascht es nicht baß, daß kurz darauf ein amputierter Kriegskumpel von Ransom vorbeischneit und ihm davon berichtet, daß Jenkins, der ein CIA-Agent war, jetzt "auf Eis gelegt" worden ist, aber noch sehr wohl unter den Lebenden weilt. Natürlich düst Ransom sofort zum CIA-Mann seines Vertrauens und überzeugt ihn von den Vorteilen rückhaltloser Offenheit. Der Amputierte wird derweil in einem Zug von einem russischen Killer namens Svet Kraminski erdrosselt. Diese ruchlose Meucheltat findet mitten im Gang statt. Die anderen Fahrgäste interessiert das überhaupt nicht. So stelle ich mir die dritte Klasse vor. Besonderes Augenmerk sollte man in dieser hübschen Szene auf das Graffiti richten, vor dem Hinkebein sein Leben aushaucht: "Elmer Ohwell knew" steht da nämlich.
   Richard Harris sieht selber wie Elmer Ohwell aus, als er das erste Mal die Treppe runtertorkelt. Der ist auf Eis gelegt, und das Eis schwimmt in einem Whiskyglas! Der kommt kaum runter! Harris ist ohnehin einer meiner besonderen Lieblinge, da er sich nie für etwas zu schade war und in den schlechteren Rollen (wie in Dereks großartigem TARZAN) schon mal fröhlich herumfeixt. Ein kostenloser Urlaub in Italien, ein paar Drinks und viel Spaß beim Drehen, das wird unterm Strich dabei herumgekommen sein. Der Mann ist einfach nur saucool. Die Kleidung sieht gelegentlich etwas nach Klaus Beyer aus. Die Lage verschlimmert sich, als er von Drogengangstern gekascht wird, die im Austausch Rohdiamanten fordern. Auf dem beiliegenden Schleyer-Video sieht Harris genau so aus wie ich nach einer Flasche Southern Comfort auf Ex.
   Ransom wird daraufhin von CIA-Mokel Massimo Vanni in den Dschungel geschickt und darf dort die halbe Handlung von RAIDERS OF THE LOST ARK nachempfinden. Besonders gelungen in dieser Hinsicht ist eine Lastwagenfahrt (bis in einzelne Einstellungen hinein kopiert), eine Trinkszene mit der handfesten Leading Lady und der Killer, der so aussieht wie Spielbergs Chefnazi. Zudem wird das Geschehen ständig kontrapunktiert von flapsigen "Indiana-Jones"-Scherzen, was nicht von der Tatsache ablenkt, daß die Brutalitäten teilweise herbe Züge aufweisen. Huff ist im übrigen etwas sympathischer als Reb Brown und erinnert an einen Chippendale-Tänzer ohne Haare. Seine Partnerin, Mary Stavin, ist auch ungewöhnlich erträglich und sieht verdammt chefig aus. Das Filmen muß echt toften gewesen sein, denn alles flachst zum Gottserbarmen. Mainettis Musik töst abenteuerlich, erreicht aber nicht seinen sonstigen Standard. Wer in dieser Hinsicht mal richtig verwöhnt werden möchte, sollte sich Al FATAL FRAMES Festas Mucke zu Matteis megatrashigem PREDATOR-Rip-Off ROBOWAR (dt: ROBOMAN) anhören; dagegen war der Börsenkrach gar nichts.
   Ansonsten bietet der Film eine Menge Aktion von der Sorte, wo man Sprengsätze explodieren sieht und im Umkreis von ca. 100 Metern Leute akrobatisch durch die Gegend fliegen. Das ist wild, das ist frech, wie der Patrick sagen würde! Auch schön die dampfenden Einschußlöcher. In einem von diesen Löchern muß auch Luciano Pigozzi verschwunden sein, der angeblich einen "smuggler leader" spielt, aber trotz intensiver Suche nicht aufzufinden war. Vielleicht erholte er sich noch von seinem Auftritt in Matteis Western WHITE APACHE, der gar nicht mal so gut ist...
   In Brunos DOUBLE TARGET (DER KAMPFGIGANT) spielt Pigozzi zwar auch nicht mit, dafür aber Elmer Ohwell, und zwar unter dem Pseudonym "Miles O'Keeffe". (Vielleicht war es Brunos Ehrgeiz, die ganze Besetzung von TARZAN durchzugehen... Gibt schlechtere Ideen.) Gleich in seiner ersten Szene meldet sich Miles in typischer Kraftpose am Telefon - der kann nicht einmal normal abheben! Wie es scheint, gibt es Ärger mit den südvietnamesischen Behörden: Man will ihm das Recht verwehren, seinen Sohn zu suchen, den er einst mit einer dort ansässigen Schönheit gezeugt hat. Unter welchen Umständen der gezeugt wurde, wird leider nicht gesagt. Sei's drum: Wie es bei den Kommies üblich ist, wird Miles sofort in eine Kammer gezerrt. Der asiatische Beamte war schon toll; ein deutlicher Besucher des "Wie-spiele-ich-böse-Schlitzaugen"-Seminars. Aber jetzt kommt der schwedische Ex-Eishockeyspieler Bo Svenson und macht den dritten Grad. Miles hat keinen Bock auf Entspannung und knüppelt die ganze Truppe in die Ecke. Wieder zu Hause, begrüßt ihn Colonel Waters, gespielt von Mike Monty - who else? Und dann geht die Post so richtig ab: Donald Pleasance spielt Schreibtischhengst Senator Blaster, und gleich bei seinem ersten Auftritt kämpft er würgend mit dem Inhalator und kotzt dabei fast auf den Tisch. Spitze! Und er hat jede Menge Weisheiten dabei: "Ein Soldat braucht mehr als Muskeln!", und: "Schlachten, Mister Held, werden nicht nur mit Waffen gewonnen!" (Ich möchte dem kurz widersprechen: Ein Soldat braucht NICHT mehr als Muskeln, und Schlachten werden WOHL nur mit Waffen gewonnen.) Miles verspricht Onkel Donald, daß er ihm seinen Inhalator in die untere Körperöffnung einführen wird, und fährt Richtung Philippinen.
   Schwer zu sagen, wie das jetzt kausal zusammenhängt. Zuerst kämpft Miles mit einem der gefährlichen Filipino-Haie (der explodierende Hai sieht gut aus und stammt bestimmt aus einem anderen Film); dann trifft er Richard Raymond, der ihn zu seinem Sohn Sonny schleust. Sonny hat aber keinen Bock auf seinen Papi, was dieser mit Verbitterung aufnimmt. Aber er hat gar keine Zeit, sich zu grämen, denn sofort geht's weiter ins Russenlager, und da wird der Raymond erst mal erbittert zusammengequatscht von Massimo Vanni, der hier aussieht, daß echt alles zu spät ist. Es gelingt den beiden Amis, die Personalakten von Brunos "Flora Film" abzulichten. Eine Menge Kampfgetümmel folgt, bei dem Sonnys Dorf vom wilden Schweden aufgemischt wird und Raymond auf eine Mine tritt. Kaum hat Miles dann eine Blondine mit Hausboot und ihren Papi Luciano Pigozzi (diesmal wirklich) kennengelernt, schon fliegt wieder alles auseinander - die Tristesse des Kriegsboten. Es gibt einen hübschen Markisensturz, der direkt aus TEMPLE OF DOOM geklaut ist. Ein fieser Glatzkopf verwandelt sich durch Bombe in eine halbe Puppe (brennend). Blondinchens Freundin heißt My Lai. Und nach ein paar Hubschrauberstunts der Marke "Wie bleibe ich möglichst geschickt am Höhenruder, am Schwanz des Ko-Piloten o.ä. hängen, ohne runterzufallen" gehen für Onkel Bo die Lichter aus. Das doofe Kind bleibt am Leben. Und Onkel Donald bekommt richtig fies sein Fett weg: Ihm wird was ganz Böses gesagt, was ihn im Innersten verletzt. Geknickt schleicht er von dannen.
   Ja, Donald ist natürlich der Star, und er balgt sich den ganzen Film hindurch mit den Inhalatoren und Kampferstiften. Zu Mike Monty möchte ich erwähnen, daß ich Gordon Mitchell gestern gefragt habe, wer das ist, und er verriet mir, daß Monty ein auf den Philippinen lebender Amerikaner ist, was erklärt, wieso er in so vielen dort gedrehten Söldnerfilmen mitmischt. Er soll obendrein indianisches Blut haben. Dies fand ich besonders interessant, da ich ihn vor kurzem in einem Western von Ferdinando AUGE DES BÖSEN Merighi gesehen habe, wo er einen Indianer spielt, mit Superperücke. Außerdem hat mir Gordon noch was erzählt, aber das kann ich wirklich nicht drucken! Mike taucht auf jeden Fall in zigtausend Filmen auf - achtet mal drauf. Gordon wird demnächst übrigens in einer Folge der beliebten Serie EHEN VOR GERICHT auftauchen, als "charismatischer Sektenprediger", wie das Presseinfo vermeldete. Die Welt hört nicht auf, sich zu drehen - wunderbar! Grüße an Pastor Clemens.
   Wenn man sich diese drei Filme bereits angeschaut hat, kann man eigentlich Nägel mit Köpfen machen und sich auch Brunos tollen COP GAME (dt: G.I. KILLER) und NATO PER COMBATTERE (dt: BORN TO FIGHT) zu Gemüte führen - insgesamt sechs Filme, nach denen man für das Berufsleben gewappnet ist: Nicht lange herumstudieren, sondern gleich ins pralle Menschenleben hineingelangt! Das Werk soll den Meister loben...

MANNA MANNA, NAM NAM!

BYE BYE VIETNAM (1988) ist eines von vier Produkten, die unter dem Pseudonym "Paul D. Robinson" auf den internationalen Videomarkt gezwungen wurden. In Deutschland liegen alle vier dieser Filme vor. Der richtige Name des Regisseurs lautet Ignazio Dolce, und er ist bereits seit den späten Fünfzigern als Regieassistent und Schauspieler mit von der Partie. Besonders häufig hat er mit den Action-Spezialisten Parolini und Margheriti zusammengearbeitet. Für des Letzteren HÖLLENHUNDE BELLEN ZUM GEBET und KILLER FISH zeichnete er als "2nd Unit Director" verantwortlich.
   Daß er in puncto Spektakel was von seinen Lehrmeistern gelernt hat, kann man nicht abstreiten: BYE BYE VIETNAM (auch als ANGEL HILL aka THE LAST PLATOON bekannt) sieht gut aus, was sicher auch auf den vorzüglichen Kameramann Sergio d'Offizi zurückzuführen ist, der ebenfalls von gestern, ja von vorgestern ist. Was bei keiner der Robinsonaden so richtig hinhaut, sind die Stories: Trotz der guten Technik sind alle Filme bestenfalls blah und hätten eigentlich mehr verdient. Im Falle von BYE BYE geht dem Film ein zentraler Grundkonflikt ab, wie er etwa Margheritis TORNADO (IM WENDEKREIS DES SÖLDNERS) ausgesprochen belebt. Hier geht die Handlung gleich in medias res: Ein Söldnerkommando (gähn!) soll ein vietnamesisches Lager in die Luft jagen. Mit dabei von der Knallerei ist Richard Hatch, der einst lange Haare hatte und als "Captain Apollo" Mädchenherzen rund um den KAMPFSTERN GALACTICA verzückte. Auch löste er Michael Douglas als Partner von der Knollennase ab. Hier ist er Sergeant Costa (später Colonel Costa - man wird schnell befördert bei der U.S. Army, das Berufsangebot für Späteinsteiger), und er sieht etwas ausgemergelt aus, wie nach einer Entziehungskur. Seine Bosse wollen, daß er Captain Marvin befreit; das macht er dann auch. Und wer ist Marvin? Natürlich Mike Monty, wenngleich schon sehr grau. Zwar bricht eine Mine sein Bein (es muß peinvoll gerichtet werden), aber seine Überreste werden gehorsamst abgeliefert, bei...Donald Pleasance. (Jau, Familientreffen!) Donald sieht natürlich nicht ausgemergelt aus, aber in der Uniform ist das wirklich der Onkel Jupp im Jagdzwirn, ich kann mir nicht helfen. Ihm auch nicht. Für die gelungene Beendigung seines Auftrags erhält Costa Urlaub, den er bei seiner saigonesischen Geliebten Mai Lin verbringen will, die zwar NICHT identisch ist mit dem amerikanischen Pornostar, aber dafür im Verdacht steht, Ho Tschi Minh das Rezept für "Dr. Pepper" verraten zu haben. (Lustigste Szene von NUMMER FÜNF LEBT: "Ich bin ein Pfeffer!") Eine Fee macht Schnipps, und schon ist die Mai Lin weg und zwei große, böse Feldjäger stehen auf der Matte, die Costa erst einmal richtig vermöbelt. Kurz darauf verdrischt er auch noch zwei dealende Kameraden - der Mann ist richtig schlecht drauf, man geht ihm am besten aus dem Weg.
   Onkel Donald aber baut auf ihn. Er will, daß er in den Wald geht und dort eine Brücke in die Luft jagt. Dafür bekommt Costa auf eigenen Wunsch sogar einige Knastologen zur Verfügung gestellt, darunter - yippie! - Vassili Karis und einen Mohr mit Wollmütze. Im Dschungel trifft man dann Mai Lin wieder, die eine Rebellin reinsten Wassers ist, wenn auch nicht sehr lange. Alles wird dann zerbombt. Die Knackis wollen sich andauernd verdrücken, bleiben aber doch bei der Stange. Die Brutalitäten sind herbe, da zerplatzt die Zuckerwatte. Gute Modellaufnahmen verwöhnen bei Explosionen etc. das Auge - man ist von Mattei anderes gewohnt. Aber schließlich führt die ausführliche Schilderung von Kriegsverbrechen doch nur zu dem üblichen zartbitteren Ende zynischer Gewandung. "Welchen Kontinent erobern wir als nächsten?" fragt Hatch ironisch, Kritisches vorgaukelnd. Hmm, wie wär's mit China? Insgesamt ein technisch mehr als ansehnlicher Film, bei dem dramatisch leider nicht viel zusammenläuft. Da hätte ich lieber Ignazio Dolces ersten eigenen Film gesehen, L'AMMAZZATINA, eine Komödie mit der betörenden Erika Blanc, mit der demnächst ein Interview folgt. Den strammen Soundtrack von Stefano Mainetti gibt es auf CD. Da wird BLADE RUNNER imitiert, daß es nur so splittert. Die anderen drei Robinson-Filme sind LEATHERNECKS mit Marsina und Karis (der beste der vier), LAST FLIGHT TO HELL (müßiges Gedrechsel) und THE LAST AMERICAN SOLDIER (totale Gülle). Spaß, Spaß, Spaß, solange Wald da ist. Dann müssen alle, wie der Robinson, auf die einsame Insel. Oder, wie der Tony Kendall, wir spielen in Pornos mit, wie zum Beispiel der unterhaltsame THRILLING LOVE aka TRADIMENTI A CAPRI von Maurizio Pradeaux, auf den hier auch noch mal hingewiesen wird! Tony spielt natürlich nur in den soften Teilen mit, da er von zarter Hand kastriert worden ist, aber sein Gesichtsausdruck, wenn er entmannt, ein sich rotfärbendes Bettlaken um die Lenden geschlungen, nach links zum Bild herauswankt, paßt gut zum Titel des hier besprochenen Filmes: BYE BYE VIETNAM.

ZETER UND SOLDIO

Der letzte Text gehört einem nicht ganz so berühmten Film: SÖLDNER DER APOKALYPSE (APOCALYPSE MERCENARIES) von 1989 ist garantiert niemals in Italien gelaufen. Der Regisseur (versteckt unter dem Pseudo "John J. Dawson") heißt Leandro Lucchetti. Ich erinnere mich daran, ihn vor Jahresfrist einmal angerufen zu haben, aber der gute Mann sprach leider nur Italienisch. Immerhin fiel mir auf, daß er offensichtlich bei seiner Familie wohnt, da ich von einem Lucchetti zum nächsten gereicht wurde. Daraus zu schließen, er wäre eventuell noch minderjährig, ist ein Irrtum, denn Leander der Klosterschreck zählt bereits über fünfzig Lenze. 1983 drehte er, mit Hilfe des "Artikels 28", einen Kunstfilm über Eurydike. Da dieser Film ein totaler Flop wurde, wagte er sich erst sechs Jahre später wieder auf das schwanke Eis des Regiegeschäfts, mit APOCALYPSE MERCENARIES, und der wurde NICHT gefördert.
   Der Film beginnt vielversprechend: Zum ohrenbetäubenden Trommelfeuer von Stelvio Ciprianis Synthie-Score verwirrt der Vorspann angenehm mit der Information: "Cameramen: Claude Mitchell". Ein Kameramann mit multipler Persönlichkeit? Toll! Man ist gleich gespannt, was die Claude Mitchells dem staunenden Auge bescheren.
   Zunächst einmal ist da Paul Muller, der als alliierter General einen Diavortrag hält. Sein Thema ist nicht "Mit dem Faltboot durch Finnland", sondern die Zusammenstellung eines Killer-Kommandos ("Er ist eine richtige Kampfmaschine!"), dessen Aufgabe es sein soll, das Nazi-Hauptquartier wegzubomben, das die Offensive gegen die jugoslawische Befreiungsarmee organisiert. Muller trägt zu diesem Vortrag einen blütenweißen Johannes-Heesters-Schal, den noch nie irgend jemand getragen hat, jede Wette. Es soll nicht das einzige Mal während dieses Filmes sein, daß der Schal auftaucht. Zum Kommando gehören unter anderem Vassili Karis als Captain Tony Hail (!) und Maurice Poli als sprengwütiger "Priester". Als viertes Rad am Wagen greift man sich den Bodybuilder Karl Landgren, der brutal wie ein Eber ausschaut; der hört jeden Tag rund um die Uhr "Rammstein", bis er ganz rammdösig ist, jede Wette. Beim ersten Auftritt exekutiert er höchstpersönlich mehrere Nazis; Poli spricht ein Gebet und macht das Kreuzzeichen mit dem Daumen.
   Die Struktur des Filmes ist übrigens leicht durchschaubar. Genau wie Umberto Lenzi in seinem BRIDGE TO HELL Material aus verschiedenen jugoslawischen Kriegsfilmen verwertet hatte, so sind hier die diversen Aufträge, die Muller den Buben per Funk mitteilt, der Natur des Archivmaterials angeglichen, das in den 90 Minuten verwurstet wird. Daß es sich um Fremdmaterial handelt, muß allerdings auch dem Dümmsten auffallen, da es nicht nur eine vollkommen andere Bildqualität besitzt, sondern auch ein unterschiedliches Format. Auch die neuen Szenen sind wahrscheinlich in Jugoslawien gedreht worden. Die Jugos-Natzis sind echt toll. Die haben echt die letzten Hütchenspieler von der Straße gezerrt und ab in die Uniform. Mann, sehen die authentisch aus! Die verbindenden Szenen machen das Herz des Filmes aus und bescheren ihm den bescheidenen Reiz, den er besitzt. Zum Beispiel gibt es eine Sequenz, in der der Karies und die anderen auf einen alten Mann stoßen, der auf einem Hügel hockt. Auf einmal explodiert eine Hütte mit Natzis, ein Wecker klingelt und der alte Mann ist tot! Aus einer anderen Hütte kommt dann ein monokelbewehrter Natzi-Offizier heraus, der wohl von Muller den schönen Heesters-Schal bekommen hat! Hui-Buh... Und dann die Sache mit dem Lazarettzug voll Waffen, jau: Die Söldner wollen "die Gleise unterminieren", und zwar mit TNT. Zwar hat der Archivzug nirgendwo "Rote-Kreuz"-Flaggen, aber Wumm macht es trotzdem, und der Poli geht total ab, so habe ich den Mann noch nie gesehen! Echt ein Fall für die Poliklinik...
   Meine Lieblingsszenen finden aber statt im Hauptquartier, das nicht nur einen Tisch mit Zetteln drauf aufweist, sondern noch ein Beistelltischchen mit Schreibmaschine! An der Wand klebt eine "Deutschland, erwache!"-Flagge, die sich vermutlich an das Publikum richtet. Den Chefnatzi finde ich so lala, aber der Adjutant ist einfach super: Eine Diktion wie ein komplett Betrunkener und ein Gesicht wie der Mann, der in der "Witwe-Bolte"-Schule die Milchtüten austeilt. Das Gefecht, das dann um diese Höhle entbrennt, ist kostensparend realisiert und entzückt durch einige Synchro-Perlen von zufällig herumstehenden Natzis, etwa: "...und dann hadder gemeint, ein Nacktfoto ist Kunst, haha..." Heijeijei! Als sich Karis und Konsorten zum Funkgerät durchgekeilt haben, sucht man nach dem Code, aber - oh Wunder: Er ist auf das Funkgerät geschmiert! "Schwarzer Adler", begleitet von einem unglaublichen Adler-Aufkleber, den der Adjutant bestimmt von einer Milchtüte gemopst hat. Super! Das ist etwa so, als ob ich die Geheimnummer von meiner "ec"-Karte an die Hauswand sprühe...
   Die inszenatorische Qualität, das muß man nicht erwähnen, erreicht die Kunstfertigkeit des letzten Bundeswehr-Videos nur mit Ach und Krach. Poli und der Pilot (der übrigens auch einen weißen Schal gefunden hat!) sterben dann noch vollkommen sinnlose Tode, und Muller faßt alles hübsch zusammen: "Meine Arthritis ist schlimmer geworden und Sie sind jetzt ein Held!" Die Schlußmusik verballhornt Jochen Tschaikowskys "Schwanensee".
   Noch ein paar Worte zu Lucchetti: Nach diesem Meilenstein begab er sich ins SNAKE HOUSE (wie BLOODY PSYCO bei uns heißt). Sein GETTING EVEN, in dem ein psychopathischer Nam-Veteran Leichen reißt, ist im Fernsehen gelaufen. LE PREDE UMANE (dt: CAGED HEAT) ist ein megatrashiger Gefängnisfilm (sicherlich sein bester). Und ein AIDS-Drama gibt es auch noch von ihm.

Das waren also jetzt die Soldaten. Ich weiß nicht genau, ob es nächsten Monat einen Artikel gibt, denn meine Augen sind ganz zugeschwollen vom vielen Kaffee, und auch das Geknalle geht irgendwann an die Substanz. Ich möchte schließen mit meiner Lieblingsstelle aus Herrn Schlingensiefs Talkshow, wo der Prinz von Hohenzollern hereinkommt und etwas ungeschickt formuliert: "Danke...tolles Begrüßungs...kommando!" Schlingensief, der sich die Freude kaum verkneifen kann, grinst: "Kommando?...Das ist bestimmt eine Anspielung auf die 68er? Mit der Faust auf den Tisch hauen, sich nicht alles gefallen lassen, was verändern wollen...Die Frage ist: Wie viel Veränderung verträgt der Mensch?" Der Prinz, unsicher: "Weiß nicht...fünf, zehn..." Als Abschluß dieses Artikels paßt aber eher die Schlußbotschaft des Talkmasters, der den Arbeitslosen in Deutschland zubrüllt: "Verliert nicht die Hoffnung - es ist alles verloren!!!" Das sehe ich genauso. Es ist nichts mehr zu sagen. Punkt.

P.S.: Es ist DOCH noch was zu sagen: Buch über Italo-Western - später im Jahr - alle kaufen!

Christian Keßler

(Der Artikel erschien zum ersten Mal im März 1998 in der "Splatting Image" Nr. 33.)